Nachhaltigkeit neu gedacht – im internationalen Austausch
Wie lassen sich chemische Prozesse nachhaltiger gestalten? Diese Frage ist im Studium der "Angewandten Chemie" an der TH Köln zentral. Im Sommersemester 2026 diskutierten Masterstudierende in einem dreitätigen Workshop mit internationalen Wissenschaftler*innen, was Nachhaltigkeit beinhaltet – und warum technische Lösungen immer auch soziale und kulturelle Zusammenhänge berücksichtigen sollten.
Nachhaltigkeit aus internationaler Sicht
Der Workshop am Campus Leverkusen war Teil des Moduls „Development of Sustainable Processes and Materials“ des Masterstudiengangs „Angewandte Chemie“. Organisiert wurde er von Prof. Dr. Stéphan Barbe gemeinsam mit den Wissenschaftler*innen Dr. Ossénatou Mamadou aus Benin und Prof. Dr. Philip Davies aus Großbritannien. Im Mittelpunkt stand die zentrale Frage: Wie kann Nachhaltigkeit über eine rein technische oder ökologische Perspektive hinausgedacht werden? Die Studierenden setzten sich mit unterschiedlichen wissenschaftlichen und kulturellen Sichtweisen auseinander und diskutierten, welche Rolle dabei soziale Gerechtigkeit, kulturelle Werte und historische Entwicklungen spielen.
Den Abschluss bildete eine Abendveranstaltung, bei der das afrikanische Konzept der „Rehumanisierung“ vorgestellt wurde. Dahinter steht die Vorstellung, dass der Mensch eng mit der Natur verbunden ist und seine eigene Entwicklung nicht unabhängig von ihr betrachtet werden kann.
Dreitägiger Workshop am Campus Leverkusen
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Studierende des Masterstudiengangs "Angewandte Chemie" diskutieren innovative Technologien zur Wasseraufbereitung und lernen neue wissenschaftliche Perspektiven kennen. (Bild: TH Köln - Media Lab)
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Im Austausch mit Prof. Dr. Séphan Barbe, Dr. Ossénatou Mamadou und Prof. Dr. Philipp Davies gewinnen Studierende internationale Perspektiven auf Nachhaltigkeit. (Bild: TH Köln - Media Lab)
Ossénatou Mamadou: Atmosphärenforschung für Westafrika
Dr. Ossénatou Mamadou forscht als außerplanmäßige Professorin an der Université d´Abomey-Calavi in Benin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf den Wechselwirkungen zwischen Boden und atmosphärischen Strömungen. Die in ihrer Forschung gewonnenen Erkenntnisse können dazu beitragen, Wettervorhersagen zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Veränderungen in Westafrika zu stärken.
Darüber hinaus engagiert sich Dr. Ossénatou Mamadou für den Aufbau eines meteorologischen Datennetzwerks. Ihre Perspektive zeigte auf, dass wissenschaftliche Forschung auch von den jeweiligen regionalen Bedingungen und den vor Ort verfügbaren Ressourcen geprägt ist.
Philip Davies: Nachhaltige Lösungen für die Wasseraufbereitung
Dr. Philip Davies, Professor an der University of Birmingham, brachte seine Expertise in Membrantechnologie und Umkehrosmose ein. Anhand von Projekten in Ägypten und Indien zeigte er, wie technische Lösungen für die Wasseraufbereitung entwickelt und an unterschiedliche lokale Bedingungen angepasst werden können. Ein Beispiel war die Entsalzung von Meerwasser, das in das Grundwasser eindringt.
Dabei wurde deutlich: Eine technisch effiziente Lösung ist nicht automatisch auch nachhaltig. Die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und mögliche ökologische Folgen sind ebenso entscheidend.
Neue Perspektiven und gelebter Austausch
Der Workshop an der "Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften" setzte auf aktiven Austausch: Die Studierenden diskutierten, arbeiteten in Gruppen und reflektierten gemeinsam. Dabei wurde schnell deutlich, dass Nachhaltigkeit mehr ist als effiziente Technologien und Umweltschutz. Auch Fragen von Gerechtigkeit, Ressourcen und gesellschaftlicher Verantwortung gehören dazu. Wie sich unterschiedliche Perspektiven verbinden lassen, zeigte das Beispiel der heiligen Wälder in Benin. Lokales Wissen trifft hier auf moderne Wissenschaft – und eröffnet neue Wege, über nachhaltige Lösungen nachzudenken.
Für die Studierenden war der internationale Austausch deshalb nicht nur fachlich spannend. Sie nahmen auch neue Perspektiven und viele gemeinsame Erfahrungen aus dem Workshop mit.
August 2026