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Prof. Dr. Gunnar Heydenreich

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Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS)

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Workshop - Kinetische Kunst im Kunstmuseum Gelsenkirchen

Studierende im Workshop. (Bild: TH Köln - CICS - Gunnar Heydenreich)

Was ist kinetische Kunst und wie kann diese für kommende Generationen erhalten werden? Diesen und weiteren Fragen stellten sich sieben Studierende des Cologne Institute of Conservation Sciences in einer vierzehntägigen Lehrveranstaltung im Kunstmuseum Gelsenkirchen unter der Leitung von Kuratorin Christiane Wanken und Prof. Dr. Gunnar Heydenreich.

Eine der ersten Präsentationen zur Kunst der ZERO-Gruppe in Deutschland fand 1963 in der Gelsenkirchener Künstlersiedlung Halfmannshof statt. Mit dem Anspruch an eine neue, unbelastete Kunst stützte die Gruppe ihre Werke auf moderne Technik und naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Es folgten Ausstellungen und Aktionen, an denen unter anderem Pol Bury, Gianni Colombo, Julio Le Parc, Heinz Mack, Christian Megert, Otto Piene, Georg Rickey, Rafael Soto oder Günther Uecker beteiligt waren. Die Aktivitäten in jenen Jahren prägten das kulturelle Leben der Stadt Gelsenkirchen maßgeblich. In der städtischen Kunstsammlung wurde seit Mitte der 1960er Jahre eine der umfangreichsten musealen Kinetiksammlungen in Deutschland aufgebaut, die derzeit 145 Objekte umfasst.

Die Faszination der Licht- und Bewegungsphänomene, der Reiz der Sensibilisierung der Sinne und die Aufforderung der Interaktion des Betrachters sind kennzeichnend für diese Werke. Die kinetische Kunst stellt aber auch eine Herausforderung hinsichtlich der Präsentation, Pflege und Bewahrung dar. Die mechanische Abnutzung durch ständige Bewegung der Objekte, die Degeneration der Kunststoffe und die nur temporär verfügbaren Techniken zeigen einen dringenden Handlungsbedarf. So stellt der scheinbar einfache Austausch von Antriebsmotoren, Glühbirnen oder weiterer Ersatzteile eine große Herausforderung dar, geht es nicht alleine um die Funktion des Kunstwerks, sondern auch um seine Authentizität. Mehrere Objekte sind defekt oder durch den Betrieb stark gefährdet.

Maximilian Mämpel öffnet die teilweise defekte Steuerungselektronik eines lichtkinetischen Nagelobjektes von Günther UeckerMaximilian Mämpel öffnet die teilweise defekte Steuerungselektronik eines lichtkinetischen Nagelobjektes von Günther Uecker (Bild: TH Köln - CICS - Julia Hartmann)

Daher entwickelten das Kunstmuseum Gelsenkirchen und das Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Technischen Hochschule Köln gemeinsam ein Projekt, dessen Ziel es ist, die kinetische Sammlung erstmals umfassend zu dokumentieren und zugleich Strategien zum Erhalt und zur Präsentation der Werke zu entwickeln und umzusetzen. Dabei stehen sowohl ethische Fragen der Restaurierung im Fokus, als auch praktische, nach Lagerung, Inbetriebnahme und Erhaltung der künstlerischen Intention.
Das Kooperationsprojekt wird durch die Wüstenrot Stiftung großzügig unterstützt.

Die Master-Studierenden mit verschiedenen Studienschwerpunkten konnten sich im Umgang mit dem schwierigen Feld der kinetischen Kunst in Theorie und Praxis vertraut machen und spannende Herausforderungen annehmen: Neben Materialien, Konstruktion und Funktionsweise, wurden insbesondere der Erhaltungszustand und Veränderungen dokumentiert. Dazu gehörten unter anderem defekte Kabel, poröse Kunststoffe und historische Leuchtmittel. Einige Leuchtmittel, die noch aus den 1960er und 1970er Jahren stammen, sind in dieser Form kaum noch erhältlich. Eine Strategie besteht somit darin zeitnah Ersatzteile zu beschaffen, um teure Einzelanfertigungen oder Umrüstungen zu umgehen, die wiederum mit einem Verlust an Authentizität einhergehen können. Viele Werke sind heute in ihrer Funktion beeinträchtigt und verschmutzt. Der ersten Projektphase wird deshalb im Sommer eine weitere Phase folgen, in der an einigen Objekten dringende Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Begleitend zu dem Workshop wurden mit dem Besuch eines ortsansässigen Förderers und Sammlers kinetischer Kunst die 1960er Jahre in Gelsenkirchen und der Aufbau der Sammlung des Kunstmuseums anschaulich erlebbar. Auch verdeutlichten uns die riesigen und faszinierenden Schwammreliefs von Yves Klein im Musiktheater die kreative Atmosphäre jener Zeit. An vielen öffentlichen Orten der Stadt sind zudem namhafte Künstler des 20. Jahrhunderts mit spannenden Werken vertreten. Die Projektlehrveranstaltung vermittelte damit nicht nur umfangreiche Kenntnisse und praktische Erfahrungen in der Dokumentation und Erhaltung kinetischer Kunst sondern auch ein facettenreiches Bild der Ruhrgebietsstadt.

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