Kompaktkurs Demokratiearbeit in Bibliotheken: Zwischen Meinungsfreiheit und Verantwortung
Orientierung gewinnen, konkrete Fälle aus der bibliothekarischen Praxis analysieren, gemeinsam Haltung entwickeln und das Gelernte in die eigene Bibliothek übertragen: Der Kompaktkurs verbindet rechtliche Grundlagen mit ethischen Grundsätzen bibliothekarischen Handelns, praxisnaher Fallarbeit, dialogischen Methoden und einem konkreten Transfer in den Bibliotheksalltag.
Auf einen Blick
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Weiterbildung | 7.05 Kompaktkurs Demokratiearbeit in Bibliotheken: Zwischen Meinungsfreiheit und Verantwortung |
| Termin |
11.03.2027 - 18.11.2027 (Seminarlaufzeit) Präsenztermine und Live-Online-Meetings: 11.03. - 12.03.2027 Modul 1 | zweitägig TH Köln 17.06. - 18.06.2027 Modul 2 | zweitägig Live-Online (Zoom) 02.09. - 03.09.2027 Modul 3 | zweitägig TH Köln 15.10.2027 Zwischenreflexion | 9 - 13 Uhr Live-Online (Zoom) 18.11.2027 Follow-up | ganztägig TH Köln |
| Arbeitsaufwand |
insgesamt 63 Stunden Davon etwa 10 Stunden Transferphase nach dem dritten Modul bis zum Follow-up (Anfang September bis Mitte November). |
| Zielgruppe | Beschäftigte Öffentlicher Bibliotheken aus allen Tätigkeits- und Verantwortungsbereichen, die ihre professionelle Handlungssicherheit bei kontroversen und bibliothekspolitischen Fragestellungen stärken und zugleich dazu beitragen möchten, ihre Bibliothek als demokratischen und dialogischen Ort weiterzuentwickeln |
| Ort | TH Köln, Campus Südstadt und ortsunabhängig (Online) |
| Teilnehmerzahl | 14 |
| DozentIn |
Prof. Dr. Katja Bartlakowski TH Köln - Institut für Informationswissenschaft, Volljuristin sowie gegebenenfalls weitere Gastdozent*innen aus der politischen Bildung |
| Kosten |
Das Fortbildungsangebot findet im Rahmen der Qualifizierungsprogramme der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW statt. Es ist Teil der Landesförderung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW. Es richtet sich in erster Linie an Beschäftigte der kommunalen Öffentlichen Bibliotheken in NRW und ist für diese kostenfrei. Bei Abbruch oder Nichtteilnahme wird die Seminargebühr erhoben. Die Teilnahme von Beschäftigten aus Bibliotheken außerhalb NRW sowie Interessierten aus anderen Branchen ist nach Maßgabe freier Plätze möglich. Die Seminargebühr beträgt 1.050,- Euro. Bei den Modulen 1 und 3 ist jeweils eine Hotelübernachtung im Hotel am Chlodwigplatz nahe der TH Köln im Kurs enthalten. |
| Anmeldung |
bis spätestens 15.01.2027 Anmeldung mit Motivationsschreiben (Formular) |
(Bild: FST ÖB NRW)
Inhalt:
Ein kontrovers diskutiertes Buch im Bestand, eine Beschwerde über diskriminierende Inhalte oder die Frage, wie mit extremen Positionen, problematischen Symbolen oder politischen Anfragen umzugehen ist – Öffentliche Bibliotheken begegnen in ihrem Alltag zunehmend Situationen, in denen unterschiedliche Rechte, Werte und Erwartungen aufeinandertreffen.
Wie lassen sich solche Fälle professionell einordnen? Wo setzt das Recht Grenzen – und wo eröffnet es Handlungsspielräume? Wann besteht überhaupt Handlungsbedarf? Welche Möglichkeiten der Kontextualisierung gibt es? Und wie gelingt es, Entscheidungen nicht von der Einschätzung Einzelner abhängig zu machen, sondern zu gemeinsam getragenen Positionen und Verfahren innerhalb der Bibliothek zu gelangen?
Der Kompaktkurs „Demokratiearbeit in Bibliotheken: Zwischen Meinungsfreiheit und Verantwortung“ verbindet rechtliche und ethische Grundsätze bibliothekarischen Handelns mit intensiver Arbeit an konkreten Fällen aus der Praxis. Die Teilnehmer*innen lernen den Rechtsrahmen kennen, Sachverhalte zu analysieren, unterschiedliche Handlungsoptionen abzuwägen und fachlich begründete Entscheidungen zu treffen. Dialogische Verfahren und Moderationstechniken unterstützen sie dabei, entsprechende Entscheidungs- und Verständigungsprozesse auch im eigenen Team zu gestalten.
In drei aufeinander aufbauenden Modulen geht es darum, Orientierung zu gewinnen, Fallbeispiele auszuwerten und gemeinsam Haltung zu entwickeln. Eine anschließende Transferphase ermöglicht es den Teilnehmer*innen, das Gelernte unmittelbar in die eigene Bibliothek zu tragen und dort gemeinsam mit Kolleg*innen tragfähige Grundlagen für zukünftige Entscheidungen zu entwickeln, etwa in Form von Leitlinien, Bestandskonzepten oder abgestimmten Verfahrensgrundsätzen.
Modul 1: Wertekonflikte erkennen – Grundlagen und Bezugsrahmen
Gemeinsame Orientierung schaffen: Das erste Modul findet in Präsenz an der TH Köln statt. Es schafft die fachliche, rechtliche und dialogische Grundlage für den weiteren Kursverlauf und ermöglicht zugleich den Aufbau einer vertrauensvollen Lerngemeinschaft.
Modul 2: Wertekonflikte einordnen – Fallanalyse, Abwägung und Entscheidungen begründen
Digitales Falllabor: Wissen anwenden und Entscheidungen begründen. Das zweite Modul dient der systematischen Anwendung der in Modul 1 erarbeiteten Grundlagen. Im Mittelpunkt stehen reale oder realitätsnahe bibliothekspolitische Fälle aus verschiedenen Handlungsfeldern.
Modul 3: Gemeinsam Haltung entwickeln – Dialogische Entscheidungsfindung im Team
Vom individuellen Urteil zur organisationalen Entscheidung: Im dritten Modul verschiebt sich der Schwerpunkt vom konkreten Fall auf den Entscheidungsprozess innerhalb der Organisation. Die Teilnehmer*innen lernen und erproben in Präsenz an der TH Köln dialogische Formate und kollektive Entscheidungsverfahren und trainieren die Moderation von Gruppenprozessen bei Wertekollisionen und unterschiedlichen Interessen sowie die Begleitung gemeinsamer Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse, etwa zur Erarbeitung von Leitlinien, strukturierten Verfahren und Konzepten im eigenen Haus.
Transferaufgabe
Im Anschluss an Modul 3 übertragen die Teilnehmer*innen die erworbenen Kenntnisse und Methoden auf ihre eigene Bibliothek. Sie initiieren und moderieren dort einen dialogischen Teamprozess zu einer für die jeweilige Bibliothek relevanten bibliothekspolitischen Fragestellung. Ziel ist es, gemeinsam getragene Grundlagen für zukünftiges Handeln zu entwickeln und in geeigneter Form organisational zu verankern.
Je nach Ausgangslage und Bedarf der Bibliothek können daraus unterschiedliche Ergebnisse entstehen, beispielsweise:
- eine bibliothekspolitische Handlungsleitlinie,
- ein Leitbild oder gemeinsam formulierte Grundsätze,
- ein Bestandskonzept beziehungsweise die Weiterentwicklung bestehender Erwerbungs- und Auswahlkriterien,
- Grundsätze für Veranstaltungen, Kooperationen oder Raumvergaben,
- abgestimmte Verfahren für Beschwerden, Anfragen oder Konfliktsituationen,
- ein Prüf- und Entscheidungsverfahren für bislang nicht geregelte Fälle.
Zwischenreflexion
Während der Transferphase findet eine digitale Zwischenreflexion im Umfang von vier Stunden statt. Die Zwischenreflexion dient nicht primär der Vermittlung neuer Inhalte, sondern der Begleitung der laufenden organisationalen Prozesse.
Follow-up: Transfer, Reflexion und kollegiales Lernen
Das eintägige Follow-up in Präsenz an der TH Köln bildet den gemeinsamen Abschluss des Kompaktkurses. Die Teilnehmer*innen bringen die Erfahrungen und Ergebnisse ihrer Transferprozesse wieder in die Lerngruppe ein. Neben den entstandenen Ergebnissen steht insbesondere der Weg dorthin im Mittelpunkt: Welche Dialog- und Entscheidungsverfahren haben funktioniert? Wo entstanden Widerstände? Welche Anpassungen waren erforderlich? Welche Fragen sind offen geblieben?
Lernziele:
Am Ende des Kompaktkurses können Sie
- bibliothekspolitische Fragestellungen und Wertekonflikte sicherer einordnen und dabei rechtliche, bibliotheksethische und fachliche Bezugsrahmen für Ihr professionelles Handeln nutzen.
- konkrete Konfliktfälle strukturiert analysieren, unterschiedliche Rechte, Werte und Interessen abwägen und daraus nachvollziehbare und vertretbare, demokratische Handlungsentscheidungen entwickeln.
- unterschiedliche Perspektiven in Wertekonflikten konstruktiv einbeziehen und dialogische Entscheidungsprozesse im Team gestalten und moderieren.
- die gewonnenen Erkenntnisse und Methoden auf Ihre eigene Bibliothek übertragen und Prozesse anstoßen, durch die gemeinsame Orientierungen, Leitlinien oder andere institutionell getragene Handlungsgrundlagen entwickelt werden.
Format:
Präsenz und Online
Der Kurs findet in einer Kombination aus Präsenz vor Ort und Live-Online (Videomeetings) statt. Zudem werden Ihnen Materialien über eine Plattform zur Verfügung gestellt. In den Videomeetings wird das Einschalten von Kamera und Ton erwartet.
Methoden:
Brainstorming, Dialogformate, Einzelarbeit, Erfahrungsaustausch, Fallarbeit, Gruppenarbeit, Impulsvortrag, Konzeptarbeit
Tools/Technik:
Sie benötigen ein internetfähiges Endgerät (PC oder Laptop), um auf die Lernplattform Moodle zugreifen zu können. Die Videomeetings finden in der Regel über Zoom statt. Für Zoom benötigen Sie zudem eine Webcam sowie ein Headset oder ein anderes Audiosystem.
Bei allen Präsenzterminen ist es sinnvoll, ein Tablet oder Laptop mitzubringen.