Ein Beitrag von

Marcel Hönighausen

Marcel Hönighausen

Team Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Gründen mit Wirkung: Wenn Gaming fühlbar und Mobilität faltbar wird

Ein Armband, das Informationen aus Videospielen in räumliche haptische Hinweise übersetzt, und faltbare elektrische Zweiräder für unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse – die Start-ups straptic und STEEREON verfolgen unterschiedliche Ideen, haben aber eines gemeinsam: Aus einem ersten Konzept ist bei beiden etwas Greifbares entstanden – mit Hilfe der TH Köln, die sie auf diesem Weg begleitet hat.

Wer ein Videospiel spielt, muss häufig nicht nur dem eigentlichen Geschehen folgen, sondern gleichzeitig Symbole, Anzeigen und andere Hinweise auf dem Bildschirm im Blick behalten. Straptic möchte einen Teil dieser Informationsaufnahme deshalb vom Bildschirm an das Handgelenk verlagern. Das von Kaan Sevinc entwickelte Wearable übersetzt ausgewählte Ereignisse wie den Standort von Gegner*innen oder den Weg zum nächsten Ziel aus dem Spiel in Vibrationen und macht sie dadurch fühlbar. Entstanden ist die Idee während seines Studiums im Bachelorstudiengang Code & Context.

Bei der Weiterentwicklung seiner Idee wurde Sevinc von Gateway TH Köln unterstützt: Durch das Förderprogramm KickStart konnte er einen ersten tragbaren Prototyp entwickeln. Wie gut dieser funktioniert und von Nutzer*innen angenommen wird, untersuchte er anschließend in seiner Bachelorarbeit „Evaluation von UX, Effizienz und Akzeptanz eines haptischen Wearables im Kontext interaktiver Spielumgebungen“. Dafür ließ er eine eigene Spielumgebung von seinem Kommilitonen Jasmin Blekic entwickeln und führte Tests mit Proband*innen in den Räumlichkeiten des Studiengangs durch. Gründungsinteressierten empfiehlt er, im Sinne eines Rapid Prototyping eine Idee möglichst schnell praktisch zu erproben: „Dabei muss man mit dem ersten Prototyp nicht direkt alle Funktionalitäten und Möglichkeiten aufzeigen, sondern sollte sich zunächst auf die Kernfunktionen konzentrieren und zeigen, dass die Idee grundsätzlich funktioniert.“

Inzwischen entwickelt der TH-Alumnus das straptic-Ökosystem weiter und arbeitet an Schnittstellen zu bestehenden Spielen und Anwendungen. Gleichzeitig erprobt er weitere Einsatzmöglichkeiten wie eine Navigations-App, die Richtungswechsel über haptische Signale am Handgelenk vermittelt. Sevinc stellt sein Armband und dessen verschiedene Anwendungsmöglichkeiten auf der gamescom 2026 in Halle 10.1, Stand D20, bei Gaming ohne Grenzen, einer Initiative der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW zur Barrierefreiheit digitaler Spiele, vor, um Feedback von den Besucher*innen einzuholen. Denn neben dem schnellen Ausprobieren sei für eine Gründung vor allem eines wichtig: früh mit anderen über die eigene Idee zu sprechen, damit sie hinterfragt, weiterentwickelt und validiert werden könne.

Vom Hochschulprojekt zum etablierten Unternehmen

Auch die Geschichte von STEEREON begann mit einem Prototyp an der TH Köln: Im Jahr 2013 schrieb Prof. Dr. Michael Frantzen vom Institut für Fahrzeugtechnik die Entwicklung eines faltbaren Fahrzeugs mit Allradlenkung als Bachelorarbeit aus. Die damaligen Studenten Felix Vreden und Jens Opitz entwickelten daraufhin einen ersten Prototyp, den Vreden gemeinsam mit Marvin Panek, ebenfalls Absolvent des Bachelorstudiengangs Fahrzeugtechnik, und Maximilian Camp, Absolvent an der Hochschule Fresenius, zu einem faltbaren Elektroroller weiterentwickelte. 2018 gründete das Team die PLEV Technologies GmbH, die hinter STEEREON steht. Unterstützung erhielt es unter anderem über das Programm START-UP-Hochschul-Ausgründungen NRW und Frantzen, der das Start-up als Mentor eng begleitete.

Auch nach der Gründung ist STEEREON eng mit der TH Köln verbunden geblieben. Mehrere ehemalige Studierende der Hochschule arbeiten inzwischen für das Unternehmen; zudem sind im Rahmen einer Kooperation bereits mehrere Bachelor- und Masterarbeiten entstanden. Der Austausch mit dem Institut für Fahrzeugtechnik besteht ebenfalls bis heute. „Die TH Köln hat uns nicht nur auf dem Weg von der ersten Idee bis zur Marktreife begleitet. Bis heute gibt es viele Berührungspunkte, durch die immer wieder neue Perspektiven und aktuelles Wissen aus der Hochschule in unsere Arbeit einfließen“, so Maximilian Camp.

Heute konzentriert sich STEEREON auf kompakte und faltbare E-Bikes mit Automatikschaltung sowie E-Scooter mit Sitz und entwickelt seine Fahrzeuge für unterschiedliche Bedürfnisse weiter. Dabei rücken aktuell unter anderem Menschen in den Fokus, die aufgrund von Mobilitätseinschränkungen nicht dauerhaft in die Pedale treten können. Ein neues E-Bike-Modell mit Gasgriff soll ihnen ermöglichen, die Fahrzeuge auch ohne kontinuierliches Pedalieren zu nutzen. Für solche Weiterentwicklungen setzt das Team auf regelmäßige Kund*innenbefragungen. Gründungsinteressierten rät Camp daher, früh auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zu hören und Ausdauer mitzubringen: „Eine Gründung dauert meistens länger und kostet mehr Energie und Aufwand, als man zunächst denkt. Man sollte deshalb nicht zu früh den Kopf in den Sand stecken.“

August 2026

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Marcel Hönighausen

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