David Krahe - California State University Long Beach

Surfen in Huntington Beach (Bild: David Krahe)

Long Beach, Kalifornien, USA - 2018


Einleitung

Der folgende Bericht liefert einen Überblick meines Auslandssemesters an der California State University Long Beach "CSULB". Hierbei gehe ich verstärkt auf das Studium im Schwerpunkt der Universität und des Bildungssystems sowie auf die Wohnsituation ein. Auf das Leben außerhalb des Studiums werde ich nur verkürzt berichten.

Studium

An der California State University Long Beach zu studieren ist eine Erfahrung für sich. Der riesige Campus und das US-amerikanische Bildungssystem vermitteln völlig neue Perspektiven auf das eigene Studium.

Universität/Campus
Der Campus in Long Beach hat sehr viel zu bieten. Neben den Vorlesungssälen und Arbeitsräumen finden sich etliche Aufenthalts- und Freizeitbereiche. Der Campus wirkt wie eine kleine Ortschaft mit kleinen Kiosks, Flohmärkten, Restaurants (überwiegend Fastfood), Bookstores, einem gigantischen Fitnessstudio mit Pool (auch Whirlpool), Beachvolleyballplatz, integrierter Kletterhalle und Sportplätzen aller Art. Sogar ein Bereich mit Billardtischen, Bowlingbahnen, Videospielen und Fernsehern zum Abspannen fehlt nicht. Die riesige mehrstöckige Bibliothek bietet ausreichend Raum zum Lernen und gibt in den Klausurenphasen ab 23 Uhr kostenlosen Kaffee aus dem integrierten Starbucks heraus. Der Campus ist so imposant ausgestattet, dass man beinahe vergisst, dass man sich auf Universitätsgelände befindet und vermittelt eine heimische und wohlige Atmosphäre.
Zudem hat man die Möglichkeit Clubs und Verbindungen beizutreten. Dazu gibt es mehrfach Vorstellungstage, bei welchen man Einblicke zu allen Möglichkeiten bekommt und die Clubs sich breit aufgestellt präsentieren. Dabei ist zu beachten, dass man in der Regel einen kleinen bis beachtlichen Beitrag zu zahlen hat. Vor allem bei den Verbindungen (Fraternities/Sororities) wird man darauf nicht sofort aufmerksam.
"Volunteering" ist eine große Sache in den USA. Die Universität unterstützt viele Projekte dieser Art und man findet jederzeit die Möglichkeit, ehrenamtliche Arbeit in allen Formen zu leisten. Dies sollte man auf alle Fälle ausprobieren und zum Beispiel zu einem "Beach Clean-up" gehen.
Veranstaltungen auf dem Campusgelände kommen nicht zu knapp. Es ist jederzeit damit zu rechnen, dass der Campus von einem auf den nächsten Tag in ein riesiges Kirmesgelände verwandelt wird. Außerdem werden regelmäßig kleinere Stände aufgebaut wo man ständig Kleinigkeiten gewinnen oder sich irgendwo registrieren kann.

Bildungssystem
Stellt man sich auf nur eine Klausur am Ende des Semesters ein liegt man an der CSULB falsch. Hier erfährt man ein ganz neues Lernerlebnis.
Das -etwas gewöhnungsbedürftige- Bildungssystem zwingt den Studenten ständig am Ball zu bleiben. Dafür wird mit regelmäßigen Hausaufgaben (in der Regel nach jeder Vorlesung), Projekten, Präsentationen, kleineren Ausarbeitungen, Midterms (Zwischenprüfungen) und den letztendlichen "Finals" gesorgt. Die viele Arbeit und ständigen kleinen Aufgaben halten einen zwar durchgehend beschäftigt, lassen sich jedoch gut lösen und sind vom Schwierigkeitsgrad meist eher leicht gehalten. Der zeitliche Aufwand ist wesentlich höher als ich es von Deutschland gewohnt bin. Dennoch findet man durch die vielen Projekte und Gruppenarbeiten viele neue Bekanntschaften und Freunde.
Die Universität bietet eine riesige Modulauswahl! Hier sollte man sich als internationaler Student in vollen Zügen austoben. Persönlicher Tipp: Neben den fachlich notwendigen Fächer sollte man auf jeden Fall 1-2 fachfremde Module auswählen. Hierbei spreche ich von Modulen in denen man sich sportlich, kreativ oder anderweitig entfalten kann (beispielsweise mit Surfen, Kunst, Tanz, Musik, Schauspiel, etc.). Der Kreativität sind hierbei kaum Grenzen gesetzt.
Zudem ist bei der Modulauswahl höchste Vorsicht geboten. Im Regelfall wählt man seine Fächer im Voraus aus. Man sollte sich bei der Absprache zur Anerkennung mit dem zuständigen Betreuer/Professor unbedingt mehr Module als benötigt verifizieren lassen denn: oft sind Module weit aufwendiger als erwartet, werden nicht gehalten oder fordern besondere Beschaffungen, welche sehr teuer sein können. Um nicht unwissend in eine dieser Fallen zu laufen kann man Kurse "Crashen". Dies empfehle ich sehr, da ich mir erst nachdem ich die ersten Vorlesungen eines jeden Moduls angehört habe ein genaueres Bild machen konnte was mich erwartet, wie hoch der zeitliche und finanzielle Aufwand ist, und ob mir dieses Modul überhaupt gefällt.
Das Lehrmaterial sorgt nicht selten für Staunen, da es sehr teuer sein kann. Die meisten Module fordern Anschaffungen von Büchern und/oder Software (manchmal sogar Hardware -> iClicker, Microcontroller, etc.). Pro Buch oder Software ist hier gut und gerne mal mit einem Betrag von 100 - 200$ zu rechnen. Um an dieser Stelle etwas zu sparen gibt es die Möglichkeit, gebrauchte Artikel zu kaufen. Diese sind zum Beispiel über die Facebookgruppe „CSULB Book Exchange“ zu finden.

Wohnen

In Long Beach lebt es sich ausgezeichnet. Die Stadt ist sehr schön und hat einiges zu bieten. Wie der Name bereits sagt hat Long Beach große Strände. Diese sind zwar nicht die schönsten der Welt, jedoch hat es etwas so nah am Strand zu leben, und sehr schöne Strandlandschaften sind schon in 20 Minuten z.B. in Huntington Beach mit dem Auto zu erreichen. Das öffentliche Verkehrssystem funktioniert sehr gut, weshalb man wunderbar ohne Auto in Long Beach zurechtkommen kann, und Supermärkte wie auch alle sonstigen Geschäfte haben bis spät in die Nacht geöffnet.
Die Wohnungsfindung allerdings ist kein leichter Prozess. Hier gilt "Der frühe Vogel fängt den Wurm". Je eher man anfängt desto besser sind die Chancen eine schöne und preiswerte Wohnung zu finden. Hierbei helfen Facebookgruppen wie "CSULB Roommate Finder". Gute Wohnmöglichkeiten bieten Apartmentkomplexe wie zum Beispiel "Beverly Plaza Apartments", "Park Avenue Apartments" und "Alvista Apartments". Diese Einrichtungen sind meist von Studenten der CSULB besetzt und bieten alles was man zum Leben braucht. Die Studentenwohnheime der Universität hingegen sind nicht zu empfehlen, da sie sehr teuer und ungemütlich sind. Außerdem wird dort um 22 Uhr die Nachtruhe eingeleitet und tatsächlich sehr streng bewacht, was ja wohl eindeutig nicht Sinn der Sache ist. Möchte man dennoch in die Dorms, muss man sich auch dort sehr früh bewerben um einen Platz zu bekommen.

Unterkunft (Beverly Plaza Apartments)
Sollte man vor Antritt der Reise noch keine Wohnung gefunden haben ist der beste Ort für eine schnelle Wohnung eine der oben genannten Apartmentkomplexe, da hier oft nach Mitbewohnern (via CSULB Roommate Finder) gesucht wird. Hier bin auch ich untergekommen.
Beverly Plaza ist hier im Vergleich die beste Auswahl. Die Umstände dort sind am schönsten und die meisten "studentischen Aktivitäten" wurden dort vorgenommen.
Dieser Apartmentkomplex ist ein Paradies für Studenten. Da ich mich an dieser Stelle sehr lange aufhalten könnte, folgt nun eine Liste, die die Wohnsituation gut beschreibt:
- Zentrale Lage mit Shuttlebus Haltestelle direkt zum Campus (10 Minuten Fahrtzeit)
- Wunderschöne Wohnungen in verschiedenen Größen
- Sehr viele nette Nachbarn (überwiegend Studenten oder junge Menschen)
- Saubere Wege und Umgebung
- Mehrere Pools im Schwimmbadstil (inkl. Whirlpool)
- Internes Fitnessstudio
- Großes Clubhaus mit Fernseher
- Viele Studentenpartys
- Supermärkte und Restaurants in unmittelbarer Nähe (3 Minuten Fußweg zur Circle Area)
- Und zu guter Letzt: Palmen soweit das Auge reicht

Allerdings muss es dazu auch eine Schattenseite geben. Selbstverständlich sind die Preise sehr hoch (ca. 600-700$ pro Monat im geteilten Zimmer). Die Wohnungen sind mit Ausnahme der Küche nicht eingerichtet. Um Möbel, Geschirr, etc. muss man sich selbst kümmern. Hierbei kann man mit Craigslist auf Gebrauchtes setzen oder sich alles neu kaufen. Die Zimmer werden üblicherweise geteilt, was bedeutet, dass man zu zweit in einem Zimmer schläft. Das ist in Long Beach sehr üblich und wird von beinahe allen Studenten so gehandabt, da sich kaum jemand einen „private room“ leisten kann. Auch die Verpflegung ist leider sehr teuer in Kalifornien. In den Supermärkten erlebt man zunächst einen unerwarteten Schock, da man wohl vermutlich mit günstigeren Preisen gerechnet hat.

Freizeit/Aktivitäten

Freizeittechnisch ist Long Beach der perfekte Ort. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und bei einer gerissenen Modulwahl lässt sich Studium und Freizeit sogar koppeln, indem man Module wie beispielsweise Surfen wählt.

Roadtrips
Kalifornien besteht aus unzähligen wunderschönen Orten, Städten und Sehenswürdigkeiten, welche mit kleinen Roadtrips erreichbar sind. Das einzige was man braucht ist ein Auto. Hier kann ich die App "Turo" empfehlen, welche nach dem Prinzip von Airbnb funktioniert. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich lohnt die Versicherung immer dazu zu buchen. Alternativ ist man auch gut und sehr günstig mit Flixbus, Megabus oder Greyhound unterwegs.
Schnell erreichbare Orte sind zum Beispiel:
- San Diego
- San Francisco
- Las Vegas
- Grand Canyon
- Laguna Beach
- Santa Barbara
- Malibu
- Silicon Valley
- Mexico
- Yosemite National Park
- Joshua Tree national Park
- und viele weitere.

Lokale Aktivitäten
Long Beach zu erkunden lohnt sich. Kleine Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel "RMS Queen Mary" besiegeln den Charme der kleinen Stadt. Zudem finden sich in Long Beach einige kleine Bars und ein Club. Möchte man etwas weiter hinaus, gibt es ca. 20 Minuten entfernt in Huntington Beach sehr gute Bars und Clubs. Dort findet sich für jeden eine geeignete Lokalität. Die unmittelbare Nähe zu Los Angeles ist ein weiterer Pluspunkt für Long Beach. Feiern in Hollywood sollte auf keiner To-Do-Liste fehlen.

Zusammenfassung

Ich hatte eine großartige Zeit in Kalifornien und habe das Leben eines klassischen Studenten Kaliforniens kennengelernt. Die Universität hat alles Nötige und mehr geboten. Ich habe dank der großen Modulauswahl sehr interessante Fächer belegt und fachlich viel Neues gelernt. Dank der guten Lage mitten im Westen der USA habe ich unzählige schöne Orte besucht und erkundet.

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