Arno Daniel - Tennessee Technological University

Vier junge Männer liegen quer über ein Gleis in endloser Prärie (Bild: Arno Daniel)

Cookeville, Tennessee, USA - 2012


Vorlauf

Da ich im Wintersemester des Jahres 2010 mit einem Team um Prof. Dr.-Ing. Andreas Lohner am IEEE International Future Energy Challenge 2011 (IFEC) teilnahm, zeichnete sich im Dezember 2010 ab, dass ich zusammen mit einem Kommilitonen die Chance erhalten würde, die Projektergebnisse im April 2011 in Dallas Fort Worth, Texas, USA vorzustellen. Daraufhin bestellte ich den Reisepass und die Vorfreude über die erste Reise über den „großen Teich“ wuchs täglich.

Erste Eindrücke während der USA-Exkusion

In der ersten Vorlesungswoche des Jahres 2011 erwähnte Prof. Dr.-Ing. Stefan Kreiser in einer seiner Vorlesungen, dass die jährlich stattfindende und von Prof. Dr. Rainer Bartz organisierte USA-Exkursion noch freie Plätze hätte. Sofort setzte ich mich mit Herrn Bartz in Verbindung und zwei Wochen später konnte ich schon meine Flugtickets bestellen. Der Besuch der zwei Partneruniversitäten – Tennessee Technological University (TTU) in Cookeville und University of North Florida (UNF) in Jacksonville – verstärkte meinen Wunsch zunehmend, ein Auslandssemester zu absolvieren (siehe USA-Exkursionsberichte von 2011).
Die UNF reizte dabei mit einem modernen, schicken Campus und gutem Wetter, die TTU eher mit einem älteren Campus mit Kleinstadtcharme (und für BAföG-Empfänger wie mich: mit deutlich geringeren Studiengebühren).

Entscheidung für die TTU

Nach einigen Monaten reichlicher Überlegung, einigen Stipendienbewerbungsschreiben (u.a. PROMOS), Nachforschungen im Bereich BAföG und Krediten, sowie mögliche Anerkennung der USA-Fächer in mein Masterstudium, entschloss ich mich letztendlich für die TTU.

Im Februar 2012 versandte ich meine Bewerbung über Herrn Bartz an die TTU und bekam im April schon meine Visumsunterlagen und weitere Dokumente. Die Zeit zum Termin an der Botschaft in Frankfurt im Mai überbrückte ich mit diversen Impfungen und sonstigen ärztlichen Attesten, die bei mir recht schnell abgehandelt wurden.

Bis zum Abflug im August war ich recht beschäftigt mit Prüfungen, meinem Auszug aus meiner Kölner Wohnung und meiner Abschiedsfeier. Schnell nahte der 18. August 2012, an dem ich mich mit meinem Kommilitonen Jens Tragelehn vom Kölner Hauptbahnhof zum Flughafen Frankfurt begab, um dann nach Atlanta abzuheben. Von dort mieteten wir einen Einweg-Mietwagen nach Cookeville. Zu zweit lässt sich somit schon einiges gegenüber dem direkten Flug nach Nashville und dem erforderlichen Shuttleservice sparen. Hinzu kommt die gewonnene Mobilität in den ersten Tagen.

Ankunft und erste Woche

Da wir erst abends um 23.00 Uhr in Cookeville ankamen, waren wir umso besser gelaunt, dass ein Einzug ins Dorm-Zimmer der Warf-Hall problemlos möglich war. Wir knüpften erste Kontakte mit den hilfsbereiten und netten RAs (Room Assistants), von denen uns einige kurz nach dem "einchecken" zum nächsten Walmart begleiteten, damit wir uns mit Bettwäsche und diversen anderen Utensilien eindecken konnten.

Die erste Woche war geprägt von der persönlichen Einschreibung, diversen Welcome-Partys, Get-Togethers, Info-Veranstaltung über das Visum, der Anmeldung zu den Fächern und dem Einzug meines amerikanischen Roommates Tony. Schnell lernte ich über ihn als auch über die Welcome-Partys viele Leute kennen. Auch das "Tech Buddy" Programm, welches jedem internationalen Studenten einen amerikanischen "Betreuer" zuordnet, war sehr hilfreich. So lernte ich Paul kennen, der mir unter anderem die schönen Wasserfälle in der Umgebung zeigte, wo wir mit seinem gigantischen Pickup-Truck hinfuhren.

Das Studium

Das Studium selbst erinnert einen mit Hausaufgaben, Anwesenheitspflicht und diversen Tests und Klausuren doch eher an die Schule. Die Hausaufgaben sorgen jedoch dafür, dass man nichts auf die lange Bank schiebt und den Lernaufwand für die 3-4 Klausuren vor dem Final Exam erheblich reduziert. Ich hatte das Glück, das Fach "Digital System Design" bei dem sehr motivierten Professor El Kelaany absolvieren zu können, dessen Fach sehr strukturiert und durchdacht war und mir viel Spaß bereitete. Außerdem nahm ich auch an einem Volleyballkurs teil, in dem es im Gegensatz zu anderen Sportfächern aber keinen schriftlichen Test gab, sondern nur Anwesenheitspflicht und einen praktischen "Skill test".

Zu erwähnen sei noch die notwendige Anschaffung von Lehrbüchern, von denen eines gern mal 200 Dollar kosten kann. Ein Vergleich mit einer älteren Version und Absprache mit dem Professor ist ratsam (so konnte ich z.B. mit einem 4 Dollar Buch von Amazon Abhilfe schaffen).

An das All-you-can-Eat-Angebot der Mensa muss man sich gewöhnen (und mit viel Sport gegenarbeiten) und trotz der großen Auswahl fehlt es leider schnell an Abwechslung.
Zu erwähnen sei das Highlight des Tages: Matt’s Omelette: morgens macht der Koch Matt ein frisches Omelette mit Zutaten deiner Wahl.

Während der Ferientage – Fallbreak oder Thanksgiving – sollte man doch eher Reisebereitschaft zeigen, ob bei einem Roadtrip nach New York, Vegas oder Florida oder zu einem Jagdausflug mit dem Tech Buddy, denn der Campus scheint zu diesen Tagen wie ausgestorben.

Fazit

Alles in allem verging die Zeit sehr schnell. Ich lernte viele tolle Menschen kennen, mit denen ich noch in Kontakt stehe. Meine englische Aussprache konnte ich verbessern sowie meinen Wortschatz erweitern und das Lesen englischer Texte fällt mir aufgrund der vielen Übung nun leichter. Diese Erfahrung eines Auslandssemesters möchte ich nicht missen und denke, dass sie in meinem Lebenslauf einen guten Platz gefunden sowie meinen kulturellen Horizont erweitert hat.

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