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Cologne Institute of Conservation Science

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft

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Prof. Dr. Gunnar Heydenreich

Prof. Dr. Gunnar Heydenreich

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS)

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»Othello & Desdemona« - eine bewegende Tragödie über Zeit und Verfall

Im Rahmen ihres Master-Projektes widmet sich Cora Lisbach der kinetischen Skulptur »Othello & Desdemona« (1990/91) von Eva Aeppli und Jean Tinguely mit dem Ziel, ein Konzept zur Erhaltung und Präsentation der textilen Figuren zu entwickeln. Das Projekt wird durch die Fondazione "Hic Terminus Haeret - Il Giardino di Daniel Spoerri“ unterstützt.

Studienprojekt auf einen Blick

Projekt Die kinetische Skulptur „Othello & Desdemona“ (1990/91) von Eva Aeppli und Jean Tinguely. Entwicklung eines Konzeptes zur Konservierung und Präsentation der textilen Figuren.
Leitung Prof. Dr. Gunnar Heydenreich
Studienrichtung

Gemälde, Skulptur, Moderne Kunst (GSM)

Textilien und Archäologische Fasern (TAF)
Beteiligte Cora Lisbach
Projektpartner HIC TERMINUS HAERET - Il Giardino di Daniel Spoerri, Seggiano/Italien
Laufzeit Bis Ende Januar 2022
Standort CICS / TH-Köln
Maße Insgesamt 236 x 367 x 116 cm

Was zerstörte Desdemona und Othello? Shakespeare würde diese Frage vermutlich mit Intrigen und Eifersucht beantworten. Cora Lisbach aber widmet sich dieser Fragestellung in ihrem Master-Projekt aus Sicht der Konservierungswissenschaft. Die kinetische Skulptur »Othello & Desdemona« entstand 1990/91 in Zusammenarbeit von Eva Aeppli und Jean Tinguely. Anlass der Kollaboration war der Wunsch beider, Aepplis Figuren „fliegen zu lassen“. Aeppli fertigte die Figur der Desdemona (Abb.1) und den Kopf von Othello (Abb. 4), die Tinguely an einer Maschine befestigte und in Bewegung versetzte (Abb.2).

Die Figuren sind aus Seidengewebeteilen über einer Baumwoll- bzw. Kapokfüllung vernäht. Desdemona trägt auf älteren Fotografien ein mittlerweile nurmehr fragmentarisch erhaltenes Gewand, das die überdimensional langen Gliedmaßen bedeckt. Darunter schauen die für Aeppli so charakteristischen, langgliedrigen Seidenhände hervor. Die schwarzen Mund- und Augenhöhlen beider Gesichter erwecken den Eindruck von Totenköpfen, an deren Schläfen blütenartiger Kopfschmuck und rote Federn angebracht sind.

Seit 1997 wird die kinetische Skulptur in einer ehemaligen Garage der Fondazione Il Giardino di Daniel Spoerri nahe Seggiano in Italien präsentiert. Ein motorisierter Antrieb versetzt die textilen Figuren in zappelnde Bewegung, lässt sie „lebendig werden“.

Gravierende Zustandsveränderungen führten dazu, dass die Maschine außer Betrieb genommen werden musste. Derzeitig befinden sich die Figuren am CICS in Köln. Ziel des Masterprojektes ist, den Zustand der textilen Figuren zu erfassen und ein Konzept zur langfristigen Erhaltung und künftigen Präsentation zu entwickeln. Dafür werden in einem ersten Schritt Materialien, Werkprozess und Objekthistorie unter Einsatz naturwissenschaftlicher und kunsthistorischer Methoden analysiert. Beide Textilfiguren weisen Auflagerungen, Verfärbungen und Fehlstellen im Seidengewebe auf (Abb. 1 & Abb. 3). Des Weiteren ist anhand von historischen Aufnahmen zu erkennen, dass Bestandteile der Kleidung der Figur „Desdemona“ in jüngerer Zeit ausgetauscht wurden.

In einem Interview mit Daniel Spoerri, einem nahen Freund von Aeppli und Tinguely konnten bereits neue Informationen zu künstlerischer Intention und Objekthistorie von »Othello & Desdemona« gewonnen werden (Abb. 5). Das Restaurierungskonzept wird unter Berücksichtigung des Decision-Making Model for Contemporary Art Conservation and Presentation entwickelt. Mögliche Methoden zu näh- und klebetechnischen Sicherungsmaßnahmen sollen zunächst an Probekörpern systematisch getestet werden, bevor eine Umsetzung an den Objekten in Form von Musterachsen erfolgt. Neben der Konservierung gehört auch die Entwicklung eines Konzeptes zur künftigen Präsentation der Figuren zu den Projektzielen sowie die eventuelle Rekonstruktion verschollener Bestandteile, die zur besseren Lesbarkeit der Objekte beitragen.

Mai 2021

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