Philip Meissner - Tennessee Tech University

MS Cooper/Pinkteron Hall, studentische Unterkünfte (Bild: Philip Meissner)

Cookeville, Tennessee, USA - 2017


Auch für mich sollte es im August 2017 in ein Auslandssemester nach Tennessee, genauer an die University of Technology in Cookeville gehen. Die Organisation dafür begann jedoch schon viel früher.
Das erforderliche J1-Visa zu bekommen war, wie zu erwarten ein kleiner Kampf und ist mit einem Besuch des US-Konsulats in Frankfurt verbunden, zu dem man hauptsächlich fährt um 2 banale Fragen zu beantworten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Finanzierung: Zu den Studiengebühren der University kommen noch die Essenspläne der campuseigenen Mensa, sowie die Unterkunft in einem der Studentenwohnheime. Nicht zu vergessen sind die Bücher die für manche Vorlesungen vorausgesetzt werden. Glücklicherweise wurden sowohl meine Anträge beim Auslandsbafögamt in Hamburg als auch meine Bewerbung beim Promos-Stipendium stattgegeben, sodass das meiste der Gebühren damit bezahlt werden konnte. Wenn man mit dem Gedanken eines Auslandssemesters spielt kann ich eine Bewerbung sehr empfehlen. Selbst wenn man kein gewöhnliches Bafög bekommt, könnte sich ein Antrag auf Auslandsbafög lohnen, denn das wird ein wenig anders berechnet.

Das erste was mir bei der Ankunft in Nashville am Flughafen auffiel war die angenehme Wärme und das schöne Wetter. In Tennessee kann man noch bis Mitte Oktober sehr angenehme Temperaturen erwarten.
Mit einem Shuttleservice ging es dann am Abend des 21. August nach Cookeville. Ich verpasste leider die Sonnenfinsternis die am gleichen Mittag genau über Tennessee zog.
Cookeville selber muss wohl eine sehr typische mittelgroße Stadt im Südwesten der USA sein. Es gibt unzählige Fast Food Restaurants und ganze Straßenzüge (Interstate Drive) erinnern an Springfield aus den Simpsons. Wenn man den recht beschaulichen Stadtkern verlässt, fällt auf, dass die Stadt sehr ausgedehnt ist. Zwischen allen Gebäuden ist so viel Platz, Parkplätze sind riesengroß und Flächen zwischen Häusern sind asphaltiert.
Der Campus der TTU ist eine kleine Stadt für sich, sehr schön gestaltet und besitzt fast alles was man zum Leben braucht. Viele Grünflächen, Parks und wunderschöne Gebäude zeigen die finanziellen Mittel amerikanischer Unis und weisen die TH Köln wenigstens in der Kategorie Ästhetik und Flair in die Schranken.

Untergekommen bin ich in den studentischen Unterkünften MS Cooper/Pinkerton, die zusammen ein Gebäude sind. Man wohnt, wenn nicht anders bei der Bewerbung angegeben, zusammen mit einem amerikanischen Zimmergenossen in einem einfach eingerichteten Zimmer und hat die Badezimmer auf dem Flur.
Anfangs war es sehr ungewohnt jemandem in seinem Zimmer zu haben, doch ich hatte mit meinem "Room mate" Glück: An vielen Wochenenden und auch unter der Woche war er gar nicht da, und wenn, dann lief unser Zusammenleben reibungslos. Die meiste Zeit verbringt man jedoch (zwangsläufig) eh' nicht in seinem Zimmer. Im Erdgeschoss jedes Studentenwohnheimes befindet sich die Lobby mit Couches, diversen Brettspielen und, ganz wichtig, der Tischtennisplatte.

In den ersten Tagen auf dem Campus ist man dann regelmäßiger Besucher des International Office, um seinen Studentenausweis zu beantragen, einen Gesundheitscheck über sich ergehen zu lassen (in Deutschland unvorstellbar, dass seine Universität für die Gesundheit der Studenten verantwortlich ist) und seine Kurse für das Semester zu wählen.
Hier war Amy eine große Hilfe, die unerbittlich mit den verschiedenen Fakultäten Kontakt aufnahm und versuchte für uns Kurse zu organisieren. Da alle amerikanischen Studierenden in den ersten Semestern viele Grundlagenfächer, wie Englische Literatur, Biologie, Psychologie und Algebra belegen müssen, ist die Auswahl an Kursen auch an einer Technischen Universität vielfältig. Mein Lieblingskurs war definitiv das Tontaubenschießen auf einer Shooting Ranch etwas außerhalb von Cookeville. Gleich in der ersten Stunde auf der Ranch kriegt man eine Schrottflinte, die an den Gangsterboss Al Capone erinnert, zusammen mit einer Box Munition in die Hand gedrückt und darf nach kurzer Einführung auf kleine orange Disks schießen. Amerika! Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Leider befürchte ich, dass ich mit Teilnahme an diesem Kurs die NRA unterstützt habe, was ich eigentlich nie vorhatte. Damit bekam ich jedoch einen authentischen Einblick in die Waffenvernarrtheit und das unabänderliche Recht amerikanischer Bürger, Waffen zu besitzen und zu verwenden.

In den anderen Kursen fiel mir die Eingewöhnung alles in Englisch zu hören nicht sehr schwer. Wenn man etwas nicht verstand, lag das meist an Fachwörtern oder dem Akzent mancher Lehrender. Ein großer Unterschied zum deutschen Studieren sind die vielen Abgaben, Tests und Prüfungen im Semester. Das ist schlimmer als in der Oberstufe, hat aber auch, was ich gestehen muss, den Vorteil, dass man sich das ganze Semester über mit dem Stoff auseinandersetzt. Die Finals sind am Ende des Semesters dann aber recht entspannt, weil die meisten Noten schon feststehen.

An den Wochenenden im Semester war ich vor allem mit weiteren internationalen Studenten unterwegs. Über Fall Break, einem freien verlängerten Wochenende im Oktober, unternahmen wir einen Roadtrip nach New Orleans (die Kenner sagen N’Orleans) und an Thanksgiving wurde ich zur Familie Buckner/Hall einer amerikanischen Freundin eingeladen und erlebte einen tollen amerikanischen Feiertag!

Ich kann jedem Studenten, dem sich die Gelegenheit bietet, empfehlen ein Auslandssemester zu absolvieren. Es bietet einen unverkennbaren Einblick in die Kultur und die Lebensweise anderer Länder, von dem man unglaublich viel für sein Leben mitnehmen kann!

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