Praxisnahe Projektarbeit und internationaler Austausch für Early Career Researchers

Gruppenbild der Teilnehmenden an der Early Career Researchers Trainings School mit strahlenden Gesichtern. (Bild: Team der PIONEER Training School)

28 Forschende von neun Partnerhochschulen haben an der PIONEER Early Career Researchers Training School in 's-Hertogenbosch teilgenommen. Unter ihnen waren auch Lisa Reissner und Munam Farooqui vom :metabolon Institut der TH Köln. Im Interview berichten die wissenschaftlichen Mitarbeitenden von der fachlichen Projektarbeit und dem bereichernden Austausch im internationalen Umfeld.

Ihr arbeitet beide als wissenschaftliche Mitarbeitende am :metabolon Institut. In welchem Bereich arbeitet ihr?

Lisa Reissner: In meiner Arbeit in der :bergischen rohstoffschmiede im Teilprojekt „Circular Ideation“ beschäftige ich mich mit der Frage, wie Nachhaltigkeit ganzheitlich in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) verankert werden kann – insbesondere als fester Bestandteil der Unternehmenskultur und der internen Prozesse. Dabei geht es darum, Nachhaltigkeit nicht als zusätzliches Thema zu betrachten, sondern sie systematisch in strategische Entscheidungen, Arbeitsabläufe und die Zusammenarbeit im Unternehmen zu integrieren.

Munam Farooqui: Ich arbeite an der Schnittstelle von Automatisierung und Maschinellem Lernen. Mich interessiert vor allem, wie man mit Daten und Künstlicher Intelligenz technische Prozesse besser verstehen und verbessern kann. Dafür entwickle ich Computermodelle, die aufwändige Simulationen oder Experimente schnell nachbilden. So lassen sich Ergebnisse vorhersagen und Prozesse optimieren, ohne jedes Mal teure Versuche durchführen zu müssen. Aktuell setze ich das zum Beispiel im Projekt „EMS-Titan“ ein, dabei geht es um das Schmieden von Titanbauteilen für die Luftfahrt.

Warum habt ihr euch für eine Teilnahme an der PIONEER Early Career Researchers Training School 2026 entschieden?

Reissner: Ich habe mich für die Teilnahme an der PIONEER Early Career Researchers Training School 2026 entschieden, weil der Schwerpunkt der Training School auf Transdisziplinarität lag. Dieses Thema ist für meine eigene Forschung besonders relevant, da mein Projekt an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis angesiedelt ist. Im Rahmen von Circular Ideation arbeite ich mit KMU zusammen und beschäftige mich damit, wie wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah in Unternehmen übertragen werden können. Die Training School bot daher eine sehr gute Möglichkeit, mein Verständnis von transdisziplinärer Zusammenarbeit zu vertiefen, neue methodische Ansätze kennenzulernen und mich mit anderen Early Career Researchers aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Ländern auszutauschen.

Farooqui: Die Training School richtete sich gezielt an Nachwuchsforschende und hatte einen Schwerpunkt auf transdisziplinärer Forschung und Forschungsmethoden. Genau das ist für meine Arbeit sehr wertvoll, denn ich bewege mich zwischen Ingenieurwesen, Informatik und Datenanalyse. Ein weiteres Thema war Künstliche Intelligenz und Ethik. Da ich mich täglich mit KI beschäftige, ist mir bewusst, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang ist. Darüber wollte ich mehr lernen. Außerdem kamen die Teilnehmenden von neun Hochschulen aus zehn verschiedenen Ländern. Das war eine tolle Gelegenheit, mich mit anderen Forschenden zu vernetzen und neue Kontakte zu knüpfen.

Was habt ihr während der Training School gemacht?

Reissner: Während der Training School haben wir uns intensiv mit dem Industriegebiet Tramkade in der niederländischen Stadt 's-Hertogenbosch beschäftigt. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Industrieareal mit einer alten Futterfabrik, die vollständig erhalten bleiben soll. Ziel ist es, das Gelände weiterzuentwickeln und dort Wohn-, Arbeits- und Begegnungsräume zu schaffen, die künftig stärker in die Innenstadt eingebunden werden. Ein besonderer Fokus lag darauf, unterschiedliche Stakeholder in diesen Entwicklungsprozess einzubeziehen. Für die erfolgreiche Transformation des Areals ist es entscheidend, dass die Perspektiven verschiedener Akteur*innen berücksichtigt werden – beispielsweise von Projektverantwortlichen, Anwohner*innen, zukünftigen Nutzer*innen und weiteren Beteiligten.

Unsere Aufgabe bestand darin, auf dieser Grundlage ein Forschungskonzept zu entwickeln. Ergänzend dazu haben wir verschiedene Vorträge zum Thema Transdisziplinarität gehört und hatten die Möglichkeit, Interviews mit Projektvertreter*innen zu führen. Neben der inhaltlichen Arbeit spielte auch der Austausch innerhalb der Gruppe eine wichtige Rolle. Dadurch konnten wir unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven, Erfahrungen und Herangehensweisen kennenlernen.

Farooqui: Ergänzend zu Lisa: Zum Auftakt haben wir das Gelände bei einer Ortsbegehung kennengelernt. Dabei haben wir uns die bestehenden Spannungsfelder zwischen den verschiedenen Interessen genauer angeschaut. Zum Abschluss der Training School haben wir einen Lösungsansatz präsentiert. Begleitet wurde die Gruppenarbeit von Vorträgen zu Transdisziplinarität, Ethik in der KI und „Perspective Agility“, also der Fähigkeit, bewusst die Sichtweise zu wechseln. Bei einer Networking-Session konnten wir uns außerdem gezielt mit anderen Forschenden austauschen.

Welche Erkenntnisse habt ihr von der Training School mitnehmen können?

Farooqui: Für mich war die wichtigste Erkenntnis, wie viel man gewinnt, wenn man ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Am Beispiel Tramkade haben wir gesehen, dass es selten die eine richtige Lösung gibt. Stattdessen muss man die unterschiedlichen Interessen verstehen und abwägen. Das lässt sich gut auf meine eigene Arbeit übertragen: Auch bei technischen Projekten hilft es, früh mit allen Beteiligten zu sprechen, von der Forschung bis zur Praxis. Beim Thema Ethik in der KI ist mir noch einmal bewusst geworden, dass ethische Fragen schon beim Training von Modellen beginnen und sich bis zu ihrem Einsatz durchziehen. Gerade weil ich täglich mit KI arbeite, werde ich diese Fragen künftig stärker mitdenken.

Reissner: Ich konnte sehr viel über transdisziplinäre Forschung und Zusammenarbeit lernen. Besonders deutlich wurde für mich, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven frühzeitig einzubeziehen und gemeinsam mit Praxispartner*innen an Lösungen zu arbeiten. Transdisziplinarität bedeutet nicht nur, Wissen aus verschiedenen Disziplinen zusammenzuführen, sondern auch gesellschaftliche und praktische Perspektiven aktiv in Forschungsprozesse einzubinden. Darüber hinaus war es sehr bereichernd, mit Early Career Researchers aus verschiedenen Ländern und Fachrichtungen zusammenzuarbeiten. Der internationale Austausch hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Herausforderungen betrachtet und bearbeitet werden können. Besonders wertvoll fand ich die vielen Möglichkeiten zum informellen Austausch, bei denen wir über unsere Forschungsprojekte, Methoden und Erfahrungen sprechen konnten.

Wie könnt ihr mit den Erkenntnissen weiterarbeiten, z.B. im Rahmen eurer Arbeit an der TH Köln oder in Zusammenarbeit mit anderen Early Career Researchers von Partnerhochschulen der PIONEER Alliance?

Reissner: Die Training School hat mir viele Impulse gegeben, die ich in meine eigene Forschung einfließen lassen kann. Besonders die unterschiedlichen Perspektiven auf transdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die vorgestellten methodischen Ansätze sind für meine Arbeit mit KMU sehr relevant. Ich kann die Erkenntnisse vor allem dort nutzen, wo es darum geht, Praxispartner*innen stärker in Forschungs- und Entwicklungsprozesse einzubinden und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Auch der Austausch mit anderen Early Career Researchers aus der PIONEER Alliance bietet Potenzial für zukünftige Kooperationen und gemeinsame Forschungsaktivitäten.

Farooqui: Am :metabolon Institut arbeite ich eng mit Partnern aus Forschung und Industrie zusammen. Die Methoden der transdisziplinären Forschung kann ich dort direkt anwenden, zum Beispiel um die Anforderungen an meine Modelle früher und gezielter mit allen Beteiligten abzustimmen. Mit einigen Teilnehmenden der Partnerhochschulen stehe ich weiterhin in Kontakt. Ich kann mir gut vorstellen, dass daraus künftig ein fachlicher Austausch oder sogar gemeinsame transdisziplinäre Projekte entstehen.

Welche Aktivitäten neben dem fachlichen Austausch habt ihr unternommen?

Reissner: Wir haben beispielsweise eine Grachtenfahrt unternommen und waren zweimal gemeinsam abends essen. An einem Abend ist außerdem ein Teil der Gruppe gemeinsam in Tramkade ausgegangen.

Farooqui: Bei einem Networking-Dinner kamen wir mit Teilnehmenden anderer Workshops der PIONEER Alliance zusammen. Gerade in diesen lockeren Momenten haben wir uns als Gruppe schnell gefunden. Man lernt sich ganz anders kennen, wenn man nicht nur zusammenarbeitet, sondern auch gemeinsam unterwegs ist. Daraus sind Kontakte entstanden, die über die Training School hinausgehen.


Oktober 2026


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