Bilingualer Schulalltag – Praktikum an deutsch-mexikanischer Grundschule
Amalia Meinhold, Studentin der Mehrsprachigen Kommunikation, hat ihr obligatorisches Auslandssemester in Form eines viermonatigen Praktikums am Colegio Alemán in Mexiko-Stadt absolviert. Wir haben sie interviewt:
Amalia Meinhold
Bachelor Mehrsprachige Kommunikation
1. Fremdsprache: Englisch
2. Fremdsprache: Spanisch
Studienrichtung: Transkulturelle Medienkommunikation
Frau Meinhold, wieso haben Sie sich für Mexiko entschieden?
Ursprünglich war mein Gedanke, auf Gran Canaria nach einem Praktikumsplatz zu suchen, da dort ein Teil meiner Familie lebt. Ich hatte dort bei den Bewerbungen auf andere internationale Schulen allerdings kein Glück.
Glücklicherweise bekam ich den Kontakt zu einer Schulleiterin einer deutsch-mexikanischen Grundschule in Mexiko-Stadt. Die Schulleiterin bot mir dort dann auch ein Praktikum an. Natürlich war Mexiko sehr viel weiter weg als Gran Canaria, aber ich dachte mir, dass ich so schnell nicht nochmal die Option bekommen würde, für ein halbes Jahr nach Mexiko zu ziehen. Also habe ich zugesagt!
Wie darf man sich das Lehrprogramm an einer deutsch-mexikanischen Grundschule vorstellen?
Im Endeffekt gibt es die gleichen Fächer wie in einer normalen deutschen Schule, bis natürlich auf die Zweisprachigkeit, die von Anfang an gefördert wird. Dies bedeutet, dass es von Anfang an Spanisch sowie Deutschunterricht (auf drei verschiedenen Leveln) gibt. Dazu kommt, dass ein Teil der Fächer auf Deutsch und der andere Teil auf Spanisch unterrichtet wird. Natürlich tendieren die Kinder viel mehr dazu, miteinander auf Spanisch zu reden, allerdings gibt es viele, die genauso gut oder nur Deutsch sprechen können. Diese können dann in den fortgeschrittenen Deutschkursen strahlen.
Was waren Ihre Aufgaben als Praktikantin?
Während des Praktikums habe ich natürlich viel im Unterricht geholfen, war aber auch bei verschiedenen Schulaktivitäten dabei. Ich war vor allem im Unterricht einer dritten Klasse dabei, habe jedoch ebenfalls Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse begleitet. Bei der Hospitation im Unterricht war meine Hauptaufgabe, den Kindern bei Schwierigkeiten und Fragen zu helfen und deren Aufgaben zu korrigieren. Ein paar Mal konnte ich selbst ausgedachte Lernspiele anleiten und sogar Unterricht – mit Begleitung der eigentlichen Lehrkraft – durchführen.
Am abwechslungsreichsten waren jedoch die verschiedenen Schulaktivitäten: Ich habe eine fünfte Klasse beim alljährlichen Sportfest begleitet und war bei den Proben für das Weihnachtskonzert dabei. Ich konnte mit einer Klasse an den Aktivitäten vom Umwelttag teilnehmen und war sogar beim Lehrerausflug mit rund 100 Angestellten der Schule dabei, wo es erst in ein Museum und dann in ein typisch mexikanisches Restaurant ging.
Welche Kenntnisse, die Sie in Ihrem bisherigen Studium am ITMK erworben haben, konnten Sie während Ihres Praktikums anwenden/vertiefen?
Vor allem konnte ich meine Spanischkenntnisse vertiefen. Mein Spanisch war vor Mexiko nicht schlecht und ich konnte mich unterhalten, allerdings fehlte mir das Selbstbewusstsein beim Sprechen und mein Vokabular war viel eingeschränkter.
Durch das Üben, vor allem mit den Kindern aus der Schule, aber auch in meiner Freizeit, hat sich beides extrem verbessert. Meiner Meinung nach hätte ich mir diese Verbesserungen, vor allem das Selbstbewusstsein beim Sprechen, niemals aneignen können, wäre ich nicht tagtäglich mit Muttersprachlern im Kontakt gewesen.
Gab es für Sie spürbare kulturelle Unterschiede?
Ich glaube, der kulturelle Unterschied, der sich bei mir sehr im Schulalltag eingeprägt hat, war der hervorragende Comedor der Schule. Ab der ersten Pause wurden alle möglichen typisch mexikanischen schnellen Gerichte wie zum Beispiel Tacos, Quesadillas, Tortas, Chilaquiles und noch viel mehr angeboten. Die gesamte Zeit, in der ich an der Schule war, habe ich dort gegessen, und ich vermisse dieses Frühstück – ein halbes Jahr später – immer noch.
Ein etwas weniger schöner Unterschied sind die Erdbebenalarmproben. Diese finden und müssen auch regelmäßig stattfinden, da Menschen in Mexiko-Stadt und eigentlich ganz Mexiko diese häufig miterleben. Ich selbst habe das Erdbeben vom 2. Januar 2026 miterlebt und obwohl das Epizentrum an der Küste lag, war die Magnitude von 6,5 enorm in unserer Wohnung zu spüren und zu sehen. Also ist es für die Schüler und die Angestellten enorm wichtig, diese Simulation regelmäßig durchzuführen, da Erdbeben eine sehr reale Gefahr sind, die jederzeit eintreten können.
Zu guter Letzt etwas sehr Patriotisches: das monatliche, zeremonielle Flagge-Hissen mit Singen der mexikanischen sowie der deutschen Nationalhymne. In normalen mexikanischen Schulen wird natürlich nur die mexikanische Flagge gehisst. In dem Fall der deutsch-mexikanischen Schule wurde die deutsche ebenfalls gehisst. Diese Tradition ist normalerweise ein wöchentliches Ritual. An der deutsch-mexikanischen Schule wird es jedoch nur einmal pro Monat gemacht.
Hat Sie die Tätigkeit in Sachen Berufs-/Masterstudiengangswahl weitergebracht?
Ja und nein. Vor allem ist mir klar geworden, dass das Lehrersein für mich höchstwahrscheinlich als Vollzeitberuf eher nichts sein wird. Denn es ist eine Sache, sich mit einem bis vier Kindern hinzusetzen und ihnen zu helfen und sie zu betreuen. Es ist eine komplett andere Sache, eine Klasse von 20–30 Kindern alleine zu betreuen und durchgehend für alle da sein zu können. Ich habe eine große Achtung für die Tätigkeit entwickelt und für die, die sie ausüben, habe aber gemerkt, dass mir diese enorme Verantwortung über den Kopf wachsen würde.
Heißluftballonfahrt über die Pyramiden von Teotihuacán
(Bild: Amalia Meinhold, Studentin am ITMK)
Wie hat Ihnen der Ort/die Umgebung gefallen?
Mexiko-Stadt ist eine wirklich tolle Stadt, die unglaublich viel zu bieten hat. Vor allem kulturell und historisch gibt es unendlich viele Museen sowie Orte, die man erkunden kann. Innerhalb der Stadt kommt man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut von A nach B. (Autofahren kann ich innerhalb der Stadt jedoch absolut nicht empfehlen, außer man hat Lust, vor allem tagsüber, in einem Dauerstau zu stehen, aus dem man von Anfang der Fahrt bis zum Ende hin eigentlich kaum herauskommt.)
Was Freizeitgestaltung angeht, findet man ansonsten eigentlich alles, was man sich wünschen kann. Es ist nun mal eine der größten Städte der Welt und dementsprechend gibt es ein breit gefächertes Angebot.
Palacio de Bellas Artes im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt
(Bild: Amalia Meinhold, Studentin am ITMK)
Was sollte man in Mexiko-Stadt auf jeden Fall gesehen oder erlebt haben?
Wem es möglich ist, der sollte am besten einige Tage für die Top-To-Dos einplanen. Ich würde mit einer Tour durch das historische Zentrum der Stadt anfangen und, da er gleich um die Ecke ist, den Palacio de Bellas Artes besichtigen. Außerdem kann ich das Ballet Folklórico de México dort sehr empfehlen.
Im Chapultepec-Park herumlaufen ist ebenfalls schön, und dort kann man ebenfalls das Schloss Chapultepec (und das Museum) besichtigen.
Ein weiteres tolles historisches Museum ist das Nationalmuseum für Anthropologie, welches einen hervorragend auf eine Tour der Pyramiden von Teotihuacan, die außerhalb der Stadt liegen, vorbereiten kann.
Als Letztes, um ein klassisches Markt- und Esserlebnis zu haben, kann ich nur eine Tour über die Märkte La Merced & Sonora empfehlen. Man probiert sich auf dem größten traditionellen Einzelhandelsmarkt der Stadt (Mercado de La Merced) durch typische Gerichte und Getränke und besichtigt den angrenzenden, weltweit größten Markt für Hexerei, Magie und Okkultismus (Mercado de Sonora). Ich selbst habe die Tour schon zwei Mal gemacht und würde sie absolut noch mehrfach mitmachen.
Hätten Sie einen Tipp, was man bei der Vorbereitung auf einen Aufenthalt in Mexiko unbedingt beachten sollte?
Bevor man nach Mexiko fliegt, sollte man sich auf jeden Fall belesen, in welchen Gegenden von Mexiko, aber auch wo genau in den einzelnen Städten, man sich als Tourist, aber auch als Einheimischer sicher aufhalten kann. Es ist ein tolles Land mit superfreundlichen Menschen, allerdings muss man sich der Kartellpräsenz selbst in vermeintlich sicheren Umgebungen sehr bewusst sein.
Das heißt nicht, dass man immer mit Angst durch die Straßen laufen muss, eher das Gegenteil: Ich habe mich immer ziemlich sicher gefühlt, allerdings sollte man darauf hören, was einem die Einheimischen sagen. Wenn man eine Gegend meiden soll, dann meidet man sie. Wenn man eine bestimmte Transportart, wie zum Beispiel die pinken Taxis, eher meiden sollte, dann tut man dies auch besser. Einfach, damit man auf der sicheren Seite ist.
Ansonsten denke ich, dass man an die üblichen Dinge denken muss, die man bei internationalen Reisen bedenken muss. Und generell glaube ich, dass es vor allem als "Tourist" ein tolles Land ist, in dem es viele schöne und interessante Dinge zu erkunden gibt!
Ihr Fazit:
Das Auslandssemester war ein großer Erfolg für mich. Ich bin sehr froh, dass ich mich für ein Praktikum entschieden habe, und bin mit der Arbeitsstelle sehr zufrieden gewesen. Ich habe einiges gelernt und vieles kennengelernt und freue mich, dass ich mich als Person viel weiterentwickeln konnte. Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich in Mexiko sammeln durfte.
September 2026