Tagesleuchtfarben und Siebdrucke - Untersuchungen zu Alterungsverhalten, Lumineszenz, Restaurierung
Ausgehend von der Siebdruckserie „Marilyn“ von Andy Warhol aus dem Museum Ludwig, Köln beschäftigt sich diese Arbeit mit Tagesleuchtfarben im Kontext der Siebdrucktechnik. Im Fokus stehen Alterungsverhalten, Lumineszenzeigenschaften und Lösungsmittelempfindlichkeit der Farben, sowie die Entwicklung von Restaurierungsmaßnahmen zur Reduzierung von Klebstoffverfärbungen.
Studienprojekt auf einen Blick
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Master | MA-Projekt 2020 |
| Leitung | Andrea Pataki-Hundt, Bert Jacek, Marlen Börngen |
| Studienrichtung | Schriftgut, Grafik, Buchmalerei und Fotografie |
| Ausführende | Anna Meisen, M.A. |
| Betreuung | 1. Betreuerin: Prof. Dr. Andrea Pataki-Hundt / 2. Betreuer: Bert Jacek, M.A. |
| Kooperation | Dipl. Rest. Sophia Elze und Dipl. Rest. Yvonne Garborini, M.A.; Museum Ludwig, Köln Museum Ludwig Köln |
Impressionen von den Studienprojekten
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Detail der Rückseite des Siebdrucks Marilyn von Andy Warhol, ML/G 1970/69 g; gealtertes Selbstklebeband mit verbräunter und in das Papier migrierter Klebstoffschicht. (Bild: Anna Meisen)
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Verschiedene Druckfarben unter UV-Strahlung (320-400 nm) durch den Bandpassfilter 550 nm. Die Pfeile markieren die gelbe Tagesleuchtfarbe. (Bild: Anna Meisen)
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Vorderseite der Probekörper mit zwei verschiedenen Druckfarben für die Klimaalterung. (Bild: Anna Meisen)
Sowohl die Siebdrucktechnik als auch die Verwendung von Tagesleuchtfarben zählen in der Restaurierungswissenschaft bislang zu den wenig erforschten Bereichen, da beide vergleichsweise modern sind und Restaurierungsmaßnahmen meist mit erheblichen Risiken verbunden sind. Ausgangspunkt dieser Arbeit sind die Siebdrucke der Serie „Marilyn“ von Andy Warhol aus der Sammlung des Museum Ludwig, Köln, auf die rückseitig Klebebänder aufgebracht wurden. Diese Klebebänder sind inzwischen stark verbräunt, und die Klebstoffschicht ist in den Papierträger eingedrungen. Um eine schonende Vorgehensweise zu entwickeln, mit der die Klebebänder entfernt und die Klebstoffschicht reduziert werden kann, ohne die empfindliche Farbschicht zu beeinträchtigen, untersuchte Anna Meisen zunächst die Eigenschaften von Tagesleuchtfarben. Sie entwickelte zunächst eine Methode, mit der sich Tagesleuchtfarben mittels Lumineszenzuntersuchung zuverlässig von herkömmlichen Siebdruckfarben unterscheiden lassen. Zudem erforschte sie die Tagesleuchtfarben im Hinblick auf Alterungsverhalten, Lumineszenz sowie Lösemittelbeständigkeit, um daraus Erkenntnisse für restauratorische Maßnahmen abzuleiten. Die entsprechenden Versuchsreihen führte sie an eigens für diesen Zweck hergestellten Probekörpern durch. Um Empfehlungen zur Lagerung und zu Ausstellungsbedingungen zu geben, ermittelte Meisen die Lichtechtheit der Siebdruckfarben anhand von Lichtalterungstests an den Probekörpern. Klimatische Alterungsversuche mit wechselnder relativer Luftfeuchtigkeit an Probekörpern mit aufgebrachten Klebebändern zielten darauf ab, das Schadensbild an der Serie „Marilyn“ zu reproduzieren und potenzielle Auswirkungen von Feuchteschwankungen auf die Materialstruktur zu untersuchen. Zudem führte sie systematische Testreihe an ungealterten und gealterten Siebdrucken durch, um die Lösungsmittelbeständigkeit verschiedener Druckfarben zu überprüfen. Dabei wurde durch unterschiedliche Applikationstechniken auch der praktische Einfluss der Lösungsmittelapplikation berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigten, dass Tagesleuchtfarben zwar eine geringere Lichtbeständigkeit aufweisen, ihre Lösungsmittelresistenz sowie ihr Verhalten gegenüber klimatischen Einflüssen jedoch mit herkömmlichen Siebdruckfarben vergleichbar sind. Am Beispiel eines Siebdrucks der Serie „Marilyn“ wurden schließlich Maßnahmen zur Abnahme der Klebebänder und Reduzierung der Verfärbungen im Papier erprobt. Besonders die Anwendung von Nanorestore-Gelen erwies sich als wirkungsvolle und schonende Methode, um Klebstoffrückstände zu reduzieren, ohne die empfindlichen Farbschichten zu schädigen.
Januar 2026