Als WHK die wissenschaftliche Praxis vertiefen - Interview mit Ida Schirrmeister

Ida Schirrmeister steht am Massenspektrometer und kalibriert das Gerät. (Bild: TH Köln - Media Lab)

Ida Schirrmeister studiert im Master „Angewandte Chemie“ an der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften. In ihrem zweiten Mastersemester arbeitete sie sechs Monate als wissenschaftliche Hilfskraft (WHK) im Analytikzentrum ChEAF (Chemical and Environmental Analytics Core Facility) der TH Köln. Im Interview gibt Ida einen Einblick in die Arbeit und ihre Erfahrungen.

Ida, wie bist Du zu deiner Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft im ChEAF-Projekt gekommen?

Der Kontakt entstand über eine Kommilitonin, die mich auf die die DFG-geförderte WHK-Stelle – speziell für Nachwuchswissenschaftlerinnen aufmerksam machte. Ich habe mich dann erfolgreich beworben. Alle WHK-Stellen werden übrigens über ILU in einem Spaces-Ordner der Fakultät eingestellt. Auch SHK-Stellen, zum Beispiel für Bachelorstudierende, kann man dort finden.

Welche Voraussetzungen musstest Du erfüllen?

Ich musste einen Bachelorabschluss vorweisen und als Studentin an der TH Köln eingeschrieben sein. Außerdem handelte es sich um eine WHK-Stelle für Nachwuchswissenschaftlerinnen.

War das Deine erste Stelle an der Hochschule?

Ja, vorher habe ich vor allem in der Gastronomie gearbeitet – einer Tätigkeit, der ich zum Ausgleich immer sehr gerne nachgegangen bin. Anfangs hatte ich Zweifel, weil ich durch BAföG-Begrenzungen nicht mehrere Minijobs gleichzeitig ausüben durfte. Ich konnte mir zunächst nicht vorstellen, neben meinem Studium auch noch an der Hochschule zu arbeiten.

Ein weiterer Punkt war für mich der Zeitaspekt. Die WHK-Stelle war mit acht Stunden pro Woche ausgeschrieben, die innerhalb der Woche erbracht werden mussten. Für meine Gastrojobs hatte ich mir immer einen Tag am Wochenende geblockt, um mich unter der Woche auf meinen Unialltag zu konzentrieren. Am Ende war das durch die flexiblen Absprachen und Arbeitszeiten aber gar kein Problem.

Was hat Dich letztendlich motiviert, als WHK zu arbeiten?

Die Stelle war für mich eine super Chance, Neues zu lernen und die Forschung sowie Arbeitsbereiche an der Fakultät kennenzulernen. Ich wollte herausfinden, was ich im Rahmen meiner Masterarbeit machen kann und Kontakte knüpfen.

Wie verlief Dein Einstieg in die Tätigkeit?

Am ersten Tag hat mich meine Betreuerin Jaqueline Fischer, eine Promovierende an der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften, in ihr Forschungsthema sowie ihren Forschungsstand eingeführt und mir mein Aufgabenfeld erläutert. Für mich war vieles neu, zum Beispiel die analytischen Messmethoden wie die hochauflösende Massenspektrometrie und Flüssigkeitschromatografie, mit denen ich bisher keine Berührungspunkte hatte. Jaqueline hat mich dann nach und nach in die verschiedenen Tätigkeiten eingeführt.

Welchen Aufgaben bist Du konkret nachgegangen?

Ein Schwerpunkt war die Probenvorbereitung: Jaqueline untersucht im Rahmen ihrer Forschung biobasierte Tenside und entwickelt eine Methode, um diese über Flüssigkeitschromatographie gekoppelt mit hochauflösender Massenspektrometrie (LC-HRMS) quali- und quantifizieren zu können. Ich habe für sie an dieser Methodenentwicklung mitgewirkt und dabei Stammlösungen und Verdünnungen hergestellt. Diese Proben haben wir dann mit verschiedenen Lösemitteln untersucht, um den Einfluss auf Peakintensität und -stabilität zu untersuchen und zu stabilisieren.

Ich habe einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Methoden sowie die Auswahl der Lösungsmittel gewonnen und Schritt für Schritt gelernt, mit der LC-HRMS umzugehen – von der Reinigung des Geräts über die tägliche Kalibrierung vor jeder Messung.

Was hast Du aus der Zeit als WHK mitgenommen?

Ich habe sehr viel gelernt und viel Routine gewonnen – gerade im Labor, zum Beispiel beim Pipettieren, und bei der Anwendung von analytischen Methoden. Das war in regulären Praktika nicht immer möglich. Mein Selbstvertrauen im Umgang mit komplexen Geräten ist deutlich gewachsen.

Auch für meine persönlichen Berufsziele war es eine wichtige Erfahrung: Bislang hatte ich eine Promotion für mich ausgeschlossen – ich wollte so schnell wie möglich nach dem Studium arbeiten. Jetzt kann ich mir das dank der Einblicke in den Arbeitsalltag der Promovierenden durchaus vorstellen. Es hat mich beeindruckt, wie Jaqueline ihre Aufgaben selbst strukturiert, wie sie an Probleme herangeht und versucht diese zu lösen.

Die Arbeit als WHK hat mir auch bei der Orientierung enorm geholfen: Ich weiß jetzt, dass ich meine Masterarbeit im Forschungsbereich von Jaqueline machen möchte.

Was würdest Du Studierenden raten, die zögern, eine WHK-Stelle anzunehmen?

Ich kann sie nur dazu ermutigen. Viele denken, dass sie es zeitlich nicht schaffen oder dass es zu sehr vom Studium ablenkt. Das war für mich überhaupt kein Problem. Im Gegenteil – ich habe eigenständig gearbeitet. Ich war nah dran an der Forschung und ich habe Verantwortung übernommen, da ich als WHK an einem Forschungsprojekt mitgewirkt habe.

Vielen Dank, Ida, für Deine offenen Worte und den spannenden Einblick!

Mai 2026

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