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Fehlstellenergänzung an einem mit ostasiatischen Lackmalereien verzierten chinesischen Korb

Ein Detail aus dem Motiv der Deckelfläche zeigt eine chinesische Dame beim Teetrinken. (Bild: TH Köln - CICS - Andreas Krupa)

Der chinesische Korb wies vor allem im Bereich des Deckels mehrere großflächige Fehlstellen auf, die den gesamten Lackfassungsaufbau betrafen und bis auf das darunterliegende Trägermaterial reichten. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit wurden diese Fehlstellen untersucht, Möglichkeiten für die Schließung der Fehlstellen getestet und abschließend umgesetzt.

Studienprojekt auf einen Blick

Projekt BA-Arbeit 2018: Fehlstellenergänzung am Deckel eines chinesischen Korbs aus der Qing-Dynastie - Möglichkeiten der Ergänzung der ostasiatischen Lackoberfläche
Studienrichtung Objekte aus Holz und Werkstoffen der Moderne (HOM)
Beteiligte Hannah Schürmann
Betreuung 1. Betreuer: Andreas Krupa, Dipl.-Rest. (FH) M.A.
2. Betreuerin: Melanie Dropmann, Dipl.-Rest. (FH) M.A.
Laufzeit 2018

Objektbeschreibung

Der chinesische Korb ist in die Zeit der Qing-Dynastie (1644 - 1911/12) datiert und wahrscheinlich im 19. Jahrhundert als eine für den Export ins Ausland gedachte Lackarbeit entstanden. Der Korb und auch der Deckel bestehen aus Holz, das mit einer mehrschichtigen Lackoberfläche versehen ist. Der Oberflächenaufbau zeichnet sich durch eine blaue Gewebeunterklebung, sowie mehrere Grundierungs- und Lackschichten aus. Auf der Oberseite des Korbdeckels befindet sich eine Lackmalerei, die Palastdamen mit Räuchergefäß und Musikinstrument auf einer Gartenterrasse zeigt (Abb. 3). Die Darstellung ist an das Thema 百美图 Bai mei tu (Malerei der einhundert Schönheiten) angelehnt und von einem Ornamentband eingerahmt. Die Lackmalerei ist in verschiedenen Techniken ausgeführt und mit unterschiedlich gefärbten Lacken akzentuiert.

Schadensbeschreibung

Aufgrund des qualitativ weniger hochwertigen Grundierungs- und Lackaufbaus (Exportlack) sowie der Materialalterung und ungünstigen Klimabedingungen kam es zu Rissen in der Lackoberfläche und daraufhin zu Abhebungen einzelner Bereiche und zu Fehlstellen (Abb. 4-6). Das Erscheinungsbild eines Objekts wird meist von Struktur, Farbigkeit und Glanz seiner Oberfläche geprägt. Die eigentliche Intention des Lacks bei diesem Korb war eine rein schwarze und hochglänzende Oberfläche mit spiegelnden Eigenschaften. Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Korbdeckels ist durch die Alterung des Lacks und die Fehlstellen in der Lackfassung stark beeinträchtigt. Durch die Fehlstellen wird die Fläche unterbrochen. Das Fehlen des glatten schwarzen Lacks, wird noch von der in den Fehlstellenbereichen zutage liegenden und dadurch sichtbaren blauen Gewebeunterklebung, mit der dem Lack strukturfernen Oberflächenbeschaffenheit, betont. Zudem besteht in diesen Bereichen das Risiko, das sich weitere Lackpartien abheben oder abbrechen und verloren gehen.

Konzeptfindung und Durchführung der Maßnahmen

Aus diesen Gründen wurden verschiedene Möglichkeiten der Fehlstellenergänzung im Hinblick auf Umfang und Ergänzungsmaterial untersucht. Um die Fehlstellen optisch wieder in die umgebene Lackoberfläche eingliedern zu können, und somit die veränderte Wahrnehmung wieder bis zu einem gewissen Grad zurückzuführen, wurde eine plastische, farbliche und glanztechnische Reintegration durchgeführt.
Als Ergänzungsmaterial werden in der Literatur verschiedene Möglichkeiten genannt. Diese reichen von ostasiatischen Lacken über Wachse, Harze und Glutinleime bis hin zu synthetischen Harzen und thermisch formbaren Materialien. Jedes dieser Materialien erwies sich für das Studienobjekt jedoch aus dem ein oder anderen Grund als nicht geeignet. Entweder bestand ein Risiko für die wärme- und wasserempfindliche Lackoberfläche oder das getestete Ergänzungsmaterial erzielte optisch nicht den angestrebten Effekt. Nach einigen Überlegungen und Tests wurde daraufhin eine Ergänzung mit einem akrylharzgebundenen Kreidegrund durchgeführt, dessen Bindemittel in unpolaren Lösemitteln löslich war (Abb. 7). Eine farbliche Angleichung an die umgebende schwarze Lackoberfläche wurde mit einer glanztechnisch harmonierenden Acryldispersionsfarbe durchgeführt (Abb. 8).

Das Ergebnis dieser Maßnahme war eine durch die Ergänzungen plastisch und farblich geschlossene Deckeloberfläche des chinesischen Korbs. Der Glanzgrad und die Oberflächenstruktur wurden ebenfalls an den umgebenen Lack angepasst. Aus einer normalen Betrachterdistanz fügen sich die Ergänzung harmonisch in die ostasiatische Lackoberfläche ein, sodass der durch die Fehlstelle verursachte Störfaktor deutlich verringert werden konnte. Das im Konzept zu diesem Studienobjekt formulierte Ziel einer Schließung der Fehlstellen konnte somit erreicht werden (Abb. 9).

Juni 2021

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