„Kein Zero-Sum-Game“: Erfolgsfaktor Gateway für ein starkes Start-up-Ökosystem

Köln hat sich zu einem der dynamischsten Gründungsstandorte Deutschlands entwickelt. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die enge und langjährige Zusammenarbeit der Kölner Hochschulen unter der gemeinsamen Dachmarke Gateway. Im ersten Teil der kleinen Interviewreihe geht es um die Anfänge der Zusammenarbeit.

Im gemeinsamen Gespräch blicken Dr. Stephanie Grubenbecher, Leiterin des Gateway an der TH Köln, und Marc Kley, Geschäftsführender Direktor des Gateway Exzellenz Start-up Centers an der Universität zu Köln, auf die Anfänge ihrer Kooperation zurück. Im Interview mit Marijan Kojić erklären sie, warum Konkurrenzdenken im Ökosystem schadet, was gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe braucht und vor welchen Herausforderungen die Hochschulgründungsförderung steht.

Portrait eines Mannes und einer Frau in einem belebten Foyer Marc Kley und Stephanie Grubenbecher (Bild: Stephanie Kunde)

Wenn man heute auf die Kölner Gründungslandschaft blickt, wirkt die Zusammenarbeit der Hochschulen selbstverständlich. Wie hat alles angefangen und was war der ursprüngliche Impuls, die Kräfte zu bündeln?

Marc Kley: Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1999 zurück. Damals haben die Uni Köln, die damalige Fachhochschule Köln und die Deutsche Sporthochschule begonnen, in der Gründungsförderung zusammenzuarbeiten. Daraus entstanden über die Jahre geförderte Netzwerke wie das Projekt „KOKON“ und 2011 schließlich das hgnc hochschulgründungsnetz e.V. Von Anfang an wollten wir die Kräfte am Standort zu bündeln.

Stephanie Grubenbecher: Der Anstoß kam ursprünglich aus den Transferstellen der Hochschulen. Als das Thema Gründung an den Hochschulen wichtiger wurde, haben die Verantwortlichen erkannt: Beim Thema Unternehmertum machen wir am besten gemeinsam etwas. Hinzu kam, dass vor 15 oder 20 Jahren das Thema „Entrepreneurship“ bei Studierenden noch gar nicht so verankert war wie heute. Es gab kaum Bewusstsein dafür, dass die Gründung eines eigenen Unternehmens eine echte Karriereoption nach dem Studium sein kann. Um diese Awareness überhaupt erst zu schaffen, war ein gemeinsamer Auftritt wertvoll.

Welche Ziele standen zu Beginn im Vordergrund? Ging es vor allem um Arbeitsteilung zwischen den Hochschulen oder spielten auch andere Partner im Ökosystem eine Rolle?

Stephanie Grubenbecher: Es ging von Anfang an um mehr als nur die Hochschulen. Wir haben uns früh mit weiteren Akteuren des Ökosystems zusammengeschlossen – etwa mit KölnBusiness, der Wirtschaftsförderung der Stadt, aber auch mit der IHK, den Technologiezentren, der Handwerkskammer, den Sparkassen und der NRW.BANK. Das gemeinsame Ziel war, Ausgründungen aus den Hochschulen gezielt zu fördern. Zunächst lag der Fokus auf einem gemeinsamen Ideenwettbewerb der Hochschulen und einem übergreifenden Seminarprogramm, um Grundlagenwissen zu vermitteln. Die individuelle Gründungsberatung hat damals noch jede Hochschule für sich gemacht.

Ein entscheidender Schritt war später der Aufbau der gemeinsamen Marke „Gateway“. Warum hat sich die TH Köln entschieden, das Label der Uni Köln mitzunutzen?

Stephanie Grubenbecher: In den Jahren zuvor gab es in Köln zwar viele Angebote für Gründende, aber das Bild war für Außenstehende undurchsichtig. Wer gründen wollte, wusste oft nicht, an wen er sich wenden sollte. Unsere Idee war: Wir fangen bei den Hochschulen an und vereinheitlichen den Auftritt nach außen. Studierende müssen sich nur noch ein Schlagwort merken: Gateway. Egal an welcher Kölner Hochschule sie starten – sie bekommen Zugang zum gesamten Netzwerk. Wir wollten eine übergeordnete Sichtbarkeit schaffen.

Marc Kley: Die Universität hatte die Marke Gateway 2015 angemeldet. Wir haben dann eine Lizenzvereinbarung getroffen, damit die TH Köln und später auch die Deutsche Sporthochschule Köln, die Rheinische Hochschule Köln sowie die CBS International Business School das Label kostenfrei nutzen können. Das hat den Kölner Verbund gestärkt und dem Label „Gateway Hochschulen Köln“ überregionale Sichtbarkeit verliehen

Was braucht es auf persönlicher und struktureller Ebene, damit eine solche Kooperation über Hochschulgrenzen hinweg langfristig funktioniert?

Marc Kley: Zuerst braucht es ein echtes Vertrauensverhältnis und Begegnung auf Augenhöhe. Völlig unabhängig davon, wer wie viel Budget hat oder wer die größte Einrichtung ist. Wir haben als Universität nie gesagt: „Wir sind der größte Player, macht ihr mal euren Kram alleine.“ Zweitens braucht man gemeinsame Standards, klare Strukturen und ein einheitliches Verständnis, wofür der Verbund und die Marke stehen.

Stephanie Grubenbecher: Absolut. Es funktioniert nur, wenn jeder Partner einen klaren Mehrwert für sich benennen kann. Und man muss den Konkurrenzgedanken ablegen. Das Fördersystem treibt Hochschulen oft dazu, über Kennzahlen und Mittel in Wettbewerb zueinander zu treten. Wir haben gesagt: „Nein, wir sind im Verbund stärker.“ Ein ganz wesentlicher Faktor ist außerdem der persönliche Kontakt. So etwas lässt sich nicht nur auf dem Papier vereinbaren. Man muss sich regelmäßig treffen, austauschen und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Das ist „People’s Business“.

Marc Kley: Der Begriff des „Mutual Benefit“ ist entscheidend: Welche Ergänzungen bringen die Partner mit? Als geisteswissenschaftlich geprägte Universität ergänzen wir uns perfekt mit einer technisch ausgerichteten Hochschule wie der TH Köln oder einer spezialisierten Einrichtung wie der Deutschen Sporthochschule Köln. Diese Heterogenität ist ein echter Erfolgsfaktor.

Das Kölner Modell hat auch überregional Aufmerksamkeit erregt. Mit der Gründung der Gateway Factory habt ihr die Zusammenarbeit nun auf die gesamte Region mit Partnern wie der RWTH Aachen und Heinrich-Hein-Universität Düsseldorf erweitert. Mit Erfolg: Die Gateway Factory ist eine von bundesweit zehn Leuchttüren der Startup Factories, die vom Bund gefördert werden. Mit ihr fördern alle Hochschulen an den drei Standorten vielversprechende Start-ups auch beim Wachstum. Warum dieser Schritt?

Marc Kley: Warum sollten wir in der Region gegeneinander antreten, wenn wir gemeinsam ein riesiges Potenzial haben? Wenn wir die Kräfte von Gateway mit der RWTH Innovation und CEDUS bündeln, schaffen wir ein Konsortium, an dem kaum ein Weg vorbeiführt. Wir haben eine enorme Dichte an Spitzenforschung, Ingenieurwissenschaften, Life Sciences und Wirtschaftskompetenz und jeweils einen starken Track Record an Ausgründungen.

Stephanie Grubenbecher: Durch die bisherige Zusammenarbeit wussten wir bereits, dass unsere Netzwerke und Stärken komplementär zueinander passen. Wenn wir die Metropolregion Rheinland als gemeinsamen Gründungsraum begreifen, bringt das riesige Vorteile für die Startups. Ein Hightech-Startup braucht vielleicht die Forschungsinfrastruktur in Aachen, die Kundennähe zum Mittelstand im Bergischen Land oder im Rheinischen Revier und das urbane Ökosystem in Köln. Zusammen können wir Startups in jeder Phase ideal unterstützen.

Wie hat sich die Haltung zu Gründungsthemen an den Hochschulen in den letzten zehn bis 15 Jahren verändert?

Stephanie Grubenbecher: Früher war Gründung an Hochschulen ein Randthema. Heute kann es sich kaum noch eine Hochschule leisten, keine Innovations- und Gründungsräume anzubieten. Studierende erwarten diese Angebote heutzutage. Sie suchen nach Freiräumen zum Ausprobieren, wie etwa unseren Maker Space an der TH Köln, wo sie schon während des Studiums Ideen entwickeln können.

Marc Kley: Die Angebote sind heute viel besser strukturiert und die Gründerinnen und Gründer kommen bereits wesentlich besser vorbereitet zu uns als früher..Unser Ziel als Hochschulen ist es, Gelegenheiten zu schaffen und als Enabler zu fungieren, um die Teams mit dem Ökosystem, Investor*innen und der Wirtschaft zu vernetzen. Dazu gehört auch die Bereitstellung von Co-Working-Plätzen im InnoDom Cologne.

Wo seht ihr die größten Herausforderungen für die Zukunft der Gründungsförderung an Hochschulen?

Stephanie Grubenbecher: Eine riesige Herausforderung ist die nachhaltige Finanzierung. Hochschulen stehen aktuell unter einem hohen finanziellen Druck und müssen Budgets konsolidieren. Gründungsförderung wurde bisher oftmals über befristete Förderprojekte finanziert. Was uns fehlt, ist eine nachhaltige Verankerung in den Grundbudgets der Hochschulen, um langfristige Planungssicherheit zu haben. Wir haben hervorragende Köpfe in den Beratungsteams aufgebaut – diese Expertise dürfen wir nicht durch auslaufende Projektfristen wieder verlieren.

Marc Kley: Wir müssen zudem als Gründungsservices neue Wege gehen, etwa über Fördervereine, Sponsoring oder die stärkere Einbindung erfolgreicher Alumni. Wer früher selbst von den Angeboten der Hochschulen profitiert hat und heute erfolgreich ist, kann als Mentor*in, Investor*in oder Unterstützer*in wieder etwas an die nächste Generation zurückgeben. Unser Ziel bleibt es, das Ökosystem am Standort Köln und in der Region nachhaltig weiterzuentwickeln und die Kräfte zu bündeln. Kooperation ist kein Nullsummenspiel – am Ende gewinnen alle.    

Oktober 2026

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