Menthol als temporäres Fixativ in der Papierrestaurierung. Verschiedene Auftragsmöglichkeiten
Maike Linden evaluierte in ihrer Masterarbeit die Eignung von Menthol als flüchtiges Fixativ in der Papierrestaurierung zur Fixierung wasserempfindlicher Medien im Vorfeld einer wässrigen Behandlung. Untersucht wurden die Fixierungswirkung von Menthol auf unterschiedlichen Papieren sowie auf verschiedenen Farbmedien. Weiterhin wurden verschiedene Auftragstechniken getestet.
Studienprojekt auf einen Blick
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Master | MA-Projekt 2022 |
| Leitung | Andrea Pataki-Hundt, Bert Jacek, Marlen Börngen |
| Studienrichtung | Schriftgut, Grafik, Buchmalerei und Fotografie |
| Ausführende | Maike Linden, M.A. |
| Betreuung | 1. Betreuerin: Prof. Dr. Andrea Pataki-Hundt / 2. Betreuer: Marlen Börngen, M.A. |
| Laufzeit | 2021-22 |
Impressionen von den Studienprojekten
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Modernes Büttenpapier nach Menthol-Auftrag und Wässerung. Während beim einfachem Auftrag (links) Wasser in das Testfeld eindringen konnte, ist das Testfeld nach zweifachem Auftrag (rechts) vollständig hydrophobiert (Bild: Maike Linden)
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Querschnitt historisches Bütten (oben); die Menthol-Schmelze drinkt zu etwas zwei Dritteln in das Papier. Querschnitt modernes Bütten (unten); die Menthol-Schmelze dringt zu etwa einem Drittel in das Papier ein. (Bild: Maike Linden)
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Auftrag der Schmelze mit einem speziell entwickelten Aufsatz für den Heizkolben. (Bild: Maike Linden)
In der Papierrestaurierung werden flüchtige Bindemittel vor allem zur Fixierung wasserempfindlicher Farbmedien vor einer wässrigen Behandlung eingesetzt. Dazu werden sie entweder in Lösung oder einer Schmelze auf die zu schützenden Bereiche aufgetragen. Da flüchtige Bindemittel hydrophob oder nur schwer wasserlöslich sind, kommt es zu einer Hydrophobierung der behandelten Bereiche, wodurch die Farbmedien nicht mit Wasser in Kontakt kommen. Nach der Sublimation verbleiben keine Rückstände im Papier, welche zu Veränderungen am Original führen könnten. Im Gegensatz zum etablierten flüchtigen Bindemittel Cyclododekan wurde Menthol in der Restaurierung bisher noch nicht verwendet. Ziel der Masterarbeit war es daher, die grundsätzliche Eignung von Menthol als Fixativ zu untersuchen. Aufgrund seiner Stoffeigenschaften bietet Menthol einige potenzielle Vorteile gegenüber Cyclododekan. Dazu gehört ein niedrigerer Schmelzpunkt, der den Auftrag durch eine längere Bearbeitungszeiten erleichtert. Zudem kann die Menthol-Schmelze das Papier durch das langsameres Erstarren stärker penetrieren, was ein seitliches Eindringen von Wasser durch nicht-hydrophobierte Fasern im Papierinneren verhindert. Durch eine kürzere Sublimationszeit entstehen zudem geringere Wartezeiten, bevor das behandelte Objekt weiterbearbeitet werden kann. Die Eignung von Menthol als flüchtiges Bindemittel wurde in mehreren Versuchsreihen getestet. In Vorversuchen wurde untersucht, inwiefern die Materialeigenschaften von je vier Papieren und Farbmedien den Menthol-Auftrag und die Fixierung beeinflussen. Im weiteren Verlauf wurde das Auftragsverhalten genauer untersucht, wobei Menthol sowohl als Schmelze als auch als Lösung in unterschiedlichen Applikationsverfahren appliziert wurde. Neben dem Auftragsverhalten wurde auch das Fixierergebnis der unterschiedlichen Techniken beurteilt. Der Auftrag der Menthol-Lösung erwies sich als ungeeignet. Für den Auftrag der Menthol-Schmelze wurde ein spezieller Kistka-Aufsatz für den Heizkolben entwickelt, mit dem der flüssige Stoff präzise und einfach appliziert werden kann. Sehr gute Ergebnisse konnten auch mit der Zwei-Schichten-Methode aus Menthol und Lascaux 498 HV erzielt werden. Beide Verfahren führten zu überzeugenden Fixierergebnissen bei wasserempfindlichen Farbmedien. Durch eine abschließende Anwendung an Originalobjekten konnte die Eignung von Menthol als Fixativ bestätigt und die Forschungsergebnisse erfolgreich in die Praxis übertragen werden.
Januar 2026