TH-Studentin gewinnt Hackathon an Pariser Hochschule
Mit ihrer Idee eines mobilen Marktplatzes für eine bessere Versorgung in ländlichen Gebieten hat Lilli Bieler mit ihrer Arbeitsgruppe den ersten Platz bei einem Hackathon an der PIONEER-Partnerhochschule Université Gustave Eiffel in Paris belegt. Zudem hat Lilli darüber einen Vortrag vor EU-Abgeordneten und Mobilitätsexpert*innen gehalten. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen.
Hackathon
Bei einem Hackathon bearbeiten interdisziplinäre Teams eine gemeinsame Fragestellung innerhalb eines eng gesteckten Zeitrahmens.
Lilli, wie bist du zu diesem Hackathon gekommen?
Die Veranstaltung, die im Rahmen der PIONEER Alliance durchgeführt wurde, war eigentlich für Studierende der Studienvertiefung Städtebau NRW gedacht. Da aber auch stadtplanerische Fragen eine Rolle spielten, kam der Hackathon für mich infrage. Ich studiere Architektur im Master mit dem Schwerpunkt ressourcenoptimiertes Bauen. Von dem Event habe ich über die Auslandskoordinatorin unseres Fachbereichs erfahren. Daraufhin habe ich mich mit einem Motivationsschreiben beworben und eine Zusage erhalten.
Wie lief der Hackathon ab?
Zur Vorbereitung trafen sich die über 60 Teilnehmenden von zahlreichen europäischen Hochschulen in Online-Meetings. Dabei wurden wir per Los aufgeteilt, damit Studierende aus möglichst vielen unterschiedlichen Ländern zusammenkommen. In meiner Gruppe waren junge Leute aus Finnland, Frankreich und Slowenien aus unterschiedlichen Fachbereichen wie Ingenieurwesen, Stadtplanung/Urbanistik und Verkehrsplanung.
Alle Teams haben dann ein Wochenende lang von morgens bis abends an der gleichen Fragestellung gearbeitet: Wie kann die Mobilität in ländlichen Gebieten verbessert werden? Nachdem wir mehrere Probleme und Herausforderungen analysiert hatten, konzentrierten wir uns in der Gruppe auf ein Thema, das auch in Frankreich von großer Bedeutung ist: die soziale Isolation in dünn besiedelten Dörfern. Davon sind vor allem ältere Menschen betroffen, die nicht mehr so mobil sind und nicht einfach wegziehen können oder möchten. In Workshops haben wir verschiedene Ideen entwickelt und eine davon weiterverfolgt. Unser Ansatz sieht vor, die soziale Struktur in den Dörfern wiederherzustellen und neue Serviceangebote einzuführen.
Bildergalerie
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Die Architekturstudentin Lilli Bieler (rechts vorne im Bild) der TH Köln hat mit ihrem Team den ersten Platz bei einem Hackathon an der Université Gustave Eiffel erreicht. (Bild: Vincent Gerbet)
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Das Team entwarf die Idee eines mobilen Marktplatzes, um die Versorgung in ländlichen Gebieten zu verbessern. (Bild: Vincent Gerbet)
Wie kann das konkret aussehen?
Wir haben einen mobilen Marktplatz entworfen, auf dem alltägliche Produkte wie Nahrungsmittel und Medikamente erworben werden können. Die Waren können zum Beispiel in einem Bus gelagert werden, der mehrere Dörfer in einem bestimmten Radius anfährt. Gleichzeitig dient dieser Ort als Treffpunkt und fördert den Austausch in den Dörfern. Darüber hinaus kann CO₂ eingespart werden, da das Einkaufen auf dem Marktplatz die eine oder andere Autofahrt zum nächsten Geschäft ersetzt.
Je nach Topografie können Größe und Ausstattung des Fahrzeugs variieren. In unserer Pilotregion im Südwesten Frankreichs ist es eher flach, sodass dort größere Busse eingesetzt werden können. In den Bergregionen Sloweniens ist hingegen der Einsatz kleinerer Transporter sinnvoll. Jedes Fahrzeug deckt in einer Region eine bestimmte Anzahl an Dörfern ab und fährt diese – abhängig vom Bedarf – an entsprechend vielen Tagen in der Woche an. Der nächste Bus kümmert sich dann um das nächste Gebiet, bis ein ganzer Landkreis versorgt ist.
Ihr konntet eure Idee einige Wochen später im EU-Parlament vorstellen. Wie hast du diesen Tag erlebt?
Meine Arbeitsgruppe hat an der Veranstaltung „Mai à vélo“ teilgenommen. Dort haben EU-Abgeordnete und Mobilitätsexpert*innen über die Förderung des Radverkehrs und die Sicherheit im Straßenverkehr diskutiert. Als Gewinner des Hackathons hatten wir die Möglichkeit, unseren Pitch zu präsentieren. Unsere Idee kam gut an, allerdings ist bisher noch keine konkrete Weiterführung des Projektes geplant. Für mich war es in jedem Fall eine wertvolle Erfahrung, da ich unter anderem Einblicke in die Entscheidungsprozesse und Abstimmungen über Gesetzesvorschläge bei einer großen Sitzung im Plenarsaal des Parlaments gewonnen habe.
Juni 2026