Jakob Zimmermann - University of North Florida

Beach with Pier (Bild: Jakob Zimmermann)

Jacksonville, Florida, USA - 2025


Vorbereitung und Entscheidung

Im Jahr 2023 nahm ich an der von Herrn Bartz organisierten USA-Exkursion teil, bei der verschiedene Universitäten in den Vereinigten Staaten besucht wurden. Diese Exkursion vermittelte mir einen sehr guten Überblick über die beiden US-Partneruniversitäten und deren akademischen sowie infrastrukturellen Angebote.
Auf Grundlage dieser Eindrücke entschied ich mich anschließend für ein Auslandssemester an der University of North Florida.

Die Vorbereitung des Auslandssemesters war sehr umfangreich und zeitintensiv. Zunächst war eine erfolgreiche Bewerbung und Zulassung durch die Partneruniversität erforderlich. Darauf folgten unter anderem der Visumsantrag mit persönlichem Termin beim US-Konsulat in Frankfurt, der Abschluss einer geeigneten Auslandskrankenversicherung mit Genehmigung durch die UNF, die Organisation der Unterkunft, die Flugbuchung sowie gegebenenfalls die Planung von Reisen vor und nach dem Semester. Trotz des hohen organisatorischen Aufwands kann ich rückblickend mit voller Überzeugung sagen, dass sich dieser Einsatz gelohnt hat.

Studienleben

Häufig hört man, dass das Studium in den USA vergleichsweise leicht sei. Diese Einschätzung kann ich bestätigen, allerdings mit Einschränkungen. Zwar sind Klausuren tendenziell weniger anspruchsvoll als an deutschen Hochschulen, dafür ist der Arbeitsaufwand während des Semesters deutlich höher. Regelmäßige Abgaben, Präsentationen, Gruppenarbeiten und kleinere Tests fließen kontinuierlich in die Endnote ein. Die Benotung ist insgesamt sehr fair und wohlwollend.

In einem Semester bzw. "Term" belegt man am College vier Module.

Zwischen den Vorlesungen, welche nur von Montag bis Donnerstag stattfinden, kann man im Osprey Cafe (Mensa) essen gehen. Hierfür benötigt man ein Meal Membership, welches man am Anfang des Semesters auswählen muss.
Entweder man hat eine fixe Anzahl an „Meal Swipes“/Eintritten zum All-you-can-eat Buffet pro Woche, oder man kauft eine gewisse Anzahl an Swipes ohne zeitliche Verknüpfung.
Da es sogenannte Meal Periods gibt, sozusagen Zeitfenster, in denen man jeweils einen Swipe einlösen kann, ist man mit diesen weniger flexibel. Ist man nun ein Wochenende auf Reisen und man löst seine wöchentlichen Swipes nicht vorher ein, was mit den benannten Meal Periods nicht so leicht ist, so verfallen diese am Ende der Woche.
Mein Rat: Hat man vor viel zu reisen, ist die zweite Variante sinnvoller. Plant man den Campus kaum zu verlassen, ist man mit der ersten Variante besser bedient.

Alternativ gibt es einige Restaurants am Campus, wie Chick-fil-ee, Panda Express, Qdoba und viele mehr. Wer sich nach dem Essen einen Pumpkin Spice Latte oder einen Iced Dubai Chocolate Matcha gönnen möchte, kann das bei Starbucks, welcher sich am Campus befindet, tun.

Neben dem Studienalltag bietet die UNF viele Events an, wie den Market Day, internationale Food Days und Treffen der Internationals.

Des Weiteren verfügt die UNF über ein großes Sport- und Freizeitangebot. Die Sportanlagen umfassen mehrere moderne Fitnessstudios, Basketball- und Volleyballhallen, Tennisplätze sowie zahlreiche Outdoor-Sportmöglichkeiten.
Darüber hinaus existiert eine Vielzahl an studentischen Clubs und Organisationen, denen man je nach persönlichem Interesse beitreten kann. Diese bieten eine sehr gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich in das Campusleben zu integrieren.

Wohnen

Während meines Auslandsaufenthaltes wohnte ich in einem Doppelzimmer auf dem Campus. Um eine Unterkunft auf dem Campus zu erhalten, ist eine sehr frühzeitige Planung essenziell, da die sogenannte "Room Selection" bereits früh abgeschlossen wird. Verpasst man diese Phase, wird man auf eine Warteliste gesetzt, wobei amerikanische Studierende beim Nachrücken bevorzugt werden. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit auf eine On-Campus-Unterbringung erheblich.

Insgesamt war ich mit meinem Wohnkomplex sehr zufrieden. Die Zimmer sind klein und einfach ausgestattet und verfügen nur über alles Notwendige (Bett, Schreibtisch, Stuhl sowie Stauraum). Unsere Wohneinheit bestand aus fünf Zimmern (vier Einzel- und ein Doppelzimmer) sowie zwei Badezimmern. Diese Aufteilung ist im „Fountains“-Komplex Standard. Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsküchen, Aufenthaltsräume, ein kleines Fitnessstudio sowie einen Laden mit warmen Essen. Direkt vor dem Gebäude befinden sich zwei große Pools und mehrere Sportplätze.

Meiner Meinung nach ist "Fountains" eine sehr gute Wahl für ein Auslandssemester. Die Nähe zu den Vorlesungsgebäuden ist ein großer Vorteil, insbesondere im Vergleich zu anderen Wohnanlagen wie den "Flats". Zudem ist der Komplex Studierenden im zweiten und dritten Studienjahr vorbehalten, wodurch man überwiegend mit Gleichaltrigen zusammenlebt.

Wer sich für ein Leben außerhalb des Campus entscheidet, benötigt nahezu zwingend ein Auto, da es in Jacksonville kaum öffentliche Verkehrsmittel gibt und die Entfernungen sehr groß sind. Nur bei sehr campusnaher Lage kann ein E-Scooter ausreichen. Eine gute Alternative ist eine Wohnung im St. Johns Town Center, da von dort der UNF-Bus genutzt werden kann. Insgesamt würde ich jedoch klar empfehlen, während des Auslandssemesters auf dem Campus zu wohnen, auch wenn der Komfort begrenzt ist.

Freizeit und Reisen

In meiner Freizeit unternahm ich zahlreiche kleinere und größere Reisen und besuchte viele Sport- und Freizeitevents. Dazu zählten unter anderem Footballspiele der Jacksonville Jaguars, College-Football (Gators vs. Bulldogs), UNF-Basketball- und Volleyballspiele sowie Eishockey- und Tennisveranstaltungen.

Der Strand ist mit Uber innerhalb von etwa 20 Minuten erreichbar und bietet neben Erholungsmöglichkeiten auch eines der größten Partyzentren der Region mit zahlreichen Beach Bars.
Um an klassische College-Partys zu gelangen, empfiehlt es sich, aktiv Kontakte auf dem Campus zu knüpfen, da Einladungen und Ankündigungen überwiegend über Soziale Netzwerke erfolgen. Eine ruhigere Freizeitaktivität in unmittelbarer Campusnähe ist das Topgolf-Gelände, das sich besonders für Gruppen eignet.

An Wochenenden bieten sich Ausflüge zu den zahlreichen Springs in der Umgebung an. Ebenfalls sehr empfehlenswert ist ein Besuch der ältesten Stadt der USA, St. Augustine. Auf dem etwa 40-minütigen Weg dorthin befindet sich zudem eine Buc-ee’s-Tankstelle, die einen sehr authentischen Einblick in die amerikanische Alltagskultur bietet.

Für größere Reisen lohnt sich ein Preisvergleich zwischen den Flughäfen Jacksonville (JAX) und Orlando, da der kleinere Flughafen in Jacksonville meist teurer ist. Häufig nutzten wir Mietwagen oder die Uber-Intercity-Funktion, um von der UNF nach Orlando zu gelangen. Von dort aus reiste ich mit Freunden unter anderem nach Puerto Rico, Mexiko, Kanada und in die Dominikanische Republik. Aufgrund der kurzen und günstigen Flugverbindungen bieten sich solche Reiseziele während eines Auslandssemesters besonders an.

Für Reisen außerhalb der USA ist eine sogenannte "Travel Signature" erforderlich. Diese sollte idealerweise direkt zu Beginn des Aufenthalts beim International Office beantragt werden, um Probleme bei der Wiedereinreise zu vermeiden. Für das Mieten eines Autos in den USA ist zudem eine Kreditkarte (keine Debitkarte) mit ausreichend hohem oder flexibel anpassbarem Limit zwingend notwendig.

Interessantes

Da die hauseigene Gesundheitsversicherung der UNF teuer ist, lohnt es sich, eine eigene abzuschließen und diese von der Universität anerkennen zu lassen. Hierbei empfehle ich Folgendes: UNF-konforme amerikanische Versicherung von ISO oder ISI. Zusätzlich eine deutsche Reiseversicherung für längere Aufenthalte im Ausland. Die erste Versicherung deckt kaum etwas ab, befriedigt aber die Anforderungen der Uni. Die zweite Versicherung ist zur tatsächlichen Absicherung. Hier habe ich mich für eine Reiseversicherung von der AXA entschieden, welche deutlich mehr Leistungen für einen sehr kleinen Preis anbietet.

Es ist sehr wichtig eine gute Gesundheitsversicherung in den USA zu haben, da die Behandlungspreise extrem hoch sind. Hierbei sollte man keine halben Sachen machen!

Fazit

Das Auslandssemester an der University of North Florida war eine außergewöhnliche und prägende Erfahrung. Der persönliche Mehrwert hängt stark davon ab, wie aktiv man das Angebot nutzt. Für mich bedeutete der Aufenthalt insbesondere internationale Freundschaften, eine deutliche Verbesserung der Englischkenntnisse, sowie persönliche und interkulturelle Weiterentwicklung.

Abschließend möchte ich mich bei Herrn Bartz, Herrn Krawutschke, sowie Frau Strumpf bedanken. Ich wurde sehr gut beraten und die Anrechnung verlief reibungslos.

Insgesamt kann ich ein Auslandssemester an der UNF uneingeschränkt weiterempfehlen.


Februar 2026


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