Skalierung adé? Von der Kunst, im Start-up klein zu starten
Die TH Köln begrüßte Jonathan Natzel vom Mediengründerzentrum NRW in der Ringvorlesung Entrepreneurship & Innovation. Unter dem Titel „Skalierung adé?“ hinterfragte er kritisch gängige Wachstumsannahmen und plädierte für einen bewussteren Umgang mit unternehmerischer Entwicklung.
Jonathan Natzel, Geschäftsführer Mediengründerzentrum NRW zu Gast bei der Ringvorlesung Entrepreneurship & Innovation an der TH Köln
(Bild: TH Köln)
Der Vortrag gliederte sich in vier Teile: das Problem der allgegenwärtigen Skalierungslogik, mögliche Alternativen, die Vorstellung des Mediengründerzentrum NRW sowie eine anschließende Fragerunde mit dem Publikum.
Skalierung als Hype?
Zu Beginn seines Vortrags widmete sich Natzel der Frage, warum Skalierung in der Gründerszene häufig als oberstes Ziel betrachtet wird. Dabei machte er deutlich, dass Wachstum und Skalierung keineswegs dasselbe sind. Während Wachstum grundsätzlich die positive Entwicklung eines Unternehmens beschreibt, setzt Skalierung voraus, dass Umsätze und Reichweite deutlich schneller steigen als die dafür notwendigen Ressourcen. Hinzu komme, dass sich die Rahmenbedingungen für Unternehmensfinanzierungen in den vergangenen Jahren verändert haben. Investitionen seien heute deutlich schwieriger und langsamer zu erhalten als noch vor fünf Jahren.
Bootstrapping als bewusste Strategie
Als Alternative zur Skalierungslogik stellte Natzel das Konzept des Bootstrappings vor. Dabei finanzieren Gründer*innen ihr Unternehmen weitgehend aus eigenen Mitteln oder den erwirtschafteten Einnahmen, anstatt frühzeitig auf externe Investoren zu setzen.
Besonders wichtig war ihm die Botschaft, dass Bootstrapping keine Notlösung sei, sondern eine strategische Entscheidung. Die permanente Ressourcenknappheit zwinge Unternehmen dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, kontinuierlich zu lernen und ihre Angebote eng an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden auszurichten.
Diese Sichtweise begründete Natzel auch mit eigenen Erfahrungen aus seiner Zeit als Gründer. Rückblickend habe er festgestellt, dass sein Unternehmen häufig besonders effizient arbeitete, wenn keine Investorengelder zur Verfügung standen. Die begrenzten Mittel hätten klare Prioritäten gesetzt und den Fokus auf die tatsächliche Wertschöpfung gelenkt.
„Klein starten – groß träumen, das ist für mich nachhaltiges Unternehmertum!“ - Jonathan Natzel, Geschäftsführer des Mediengründerzentrum NRW
Unterstützung für Mediengründungen in NRW
Im dritten Teil der Veranstaltung stellte Natzel das Mediengründerzentrum NRW vor. Die Einrichtung unterstützt Gründer*innen aus der Medienbranche. Durch verschiedene Förderprogramme, Qualifizierungsangebote und Netzwerkveranstaltungen erhalten junge Unternehmen und Gründungsinteressierte praxisnahe Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Geschäftsideen.
Zum Abschluss der Ringvorlesung nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Fragen zu stellen und die vorgestellten Ansätze zu diskutieren.
Organisiert wird die interdisziplinäre Ringvorlesung von Prof. Dr. Annette Blöcher, Prof. Dr. Kai Thürbach und Prof. Dr. Christian Zabel mit Unterstützung des Gateway TH Köln.
Juli 2026