Niclas Bewermeier - Tennessee Technological University

Basketball-Volleyball-Stadium (Bild: Niclas Bewermeier)

Cookeville, Tennessee, USA - 2014


Mein Auslandssemester an der Tennessee Tech University

Schon zu Beginn meines Elektrotechnik-Studiums habe ich mit dem Gedanken gespielt, einmal für längere Zeit ins Ausland zu gehen, um unter Anderem meine mangelnden Englischkenntnisse aufzubessern und einen Einblick in andere Kulturen zu bekommen. Im Herbst 2014 war es dann so weit: Ich studierte für ein Semester an der Tennessee Tech University.

Das 'Land der unbegrenzten Möglichkeiten' hat mich schon immer sehr fasziniert und kam daher besonders als potenzielles Ziel für ein Auslandssemester in Frage. Umso gelegener kam mir dann das Angebot von der Fakultät, an einer USA-Exkursion teilzunehmen, da mir das Studentenleben in den Staaten bisher nur aus dem Fernsehen bekannt war.
Anfang April 2014 besuchten wir (ca. 10 Studierende meiner Fakultät und Herr Bartz) zwei Partnerhochschulen in den Staaten, um einen Eindruck von Campus, Studienangeboten, Wohnen und Vorlesungen in englischer Sprache zu bekommen. Zum einen besichtigten wir die University of North Florida (UNF) in Jacksonville, FL, die vor allem durch interessante Praxis-Projekte, einem sehr schönen und modernen Campus sowie einer wundervollen Gegend mit bestem Wetter punktete. Zum anderen wurde uns die Tennessee Tech University (TTU) in Cookeville, TN vorgestellt, die vergleichsweise um einiges preiswerter war und einen eher familiären Eindruck machte.

Die Exkursion hat mich bei der Überlegung, ein Auslandssemester einzulegen, sehr bestärkt und somit entschied ich nach 2-3 Wochen Bedenkzeit, mich für das anstehende Wintersemester bei der Tennessee Tech zu bewerben, da ich mich dort besser aufgehoben fühlte als bei der UNF.
Ein anderer wichtiger Punkt bei der Entscheidung für ein Auslandssemester war der, dass sich das Studium dadurch nicht verlängerte, da es möglich war sich die im Ausland erbrachten Leistungen an der FH anrechnen zu lassen und dadurch ein ganzes Semester zu "ersetzen". Erster Ansprechpartner für die Bewerbung und weitere Planung war Herr Bartz, der anfangs die Vermittlung übernahm und immer mit Rat und Tat zur Seite stand.

Bereits Ende Mai, eine Woche nach Abschicken der Bewerbung, erhielt ich meine Zusage von der TTU. Jetzt kamen eine Menge organisatorischer Dinge auf mich zu, die innerhalb der noch verbliebenen zweieinhalb Monate bis zum Semesterstart erledigt werden mussten. Neben der Wahl der Module, die ich in Tennessee belegen wollte, musste das Visum beantragt werden, wofür man diverse Unterlagen ausfüllen und das amerikanische Konsulat besuchen musste. Außerdem musste ich meine Anreise planen und eine geeignete Auslandskrankenversicherung abschließen. Dazu kamen noch einige Arztbesuche, um vorbeugende Impfungen zu erhalten, und Schriftverkehr mit dem BAföG-Amt in Hamburg. Bereits im Juli hatte ich einige Modulprüfungen vorzeitig abgelegt, da zum regulären Prüfungstermin schon das Semester an der TTU begonnen hatte.

Mitte August ging es dann endlich los. Nach reibungsfreiem Flug nach Nashville, TN und problemloser Einreise am Flughafen, wurde ich vom Airport-Pickup der TTU empfangen und gemeinsam mit Gleichgesinnten zum Campus gefahren. Dort angekommen wurden wir herzlichst begrüßt, obwohl es bereits kurz vor Mitternacht war. Sehr freundliche Studenten teilten uns unseren Unterkünften zu und fuhren netterweise mit uns in derselben Nacht zum nächstgelegenen Einkaufsladen, um Bettwäsche zu besorgen. Zu diesen Studenten entwickelte sich von dort an eine sehr gute Freundschaft.

Die Unterkünfte (Dorms) auf dem Campus unterschieden sich in Ausstattung und Komfort, je nach Preis bzw. Gebäude in dem sie sich befanden. Im Normalfall handelte es sich um ein Zimmer, welches sich zwei Personen teilten. Jeder Mitbewohner besaß einen Schreibtisch, ein in der Höhe verstellbares (Hoch-)Bett, Schubladenschränke und einen abschließbaren Wandschrank. Toiletten und Duschen befanden sich auf dem Flur und wurden gemeinsam von mehreren Zimmern auf einer Etage genutzt. Was anfangs etwas ungewohnt zu sein vermochte, wurde schnell zur Gewohnheit.
Auf dem Campus befanden sich diverse Unterkunfts-Gebäude, die jeweils einen eigenen Namen besaßen. Für ausländische Studierende empfahlen sich besonders die Gebäude "Ms Cooper" und "Pinkerton", die vorzugsweise von internationalen, aber auch von amerikanischen Studenten bewohnt wurden und somit einen besonderen interkulturellen Austausch ermöglichten. Außerdem war die zentrale Lage dieser Gebäude ein beliebter Treffpunkt und bot einen sehr kurzen Weg zur "Cafeteria" (Mensa) und zu anderen Ess- bzw. Einkaufsmöglichkeiten.

Eine Woche vor Beginn der eigentlichen Vorlesungen hatten sich alle internationalen Studenten an der Tennessee Tech einzufinden, denn dann startete die vom "Office of International Education" organisierte Orientierungswoche. Dafür wurden sämtliche Veranstaltungen organisiert, wie z.B. Begrüßungs- und Einführungstreffen oder ein tägliches gemeinsames (kostenloses) Dinner, wo wir neu eingetroffenen "Internationals" uns gegenseitig kennenlernen konnten. Außerdem mussten wir uns in dieser Woche für die gewünschten Module anmelden, die wir belegen wollten. Zu diesem Zeitpunkt war der Campus noch ziemlich leer und unbewohnt, jedoch war hier genügend Zeit, mit den neuen Bekanntschaften aus aller Welt den Campus und die Stadt näher zu erkunden und das zu der Zeit hochsommerliche Wetter zu genießen.

Am Campus der TTU studierten etwa 11.000 Studenten, für die auch neben dem Studium eine Menge geboten wurde. Neben einem Footballstadion und einem Baseballstadion war auch eine Basketball-Arena vorhanden, in denen die Spiele der Golden Eagles, die Sport-Teams der TTU, ausgetragen wurden. Außerdem gab es auch noch einen Konzertsaal, ein Theater und ein gut ausgestattetes Fitnessstudio, in dem man Body-Workouts absolvieren konnte, aber auch im hauseigenen Schwimmbad ein paar Bahnen ziehen oder die Sauna besuchen konnte. Zudem bot sich hier die Möglichkeit Volleyball, Tischtennis, Basketball oder Raquetball zu spielen. Für uns als eingeschriebene Studenten war der Eintritt für sämtliche Veranstaltungen und die Nutzung aller Einrichtungen kostenlos. Zur Verpflegung war eine Mensa vorhanden, in der man nach Eintritt täglich wechselnde Büfetts, Sandwiches, Salate und viele andere Gerichte verspeisen konnte. Hier galt: "All you can eat and drink!". Außerdem standen auf dem Campus noch ein Starbucks und diverse andere Fastfood-Restaurants zur Verfügung.

Nach der "Week of Welcome" gingen dann die Vorlesungen los. Zu der Grundausstattung der voll klimatisierten Hörsäle gehörte mindestens ein Beamer und eine Tafel bzw. ein Whiteboard. WLAN war auf dem gesamten Campus verfügbar.
Anfangs war es für mich persönlich teilweise noch ziemlich anstrengend, den Vorlesungen zu folgen. Nach ca. zwei Wochen Eingewöhnungszeit war dies aber überhaupt kein Problem mehr. Die Kurse waren mit 15-50 Studierenden recht überschaubar, sodass es problemlos möglich war auf die immer hilfsbereiten und verständnisvollen Professoren zuzugehen, falls bei mir mal Unklarheiten auftraten.
Anders als ich das von der FH Köln kannte, wurden an der TTU über das gesamte Semester immer wieder Hausaufgaben vergeben und kleine bzw. auch anspruchsvollere Tests sowie "Midterm Exams" geschrieben, die mich beim kontinuierlichen Lernprozess unterstützen, da alle abgegebenen Arbeiten bereits als Teil der Endnote gewertet wurden.
Zudem wurden in einigen Fächern Projekte durchgeführt, die man in den recht gut ausgestatteten Laboren bearbeiten konnte. Das führte dazu, dass man während des Semesters mehr beschäftigt war, als man es vielleicht von zuhause kannte. Als Arbeitsplatz zum Erledigen der Aufgaben eignete sich besonders gut die Library, da dort eine Menge Schreibtische, aber auch viele sehr gut ausgestattete PC-Pools zur Verfügung standen. Wer absolute Stille beim Lernen bevorzugte, konnte auf dem "Quiet Floor" in aller Ruhe studieren.

Trotz des hohen Zeitaufwandes zum Studieren, blieb unter der Woche immer noch Zeit für Sport oder sonstige abendliche Aktivitäten. Die relativ kleine Stadt Cookeville mit gut 30.000 Einwohnern bot aufgrund der hohen Studierendenrate viele verschiedene Bars und Restaurants, die mit ihren Studentenspecials Getränke und Speisen zu erschwinglichen Preisen anboten. Schnell lernte ich neben den vielen internationalen Studenten auch Einheimische kennen, die sich als überaus offen, freundlich und hilfsbereit erwiesen. So wurde man am Wochenende gerne eingeladen, um mit Freunden ein bisschen Zeit zu verbringen oder einige der vielen wunderschönen Wasserfälle und State Parks in der Umgebung (Cummins Falls, Burgess Falls, Rock Island, etc.) zu besichtigen.
Langweilig wurde es nie!
Auch meine Unterkunft (Ms Cooper/Pinkerton) bot immer wieder interessante Aktionen an. Als Highlight ist hier sicherlich die Fahrt nach Gatlinburg in den Smokey Mountains zu nennen, wo wir "Internationals" mit amerikanischen Studenten der TTU gemeinsam ein Wochenende verbrachten. Während des Semesters bestand durch die verlängerten Wochenenden "Fall Break" und "Thanksgiving Break" die Möglichkeit, mehr von den Südstaaten zu sehen. So konnte man zum Beispiel umliegende Städte wie Nashville, Chattanooga oder Knoxville besichtigen, einen Road Trip nach Atlanta unternehmen oder mit dem Flugzeug Chicago oder New York besichtigen.

So schön das Auslandssemester anfing, so schnell ging es auch wieder vorbei. Anfang Dezember endete die Vorlesungszeit und direkt im Anschluss war "Finals Week". Hier musste ich nochmal alles geben, was jedoch relativ leicht fiel, da ich durch die vielen Tests und Hausaufgaben während des Semesters schon gut vorbereitet war. Zudem floss die Note des Final Exams nur noch zu ca. einem Drittel in die Endnote ein.
Mit dem Ende der Finals Week war dann auch das Semester vorbei. Etwa eine Woche später wurden die Endnoten bekanntgegeben. Dies geschah online, sodass man nicht mehr vor Ort sein musste, sondern die verbleibende Zeit in den Staaten zum rumreisen nutzen konnte. Es hieß also: Abschied nehmen von der TTU, Abschied nehmen von all den vielen großartigen Freundschaften aus aller Welt, die sich innerhalb der letzten vier Monate entwickelt hatten.

Im Herbst/Winter 2014 studierte ich für ein Semester an der Tennessee Tech University. Was ich davon mitgenommen habe, lässt sich kaum in Worte fassen. Neben neu erlerntem Fachwissen, verbesserten Englischkenntnissen, sozialen Skills, interessanten Einblicken in fremde Kulturen und dem Erlebnis, das Studium und die Lehre mit anderen Augen zu sehen, haben großartige Erfahrungen mein Leben geprägt. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt und enge Freundschaften aufgebaut, die hoffentlich noch viele Jahre bestehen werden.

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