Evaluierung wässriger Reinigungsmethoden für ein Großformat auf Papier - Eine Stadtansicht von Köln
Eine großformatige Ansicht der Stadt Köln, die aus aneinandergeklebten Einzelblättern besteht, sollte zur Entfernung von Schwemmrändern wässrig gereinigt werden. Der Schwerpunkt lag darauf, eine Methode zu finden, die auf eine Trennung der Einzelblätter verzichtet. Dazu wurden Reinigungsmethoden mit wässrigen Gelen sowie Kapillarvliesen in Bezug auf die Durchführung an Großformaten evaluiert.
Studienprojekt auf einen Blick
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Master | MA-Projekt 2022 |
| Leitung | Andrea Pataki-Hundt, Bert Jacek, Marlen Börngen |
| Studienrichtung | Schriftgut, Grafik, Buchmalerei und Fotografie |
| Ausführende | Anne Prothmann, M.A. |
| Betreuung | 1. Betreuerin: Marlen Börngen / 2. Betreuer: Prof. Dr. Andrea Pataki-Hundt |
| Laufzeit | 2021-22 |
Impressionen von den Studienprojekten
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Blatt 1 und 2 mit aufgebrachtem Facing zur vorübergehenden Sicherung der instabilden Bereiche (Bild: Hanna Freres)
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Probekörper nach der Versuchsdurchführung mit Agar-Gelen, gut erkennbar ist die Bildung von Schwemmrändern. (Bild: Anne Prothmann)
Die Konservierung und Restaurierung großformatiger Grafiken erfordert innovative Lösungen, um die Arbeitsschritte angesichts der übermäßigen Dimensionen der Objekte umzusetzen zu können. Dies zeigte sich ebenfalls bei der lithografischen Stadtansicht von Köln aus dem Jahre 1850. Sie ist aus Einzelblättern zusammengesetzt und misst insgesamt etwa 330 cm in der Breite und 50 cm in der Höhe. Ein früherer Wassereintrag führte zu deutlichen Schwemmrändern sowie gegensätzlichen Dimensionsveränderungen des Papierträgers und der rückseitigen Gewebekaschierung, was zahlreiche Risse, Deformationen und Fehlstellen im Papier zur Folge hatte. Zunächst wurden eine kunsthistorische Einordnung und materialtechnische Untersuchungen vorgenommen. Das Konservierungs- und Restaurierungskonzept, das aus dem Zustand und den angestrebten Ergebnissen resultierte, sah eine wässrige Reinigung vor, um sowohl die Schwemmränder als auch farbige Alterungsprodukte aus dem Papierträger zu extrahieren. Der Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Ermittlung einer geeigneten wässrigen Reinigungsmethode, die es ermöglichte, die Stadtansicht im Ganzen zu behandeln, ohne sie zu zerlegen oder aufgrund ihres fragilen Zustands übermäßig zu bewegen. Gängige Methoden wie die Behandlung im Wasserbad oder der Einsatz eines Unterdrucktischs wurden aufgrund der Größe der Druckgrafik im Vorhinein ausgeschlossen. In Vorversuchen wurden stattdessen das schrittweise Auflegen von wässrigen Gelen sowie die Verwendung von Kapillarvliesen getestet. Die Kapillarreinigung auf einer schiefen Ebene erwies sich als die effektivste Lösung. Um die Reinigung an der Stadtansicht ausführen zu können, wurde eine entsprechend große, schiefe Ebene aus Wellpappe, Polyesterfolie sowie Kunststoff-Dachrinnen konstruiert. Das gewählte Restaurierungskonzept konnte erfolgreich an der Stadtansicht umgesetzt werden. Letztendlich stellte nicht das Format der Druckgrafik die größte Herausforderung dar, sondern vielmehr ihr fragiler Zustand und die starke Dehnung des Papiers. Durch die Kapillarreinigung auf der schiefen Ebene konnte die großformatige Druckgrafik gleichmäßig gereinigt werden, wobei die historischen Verklebungen größtenteils bewahrt wurden.
Januar 2026