Was Diagnosen uns nicht erzählen
Florian Lintz berichtet von den verschiedenen Perspektiven auf Diagnosen - ein Thema innerhalb der Kooperation Sozialmedizinische Grundlagen.
Videoausschnitt, Florian zeigt Moderationskarten
(Bild: Judith Marx)
Am 27.06.2026 fand die Seminarkooperation zwischen EiN* Ort für inklusives Wissen und Imke Niebaum von der TH Köln in den Sozialmedizinischen Grundlagen statt.
In dieser Sitzung ging es darum, Studierenden der Sozialen Arbeit Einblicke in die Lebenswelten von Menschen mit Be_hinderung zu ermöglichen. Dazu hat Imke Niebaum an diesem Tag Judith Marx und Florian Lintz zum Seminar eingeladen.
Das Team von EiN* Ort hat ein kurzes Video für die Kooperation vorbereitet. Darin sprachen die Bildungsfachkräfte über ihren Alltag, zum Beispiel vorhandene Barrieren sowie Unterstützung. Außerdem haben sie ihre Wünsche an die Gesellschaft benannt.
Anschließend haben sich die Student*innen anhand von Zitaten über Begriffe und Selbstbezeichnungen rund um das Thema Be_hinderung ausgetauscht. Der Begriff Be_hinderung kann mit einem Unterstrich geschrieben werden, um soziale Aspekte hervorzuheben. Also Barrieren und Hürden, welche Teilhabe verhindern. Zum Beispiel kann schwere Sprache verhindern, dass Menschen sich beteiligen können.
Florian, worüber habt ihr euch ausgetauscht?
Wir haben über die Unterscheidung zwischen Krankheit und Behinderung gesprochen. Also, dass eine Behinderung keine Krankheit ist und auch Diagnosen im Umgang miteinander gar nicht so wichtig sind. In der Sozialmedizin werden häufig Diagnosen herangezogen. Uns war es wichtig, einen differenzierten Blick auf Menschen zu vermitteln. Das bedeutet, dass Menschen vielseitig, widersprüchlich und nicht immer greifbar sind. Diagnosen werden Menschen nicht gerecht.
Hast du weitere Gedanken zu dem Thema Diagnosen?
Diagnosen sind wichtig. Aber man sollte Menschen nicht danach bewerten. Diagnosen sehen bei allen Menschen verschieden aus. Sie stehen auf dem Papier, man sollte aber mit dem Menschen ins Gespräch kommen.
Mit Diagnosen wird der Hilfebedarf und Leistungen bergründet. Dafür sind sie gut. Bei meiner Arbeit ist eine Diagnose wichtig, um eine Assistenz zu bekommen. Aber sonst spielt sie keine Rolle.
Trotzdem kann die Diagnose ein Etikett sein, welches Probleme bereitet. Man wird ausgeschlossen und als „anders“ abgestempelt.
Diesen Widerspruch haben wir in unserer Veranstaltung als „Ettiketierungs-Dilemma“ bezeichnet.
Wie war die Veranstaltung für dich?
Ich fand es schön, meine Sichtweise einbringen zu dürfen. Und auch, dass wir so frei waren in der Gestaltung. Der Einblick in die Sozialmedizin war mal was anderes als zum Beispiel Recht oder Pädagogik.
Juli 2026