Jannik Unland - Technische Universität Warschau

Warschauer Altstadt im Winter (Bild: Jannik Unland)

Warschau, Polen - 2018


Erfahrungsbericht über ein Erasmussemester im WS2018 an der Politechnika Warszawska (Warsaw University of Technology)

1. Einführung

Nachfolgend werde ich einen Text über meine Erfahrungen während meines Auslandssemesters in Warschau schreiben. Als Einführung stelle ich mich kurz vor: Mein Name ist Jannik Unland, ich war während des Erasmussemesters 26 Jahre alt und habe Elektrotechnik im Master studiert. Das Auslandssemester fand im zweiten Fachsemester meines Masterstudiums an der TH Köln statt.

2. Vorbereitung (Planung, Organisation, Bewerbung an der Gasthochschule)

Da ich bereits während meines Bachelorstudiums ein Auslandssemester absolviert hatte und diese Erfahrung als absolut positiv und bereichernd empfand, stand für mich von Anfang an fest auch im Master ins Ausland zu gehen. Meiner Meinung nach ist ein Auslandssemester eine der einfachsten und schönsten Möglichkeiten eine andere Kultur kennenzulernen und eine neue Perspektive zu gewinnen.

Nachdem ich im Bachelor mein Erasmus-Semester in Valencia verbracht habe, sollte es nun in Richtung Osteuropa gehen, genauer gesagt nach Warschau. In anderen Erfahrungsberichten ist oft von Bewerbungsverfahren und geringen Plätzen für ein Auslandssemester zu lesen oder zu hören. In der Fakultät F07 (Fakultät für Informations-, Medien- und Elektrotechnik) an der TH Köln ist dies zum Glück nicht der Fall. Sowohl der betreuende Professor Herr Dick als auch das International Office waren mir gegenüber von Anfang an sehr hilfsbereit und haben mich ermutigt ein Semester an der Politechnika Warszawska zu studieren.

Nachdem ich also die Zusage von Herrn Dick bekommen hatte, wurde ich für die Online Plattform "Mobility-Online" vom International Office freigeschaltet. Auf dieser Plattform befinden sich alle Dokumente und Erklärungen, die vor, während und nach dem Auslandssemester zu erledigen und einzureichen sind. Meiner Meinung nach ein sehr unkompliziertes System, in dem man sich schnell zurechtfindet. Weiterhin mussten ein paar Dokumente, wie das Learning Agreement (die Kursauswahl), eine Ausweiskopie, ein Passfoto usw. an die Gasthochschule gesendet werden. Der Kontakt mit der Gastuniversität lief sehr unkompliziert und reibungslos ab.

3. Ankunft und Unterkunft

Die günstigste und schnellste Variante, um von Köln nach Warschau zu kommen ist das Flugzeug. In Warschau gibt es den sehr zentralen Flughafen „Warsaw Chopin Airport“ und den ca. 50km nördlich vom Stadtzentrum entfernten Flughafen „Warsaw Modlin“. Meistens ist ein Flug nach „Warsaw Modlin“ günstiger. Durch eine regelmäßige und günstige Busverbindung vom Flughafen zum Zentrum stellt dies aber kein Problem dar. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, mit dem Zug anzureisen. Es besteht eine mehrmals tägliche direkte Zugverbindung von Berlin nach Warschau. Die Fahrtzeit von Berlin beträgt ca. 6 Stunden.

Durch vorherige Bekanntschaften in Warschau konnte ich mir bereits vor meinem Auslandssemester ein Zimmer organisieren. Ich habe während meiner Zeit in Warschau in einer ruhigen Nachbarschaft mit guter S-Bahn Anbindung gewohnt. Zur Uni habe ich ca. 20 Minuten gebraucht. Generell gibt es in Warschau keine Bereiche, die nicht vom öffentlichen Nahverkehr bedient werden. Das Nahverkehrsnetz ist sehr dicht und zuverlässig und wird auch in der Woche nachts betrieben. Das Angebot an WG-Zimmer ist zu Semesterbeginn riesig und man sollte sich am besten in Facebook-Gruppen umschauen. Die Mietpreise für ein zentrales WG-Zimmer sind eventuell ein bisschen günstiger aber durchaus vergleichbar mit denen in Köln. Für ein Zimmer bezahlt man (warm) je nach Lage ab 280€ (ca.1200zl) aufwärts.

Wer es günstiger will, kann sich für einen Wohnheimplatz bewerben. Hier bezahlt man oft nur 120-200€ warm. Dafür teilt man sich sein Zimmer dann (je nach Wohnheim) mit 1-3 anderen Personen.

4. Universität und Studium

Während des Bewerbunsprozesses an der Politechnika gibt es die Möglichkeit, sich um einen Mentor zu bewerben. Dieser Mentor oder diese Bezugsperson kann dann gerade in der Anfangszeit sehr hilfreich sein, um sich in der neuen Umgebung ein wenig zu orientieren. Ich würde also jedem empfehlen an diesem Mentor-Programm teilzunehmen, da man am Anfang immer Schwierigkeiten hat zum Beispiel die passenden Räumlichkeiten zu finden.

Der Campus der Politechnika Warszawska liegt sehr zentral im Herzen von Warschau. Es handelt sich um eine sehr traditionelle Universität mit einer langen Historie. Besonders das Hauptgebäude und einige andere Nebengebäude haben einen sehr historischen Charm und gehören sicherlich auch auf das Programm einer Sightseeing-Tour in Warschau.
In der Mitte des Campus befindet sich ein kleiner Park und die Atmosphäre auf dem Campus hat mir immer sehr gut gefallen. Generell hat die Warsaw University of Technology (englischer Name der Politechnika) eine sehr gute Reputation und ein hohes Ansehen in Polen.

Nach dem ersten Treffen mit dem Erasmuskoordinator wurde klar, dass einige Kurse von meinem Learning Agreement nicht angeboten werden. Dadurch musste ich mein Learning Agreement ein wenig anpassen. Natürlich ist das Angebot der englischsprachigen Vorlesungen beschränkt. In der Fakultät „Electrical Engineering“ wird aber darauf geachtet, dass es englischsprachige Kurse im Umfang von mindestens 30ECTS pro Semester gibt.

Als dann alle meine Kurse definitiv fest standen konnte es also mit dem Uni-Alltag losgehen. Generell gibt es in Polen viel mehr Pflichtveranstaltungen als ich es aus Deutschland gewohnt war. Einige Kurse hatten Laborveranstaltungen im 2-Wochen Rhythmus andere Kurse hatten wöchentliche Pflichtveranstaltungen. Diese Labore werden dann auch in den meisten Fällen direkt bewertet. Entweder in Form eines kurzen Tests vor Beginn der Labortätigkeit oder durch einen Laborbericht (oder auch beides). In dieser Hinsicht ist das Studieren in Deutschland sehr viel freier. Um dem polnischen System doch noch etwas Gutes abzugewinnen, muss ich sagen, dass durch die vorher gesammelten Noten der Stress am Ende des Semesters für die Klausuren nicht so hoch war. Durch die bewerteten Vorleistungen habe ich mich in der Klausurphase sicherer gefühlt. Auch gibt es die Möglichkeit, eine nicht bestandene Klausur direkt eine Woche später noch einmal zu wiederholen.

5. Alltag und Freizeit

Warschau ist eine sehr lebedinge Großstadt mit unzähligen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Durch ein relativ niedriges Preisniveau hat man auch mit einem eher studentischen Budget sehr viele Möglichkeiten neue Sachen auszuprobieren.
So gibt es den ganzen Winter über die Möglichkeit im Nationalstadion oder auf einer der vielen anderen Eisflächen Schlittschuh zu laufen oder im Stadtzentrum auf einem kleinen Berg Ski oder Snowboard zu fahren (für ambitionierte Wintersportler sicherlich zu klein aber sehr nett für einen Nachmittag). Es gibt sehr viele Schwimmbäder, Trampolinparks, Indoor-Klettern und Hochseilgärten, Fitnessstudios und jede andere Sportart, die man sich vorstellen kann.

Des Weiteren bietet Warschau eine Vielzahl von sehr guten Museen. Fast jedes Museum hat einmal pro Woche einen Tag an dem der Eintritt frei ist. Besonders beeindruckt hat mich das „Warsaw Uprising Museum“.

Durch die nahezu komplette Zerstörung der Warschauer Innenstadt ist das Stadtbild geprägt von sowjetische Nachkriegsarchitektur. Diese ist zwar nicht immer schön aber es gibt eine sehr schöne wiederaufgebaute Altstadt, mehrere Parks und eine Flusspromenade, in denen man sich die Zeit bei gutem Wetter vertreiben kann.

Um Anschluss zu finden bietet die Studentenorganisation ESN eine Orientierungswoche und mehrere Partys und Trips während des Semesters an. Hier trifft man andere Erasmus Studenten und die Kontaktaufnahme ist sehr einfach. Gerade das Angebot der Orientierungswoche sollte man in Anspruch nehmen, um schnell Kontakte und Freundschaften aufzubauen.

Das Nachtleben von Warschau hat einiges zu bieten, und wenn man es darauf anlegt findet man sicherlich jeden Tag in der Woche eine gute Party. Zum Vortrinken trifft man sich meist in dem Barviertel "Pawilony". Eine der besten Aspekte am Ausgehen in Warschau sind die Preise. Man kann es sich als Student viel öfter leisten in guten Restaurants essen zu gehen und in Bars und Cafes etwas zu trinken. Geld ist bei der Freizeitgestaltung praktisch nie ein Hemmnis, was für mich eine sehr schöne neue Erfahrung war.

6. Fazit

Ich hatte eine sehr schöne und unvergessliche Zeit in der polnischen Hauptstadt. Ich habe sehr viele neue Bekanntschaften und Freunde gewonnen und freue mich, so bald wie möglich wieder nach Warschau zu reisen.

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