Restaurierung eines osmanischen Berâts - Entwicklung einer nicht-wässrigen Anfaserungstechnik
Im Rahmen dieser Masterarbeit wurde eine nicht-wässrige Anfaserungstechnik entwickelt, um Fehlstellen an einem osmanischen Berât zu schließen. Aus Cellulosepulver wurde eine Fasersuspension angemischt, aus der sowohl ein Faservlies hergestellt werden konnte als auch das Anfasern mit einem Pinsel direkt am Objekt ermöglichte. Die farbliche Anpassung erfolgte durch Rösten des Cellulosepulvers.
Studienprojekt auf einen Blick
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Master | MA-Projekt 2021-22 |
| Leitung | Andrea Pataki-Hundt, Bert Jacek, Marlen Börngen |
| Studienrichtung | Schriftgut, Grafik, Buchmalerei und Fotografie |
| Ausführende | Lilian Samland, M.A. |
| Betreuung | 1. Betreuerin: Marlen Böengen, M.A. / 2. Betreuer: Prof. Dr. Andrea Pataki-Hundt |
| Kooperation | Max-Freiherr-von-Oppenheim-Stiftung, Köln Max-Freiherr-von-Oppenheim-Stiftung, Köln |
Impressionen von den Studienprojekten
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Berât von Sultan Mustafa III. Über dem als Schriftbänder illuminierten Textblock des Berâts befindet sich das Signum des Sultans. (Bild: Lilian Samland)
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Videomikroskopaufnahme des roten Farbmittels mit überlagernden Goldsprenkeln. (Bild: Lilian Samland)
Gegenstand dieser Masterarbeit war die Restaurierung eines osmanischen Berâts aus dem 18. Jahrhundert. Berâte waren schriftliche Dekrete, die im Osmanischen Reich zur Vergabe angesehener Ämter und Privilegien dienten und durch den oft reich verzierten Namenszug des Sultans am Kopf des Schriftstücks Rechtskräftigkeit erhielten. Somit können sie als Gegenstück zu den europäischen Siegelurkunden betrachtet werden. Am Bei¬spiel eines Berâts von Sultan Mustafa III. wurden die für das Dokument verwendeten Materialien kunsttechnologisch untersucht und in ihren historischen Kontext eingeordnet. Osmanische Dokumente unterscheiden sich in der Regel in einigen Aspekten erheblich von ihren europäischen Pen¬dants, insbesondere in der Struktur und Verarbeitung des Papiers sowie der Wasserempfindlichkeit der verwendeten Farb- und Bindemittel. Um Fehlstellen im Schriftstück zu schließen, wurde im Rahmen der Restaurierung eine manuelle, nicht-wässrige Anfaserungstechnik entwickelt, die Ergänzungen an stark wasserempfindlichen Dokumenten ermöglicht. Der Begriff „Anfaserung“ umfasst neben dem Angießen einer wässrigen Fasersuspension am Original auch Ergänzungstechniken, bei denen die Fasern gesogen, geschöpft oder gesprüht werden. Auch die Vorbereitung des Anfasermaterials getrennt vom Objekt und das anschließende Verkleben wird in diesem Begriff eingeschlossen. Für die Ergänzung wurde zunächst ein dünnes Faservlies aus Cel¬lulosepulver hergestellt, das anschließend mit dem Objekt verklebt wurde. Zusätzlich wurde eine Fasersuspension angemischt, mit der das Anfasern direkt am Objekt mithilfe eines Pinsels durchgeführt werden konnte. Die farbliche Anpassung des in der Regel weißen Cellulosepulvers erfolgte durch das Rösten der Fasern im Heißluftofen. Eine Versuchsreihe untersuchte die Farbveränderung des Cellulosepulvers in Abhängigkeit von Temperatur und Dauer des Röstvorgangs. Die Anfaserungstechnik mit Cellulose¬pulver ermöglichte aufgrund der besonders dünnen Faservliese und der Anwen¬dung der nicht-wässrigen Fasersuspension direkt am Objekt sanfte Übergänge zwischen Ergänzung und Original - sowohl farblich als auch durch die Anpassung der Papierdicke in den besonders brüchigen Randbereichen der Fehlstellen.
Publikation:
Januar 2026