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Christian Sander

Team Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Instagram der Renaissance: TH Köln erweitert digitales Archiv um Zeichnungen und Druckgrafiken

Ein Forschungsteam des Cologne Institute of Conservation Sciences der TH Köln hat das Cranach Digital Archive (CDA) um tausende grafische Werke von Lucas Cranachs d. Ä., seiner Söhne und der Werkstatt erweitert. Nachdem über viele Jahre hinweg die Gemälde im Zentrum der Forschung standen, rückte das Team in einem jetzt abgeschlossenen Projektteil die Arbeiten auf Papier und Pergament in den Fokus.

Damit schließt das Archiv eine wichtige Lücke im Gesamtwerk von Lucas Cranach und seiner Werkstatt.

„Aus unserer Sicht stellt es ein gewisses Defizit dar, lediglich die Werke auf Holz und Leinwand in den Blick zu nehmen. Auch die vorbereitenden Studien, die Entwürfe oder die drucktechnisch produzierten Werke sollten Beachtung finden. Es gibt viele Überschneidungen hinsichtlich der Themen, Motive und Arbeitsabläufe, so dass ein umfassenderes Verständnis der Arbeit der Werkstatt sich erst durch die Gesamtschau ergibt“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Gunnar Heydenreich die Ausgangslage.

Deshalb erfassten die Forschenden drei Jahre lang in 25 Museen und Sammlungen im In- und Ausland knapp 300 Zeichnungen sowie 600 Motive, die in Holz geschnitten oder in Kupferplatten graviert wurden. Dabei dokumentierten sie rund 2.700 Abzüge auf Papier, die mittels der Holz- und Kupfervorlagen gedruckt wurden. Mit Hilfe kunsttechnologischen Verfahren wie Multispektralfotografie, Infrarotreflektografie oder Röntgenfluoreszenzanalyse wurden unsichtbare Schichten und veränderte Kompositionen sichtbar gemacht sowie die Materialien genauer bestimmt, ohne die Originale zu beschädigen.

Druckgrafiken als Massenmedium der Renaissance

Der große Umfang des bis heute erhaltenen Materials verdeutlicht auch die historische Funktionsweise und enorme Reichweite der Medien. Während Gemälde aufwendige, teure Auftragsarbeiten für einen exklusiven Kreis blieben, fungierte die Druckgrafik im 16. Jahrhundert durch ihre schnelle, serielle Herstellung als Medium zur Verbreitung aktueller religiöser und politischer Themen. „Durch die Entwicklung und Perfektionierung des Drucks waren die Werkstätten in der Lage, relativ schnell auf die prägenden Ereignisse ihrer Zeit zu reagieren, diese zu verbreiten und zu kommentieren. Wir haben es im Prinzip mit dem Instagram der Renaissance zu tun, durch das man viele Menschen mit Text und Bild erreichen konnte“, so Heydenreich.

Cranachdrucke blieben lange populär

Über die rein kunsthistorische Einordnung hinaus ermöglicht das Archiv auch neue Einblicke in die tatsächliche Nutzung und oft jahrhundertelange Wiederverwendung der wertvollen Druckmatrizen. Durch die Analyse des verwendeten Papiers und der Abnutzung der viele hundert Mal verwendeten Vorlagen ist nachweisbar, dass zur Lebenszeit Cranachs oft deutlich weniger Abzüge entstanden als bislang angenommen. Tatsächlich nutzten spätere Buchdrucker und Sammler die Platten bis ins 19. und teilweise sogar 20. Jahrhundert hinein weiter.

Über das Projekt

Das Forschungsvorhaben „Das graphische Werk Lucas Cranachs d. Ä., seiner Söhne und der Werkstatt. Digitalisierung, Erschließung, interdisziplinäre Erforschung und Aufbau einer vernetzten Forschungsressource“ wurde zwischen 2023 und 2026 von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert. In weiteren Vorhaben soll die Erweiterung und die systematische Auswertung der großen Datenmengen erfolgen, um ein vollumfängliches Bild der Cranach-Werkstatt zu gewinnen.

Oktober 2026

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