Ein Auslandssemester in Frankreich

Nicola im Süden Frankreichs (Bild: Nicola Winterhoff)

Nicola Winterhoff, 26 Jahre, studiert den Master "Pädagogik und Management in der Sozialen Arbeit" an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften und macht ein freiwilliges Auslandssemester in Bordeaux/Frankreich, das mit Erasmus+ unterstützt wird. Das Referat für Internationale Angelegenheiten hat sie zu ihren Beweggründen interviewt.

Sie haben sich dazu entschlossen, ein Auslandssemester in Frankreich zu verbringen. Wie kam es dazu?

Bereits mein Aufenthalt in Tansania im Rahmen eines Freiwilligendienstes nach dem Abitur hatte mir gezeigt, dass das vorübergehende Verlassen des alltäglichen Umfelds neue Gedanken- und Handlungswelten öffnet und damit einen starken Einfluss auf meine persönliche Entwicklung hat. Die Idee, eine Zeit lang im Ausland zu studieren, reizte mich daher schon seit Beginn meines Bachelorstudiums. Da die Möglichkeiten für ein ERASMUS Semester an meiner alten Hochschule sehr begrenzt waren, wollte ich die Gelegenheit unbedingt noch vor Beendigung meines Masterstudiums an der TH Köln wahrnehmen. Auch die finanzielle Unterstützung durch das ERASMUS Programm spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Die Wahl fiel auf Frankreich, da ich dieses Land bereits im Urlaub zu schätzen gelernt hatte und sprachliche Kenntnisse noch aus meiner Schulzeit sowie einem Französischkurs an der TH Köln vorhanden waren.

Was studieren Sie an der TH Köln/am IRTS?

An der TH Köln studiere ich im Master Pädagogik und Management in der Sozialen Arbeit. Am IRTS nehme ich an Kursen teil, die im Rahmen der Licence Studiengänge (mit dem deutschen Bachelor gleichzusetzen) zum*zur Educateur*trice de Jeunes Enfants (etwa: Frühpädagogik) und Assistant*e Service Social (Soziale Arbeit) angeboten werden. Hierbei habe ich versucht, den Managementschwerpunkt aus meinem Master in der Kurswahl zu berücksichtigen. Dass die Kurse auf Bachelorniveau sind, spiegelt sich war teilweise in der Tiefe der Inhalte wider, erleichtert für mich aber auch das Verstehen der französischen Sprache. Zudem habe ich im Bachelor Ergotherapie studiert, sodass auch im Bachelor hier neue Themen für mich auftauchen.

Fühlen Sie sich, jetzt wo Sie am Ende Ihres Aufenthaltes sind, mehr als Europäerin?

Ich fühle mich auf jeden Fall am Ende meines Aufenthaltes mehr als Europäerin. Das Leben in Frankreich und der Austausch mit Franzosen*Französinnen und mit vielen anderen ERASMUS Student*innen aus europäischen Ländern haben dazu beigetragen, dass ich mich mehr mit europäischen Themen auseinandergesetzt habe. Die anstehende Europawahl in diesem Jahr hat dies noch verstärkt.

Inwiefern bringt Sie das Auslandssemester weiter? Was nehmen Sie für sich persönlich mit?

Durch die Studienzeit in Frankreich habe ich große Fortschritte in der französischen Sprache gemacht – auch bezüglich der Begriffe aus dem Bereich der Sozialen Arbeit. Dies kann mir eventuell für eine zukünftige Arbeitsstelle von Vorteil sein. Darüber hinaus habe ich auch fachlich Neues hinzugelernt, insbesondere in den Bereichen Management und Teamarbeit, Sozialpsychologie und Organisationssoziologie. Nicht zuletzt hat das Auslandssemester auch Auswirkungen auf die Weiterentwicklung und Festigung meiner eigenen Persönlichkeit, die mich mehr Sicherheit im Hinblick auf das bevorstehende Arbeitsleben empfinden lassen.

Was würden Sie anderen Kommiliton*innen mitteilen, um ihn/sie zu überzeugen, auch ins Ausland zu gehen?

Ich würde jedem*jeder Kommiliton*in empfehlen, ein Semester im Ausland zu verbringen. Auch wenn ein Aufenthalt weg von zu Hause sicherlich neue (sprachliche, fachliche, persönliche) Herausforderungen mit sich bringt, geht man daraus letztendlich gestärkt hervor. Darüber hinaus bedeutet ein ERASMUS Semester auch viel Spaß durch neue Kontakte und Unternehmungen mit Student*innen aus vielen verschiedenen Ländern. Auch die finanzielle ERASMUS Förderung sollte man nicht vergessen.

Was gefällt Ihnen am Studienalltag in Bordeaux besonders gut? Was könnte sich die TH abschauen?

Die Kurse am IRTS sind eher blockartig organisiert, anstatt in wiederkehrenden wöchentlichen Veranstaltungen. Dies erlaubt meiner Meinung nach einen sehr intensiven Einstieg in verschiedene Themenbereiche. Zudem ist jeder*jede Student*in für die dreijährige Studienzeit einer festen interdisziplinären Kleingruppe zugeordnet, die sich in regelmäßigen Abständen trifft. Dort können untereinander und mit den zugeordneten betreuenden Dozierenden Praktika und persönliche Lernfortschritte reflektiert sowie Probleme während des Studiums besprochen werden, was ich als wertvoll für die professionelle und persönliche Weiterentwicklung empfinde.

Sollten sich die Deutschen eine Scheibe vom französischen Lebensstil abschauen?

Ja! Besonders gut gefällt mir am französischen Lebensstil, dass sich bewusster die Zeit für Pausen genommen wird. Gutes Essen und Geselligkeit spielen dabei eine wichtige Rolle. Darüber hinaus wird oft nicht zu starr an eigentlich unsinnigen Regeln festgehalten, wie dies manchmal in Deutschland der Fall ist. Gleichzeitig empfinde ich die Unterschiede jedoch auch nicht als riesig groß und sie sind meiner Meinung nach sehr stark von der Persönlichkeit der Menschen abhängig, die man trifft, als weniger von deren Nationalität.

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