Verschwörungsideologien im sozialen Nahraum
Die zentralen Forschungsergebnisse des Projekts RaisoN sind nun als Buch unter dem Titel „Verschwörungsideologien im sozialen Nahraum. Herausforderung für Beratung und politische Bildung“ beim Verlag Beltz Juventa erschienen.
Verschwörungsideologien im sozialen Nahraum
(Bild: Beltz Verlagsgruppe)
Hintergrund
In Zeiten von Krisen und gesellschaftlichen Herausforderungen haben völkisch-autoritär orientierte Verschwörungsideologien im Sinne von kritikimmunen Weltbildern und solche, die daran anschlussfähig sind, Konjunktur. Verschwörungsideologien stützen sich dabei auf eine oder mehrere Verschwörungserzählungen. Dazu zählen beispielsweise die Behauptungen von einem „Großen Austausch“ bzw. einer „Umvolkung“, die Unterstellung, jüdische Eliten strebten eine neue Weltordnung an, die Annahme, die Corona-Pandemie sei eine Erfindung der Pharma-Industrie, genauso wie das Narrativ, Politiker:innen seien nur Marionetten dahinterstehender Mächte. Viele Verschwörungserzählungen weisen rassistische, extrem rechts orientierte, antisemitische, queerfeindliche, antifeministische und andere gruppenbezogene menschenfeindliche Bezugspunkte auf. Verschwörungserzählungen und sich daraus verdichtende Verschwörungsideologien sind nicht nur bei extrem Rechten, bei Anhänger:innen von Q-Anon, der Querdenken-Bewegung oder bei Reichsbürger:innen verbreitet; sie reichen bis in weite Teile der gesamten Gesellschaft hinein. Verschwörungserzählungen und -ideologien verbreiten sich in einem hohen Tempo - analog und digital, lokal und transnational, zwischenmenschlich und gesellschaftlich.
Offene und demokratische Gesellschaften sind auf einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt angewiesen. Radikalisierungsprozesse durch Verschwörungsideologien jedoch gefährden diesen Zusammenhalt, denn sie verstärken gesellschaftliche Spaltungsprozesse und befeuern die Polarisierung innerhalb von Gesellschaften bis in die Mikroebene des sozialen Nahraums hinein. Radikalisierungsprozesse durch Verschwörungsideologien stellen entsprechend die Strukturen und das professionelle Handeln in der politischen Bildungs- und sozialarbeiterischen Beratungsarbeit vor große Herausforderungen.
Inhalte, Ziele und Zielgruppen des Buches
Das Buch widmet sich der Erforschung des Auftretens, der Varianzbreite und der Auswirkungen von völkisch-autoritär orientierten und daran anschlussfähigen Verschwörungsideologien auf Familien, Freundschaften und andere soziale Nahräume. Auch die daraus resultierenden Handlungs- und Bewältigungsmuster und Bildungs- und Beratungsbedarfe bei betroffenen Personen, die Verschwörungsanhänger:innen in ihrem sozialen Nahraum haben, werden thematisiert. Darüber hinaus befasst sich das Buch mit darauf reagierenden Handlungskonzepten in der Beratungsarbeit und der nonformalen politischen Bildungsarbeit. Schließlich werden im Buch zudem geschlechtsspezifische Perspektiven auf Verschwörungsglaube erörtert, die Relevanz und Reichweite digitaler Missionierungen analysiert sowie eine Einordnung des Diskurses um die Epstein Files vorgenommen.
Das Buch präsentiert die Ergebnisse des 3,5 Jahre andauernden Verbundprojekts „Radikalisierungsprozesse durch Verschwörungsideologien: Auswirkungen auf den sozialen Nahraum als Herausforderung für die Bildungs- und Beratungsarbeit“ (RaisoN), welches an der TH Köln und der Universität zu Köln angesiedelt war und am 30.6.2026 abgeschlossen wurde. Verschwörungsideologien in sozialen Nahräumen und ihre Auswirkungen sind und bleiben auch in Zukunft ein hochrelevantes Thema und Herausforderung für sozialarbeiterische Beratung in verschiedenen Handlungsfeldern und politische Bildung.
Das Buch ist sowohl als Printpublikation als auch als (kostenloste) Open Access Publikation erhältlich. Link zur Open Access Publikation:
November 2026