Christian Sander

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Yves Kleins Werke im Musiktheater im Revier werden erforscht und für die Zukunft gesichert

 (Bild: Gunnar Heydenreich)

Kooperationsprojekt verbindet Forschung und neueste Technik bei einzigartigem Vorhaben

Wer sie einmal gesehen hat, vergisst sie nicht: Die monumentalen, blauen Wand-Reliefs des Künstlers Yves Klein im Foyer und der Garderobenhalle des Musiktheaters im Revier. Zwischen 1957 und 1959 entstanden diese Werke in enger Zusammenarbeit mit dem MiR-Architekten Professor Werner Ruhnau und weiteren Projektbeteiligten als integraler Bestandteil des Neubaus des Musiktheaters.

Diese Werke in Gelsenkirchen sind die einzigen, die Yves Klein zu Lebzeiten im öffentlichen Auftrag erstellte – hierfür verwendete er auch zum ersten Mal Naturschwämme als Gestaltungsmittel. Sie sorgen für die markante unregelmäßige Struktur, deren Plastizität gegenüber der glatten Wandfläche, auf die sie unmittelbar appliziert wurden, besonders hervortritt. Diese optische Besonderheit macht die Werke aber auch besonders schwierig zu reinigen, denn sowohl die Naturschwämme als auch die ultramarinblauen Farbschichten sind äußerst fragil. Licht- und weitere Umwelteinflüsse haben zudem ihre Spuren hinterlassen.

Genaue Analyse der Werke

Seit 2020 werden die Wandreliefs von den Restauratorinnen Nelly Paletta und Rabea Blasczyk unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Gunnar Heydenreich vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der TH Köln konservatorisch betreut. Im Rahmen eines zweijährigen Masterprojekts im Studiengang Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgut wurden die Werke erstmals kunsttechnologisch und konservatorisch untersucht. Im Mittelpunkt der Forschungen standen die Analyse der verwendeten Materialien, die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte sowie die Erfassung der Zustandsveränderungen und ihrer Ursachen. Darüber hinaus wurde ein Konzept für die Reinigung und die langfristige Erhaltung der Wandreliefs entwickelt.

„Die Ergebnisse aus dem Masterprojekt haben das Verständnis der eingesetzten Materialien und Werktechniken, sowie der Entstehung und der Zustandsgeschichte entscheidend vorangebracht. Sie sind ein bedeutender Beitrag zur internationalen Forschung über die blauen Schwammreliefs von Yves Klein“, betont Heydenreich, der die Arbeit betreute.

Spezielles Gerät entwickelt

Bei der Reinigung kommt unter anderem eine eigens entwickelte Methode zum Einsatz, die Druck- und Saugluft kombiniert. Ein in Zusammenarbeit mit der Firma Schnick Systemtechnik entwickeltes handgeführtes Gerät wirbelt die Staubpartikel mit einem feinen Luftstrom auf und saugt sie gleichzeitig direkt ab. Mit der anderen Hand werden mithilfe eines weichen Haarpinsels anhaftende Schmutzpartikel und Fremdkörper vorsichtig entfernt. „Die pudrige Oberfläche kann auf mechanische Belastungen sehr empfindlich reagieren. Deshalb ist es nicht unser Ziel, die Staubschicht vollständig zu entfernen, sondern sie deutlich zu reduzieren. Würden wir versuchen, auch die letzten Staubpartikel abzunehmen, bestünde die Gefahr, dabei Farbpigmente mit abzutragen“, so Heydenreich.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Masterprojekts in 2022 setzten Nelly Paletta und Rabea Blasczyk ihre Arbeit als selbstständige Restauratorinnen in enger Kooperation mit der TH Köln fort, legten Musterachsen für die Reinigung an und bereiteten so das aktuelle Projekt in Abstimmung mit den zuständigen Denkmalbehörden und im Austausch mit der Yves Klein Foundation vor.

Seit dem 20. Juli werden nun im Rahmen der Forschungskooperation zwischen der Stadt Gelsenkirchen und der TH Köln vor Ort im Musiktheater im Revier Konservierungsmaßnahmen an den beiden kleineren Werken in den Garderobenbereichen durchgeführt. Die Firmen Schnick und Kärcher stellen ihre Geräte dabei kostenfrei zur Verfügung. Das Projekt verbindet derweil wissenschaftliche Untersuchung, praktische Denkmalpflege und die Ausbildung des Restaurierungsnachwuchses: Unter der fachlichen Leitung von Rabea Blasczyk, Nelly Paletta und Prof. Dr. Gunnar Heydenreich werden sieben Master-Studierende der TH Köln, der Universität Amsterdam und der Akademie der bildenden Künste Wien noch bis zum 31. Juli an den Arbeiten beteiligt sein. Dabei soll insbesondere die Festigung der empfindlichen Farbschichten sowie die schonende Reinigung der Oberflächen der beiden Schwammreliefs im Garderobenbereich im Mittelpunkt stehen.

Einzigartige Werke für Gelsenkirchen

„Die einzigartigen Werke von Yves Klein prägen nicht nur das Erscheinungsbild des Musiktheaters im Revier als Gesamtkunstwerk maßgeblich mit, sie sind auch identitätsstiftend für die ganze Stadt Gelsenkirchen. Wir sind deshalb sehr froh und sehr dankbar, dass diese monumentalen Werke von der TH Köln so fachgerecht und innovativ konservatorisch betreut werden“, betonte Andrea Lamest, Leiterin des Referats Kultur der Stadt Gelsenkirchen, bei einem Besuch der Restaurierungsarbeiten.

Ermöglicht wird das Kooperationsprojekt durch die Unterstützung der Stadt Gelsenkirchen, der TH Köln, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sowie weiterer Förderer und Sponsoren. Gemeinsam wird damit ein Beitrag zum Erhalt eines herausragenden Kunstwerks der Nachkriegsmoderne und eines bedeutenden Kapitels der internationalen Kunstgeschichte geleistet

Juli 2026

Christian Sander

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