Ein Beitrag von

Marcel Hönighausen

Marcel Hönighausen

Team Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Polarnacht, Polarlichter und Pinguine: Lea Buse über ihre Zeit in der Antarktis

Antarktis Lea Buse (Bild: Lea Buse)

Im vergangenen Herbst ist Lea Buse aus dem Master Medientechnologie aufgebrochen, um als Elektroingenieurin auf der Polarforschungsstation Neumayer III des Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis zu arbeiten. Inzwischen hat sie die Polarnacht hinter sich und mehrere Monate unter extremen Bedingungen verbracht. Hier berichtet sie vom Alltag auf der Station.

Lea, wie war es für dich, in der Antarktis anzukommen?

Wir sind gemeinsam mit einem norwegischen Institut angereist. Das gesamte Team hat sich zunächst in Oslo getroffen und ist von dort nach Kapstadt und weiter zur Troll-Station in der Antarktis geflogen. Dort sind wir auf einer großen Fläche aus Blaueis gelandet – ein absurdes Bild: eine Maschine mitten im Nirgendwo. Danach ging es mit einem kleineren Flugzeug weiter zur Neumayer-Station, wo wir auf Schnee gelandet sind. Das Ankommen war gigantisch. Ich habe schon seit meinem Bachelorstudium davon geträumt, einmal in der Antarktis zu überwintern. Und plötzlich war dieser Traum Realität – das war schon surreal.

Wie sieht dein Alltag als Elektroingenieurin auf der Station aus?

Mein Arbeitstag beginnt normalerweise mit einem Rundgang. Wir kontrollieren die technischen Systeme und schauen unter anderem nach der Strom- und Wasserversorgung, der Wasseraufbereitung, dem Abwasser und den Windkraftanlagen. Danach stehen geplante Wartungen oder Reparaturen an. Ich bin außerdem für die Instandhaltung der Schneemobile zuständig. Grundsätzlich müssen wir dafür sorgen, dass alle Systeme funktionieren, die wir für den autarken Betrieb der Station benötigen. Während der Sommermonate kommen dann noch weitere Aufgaben hinzu wie das Präparieren der Landebahn für Flugzeuge oder der Support des aktiven Forschungsbetriebs während Exkursionen.

Was bedeutet es für deine Arbeit, wenn draußen minus 30 Grad herrschen?

Die Kälte ist eine andere Dimension als das, was man von zu Hause kennt. Minus 15 Grad mit Sonne können sich hier schon mal sehr warm anfühlen. Bei starkem Wind können sich minus 30 Grad allerdings wie minus 50 Grad anfühlen. Dann arbeiten wir möglichst drinnen. Wenn wir mit einem Fahrzeug raus müssen, kann es lange dauern, bis die Technik funktioniert. Manchmal müssen wir Fahrzeuge erst ausbuddeln und eine Weile vorwärmen, damit Motor und Hydraulik gut laufen. Einfach einsteigen und losfahren funktioniert hier nicht.

Ansonsten sind wir immer mit zwei Fahrzeugen unterwegs, falls etwas passiert. Einmal hatten wir zum Beispiel etwa 20 Kilometer vor der Station einen Platten bei einem der Arctic Trucks. Wir mussten den Truck zurücklassen, mit dem zweiten Fahrzeug zur Station weiterfahren und konnten den Reifen erst am nächsten Tag reparieren. Man muss hier immer daran denken, was schief gehen könnte. Wenn wir mit Schneemobilen auf dem Meereis unterwegs sind, haben wir für den Notfall immer eine Survivalbox mit Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher und Essen dabei.

Wie hast du die Polarnacht, also die Zeit ohne Sonnenaufgang, erlebt?

Eigentlich ging sie viel schneller vorbei, als ich gedacht hatte. Bei mir hat sie sich vor allem auf den Tag-Nacht-Rhythmus ausgewirkt: Der hat irgendwann nämlich nicht mehr richtig funktioniert und ich habe schlechter geschlafen. Gleichzeitig war es eine tolle Zeit zum Staunen. Inzwischen ist die Polarnacht vorbei und wir haben wieder mehr als sieben Stunden Tageslicht. Besonders beeindruckend sind die Farben um die Mittagszeit, wenn sich das Licht auf Schnee und Eis spiegelt. Und Polarlichter zu sehen war natürlich ein absolutes Highlight.

Wie lebt es sich mit anderen Menschen monatelang auf einer Forschungsstation?

Während der Überwinterung sind wir acht Personen. Wir essen mittags und abends gemeinsam, haben aber auch alle einen eigenen Raum, in den wir uns zurückziehen können. Insgesamt funktioniert unser Zusammenleben sehr gut. Jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich und wir haben uns schnell aneinander gewöhnt. In meiner Freizeit telefoniere ich mit Familie und Freund*innen, spiele online Gesellschaftsspiele oder unternehme gemeinsam mit dem Team etwas auf der Station. Wir haben hier unter anderem einen großen Aufenthaltsbereich mit Klavier und Billardtisch, eine Sportecke und eine Carrerabahn – langweilig wird es also nicht.

Was hat dich bisher besonders beeindruckt?

Definitiv die Natur. Wir haben eine zugefrorene Bucht direkt vor der Station und können dort Pinguine beobachten. Weil sie hier keine natürlichen Feinde haben, haben sie keine Angst vor Menschen und sind sehr neugierig. Darüber hinaus finde ich es faszinierend, dass es hier fast keine Gerüche gibt, da die Natur nur aus Schnee und Eis besteht. Wenn ich das mal vermisse, tröpfele ich einfach ein bisschen Kiefernöl auf einen Duftstein – das hilft sehr! Besonders nachhaltig beeindruckt hat mich wohl die Erkenntnis, wie schnell man sich an komplett neue Lebensrealitäten gewöhnen kann. Das werde ich sicher mit nach Deutschland nehmen.

September 2026

Ein Beitrag von

Marcel Hönighausen

Marcel Hönighausen

Team Presse und Öffentlichkeitsarbeit


M
M