Moritz Falkenstein - Swinburne University of Technology

Campus Gelände der Swinburne University of Technology in Melbourne, Australien (Bild: Moritz Falkenstein)

Melbourne, Victoria, Australien - 2012


Schon seit dem ersten Semester beabsichtigte ich, einen Teil meines Studiums im Ausland zu verbringen. Dieses Ziel verwirklichte ich bereits im Jahr 2010, als ich 5 Monate an der Universidade Federal do Ceara in Fortaleza, Brasilien studierte. Während dieser Zeit sammelte ich reichlich neue Erfahrungen. Ich lernte eine völlig neue Kultur kennen, machte viele neue Bekanntschaften und hatte einfach eine "super Zeit".

Entscheidung für Australien

All die positiven Aspekte, die ich in Brasilien gewann, motivierten mich für ein weiteres Semester in der Ferne. Bei einer Informationsveranstaltung im Rahmen des Bachelor Plus Programmes erfuhr ich über das Austauschprogramm, das eine finanzielle Unterstützung vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) beinhaltet, sowie eine große Auswahl von Partneruniversitäten. Meine Entscheidung fiel diesmal auf ein englischsprachiges Land auf der anderen Seite der Erde. Ich beschloss mich für die Swinburne University of Technology in Melbourne, Australien zu bewerben. Nach einem erfolgreichen Bewerbungsprozess und der Zusage auf finanzielle Unterstützung für meinen Wunschort Melbourne, war die Freude groß. Allerdings begannen damit die lästigen und teilweise "nervenraubenden" bürokratischen Verpflichtungen, wie die Einschreibung, die Beantragung des Studentenvisums, Antrag auf Auslandsbafög stellen, um nur einige zu nennen.

Sprachkenntnisse erwünscht

Zusätzlich wird von der Swinburne University ein gewisser Englisch Kenntnisstand vorausgesetzt. Allerdings ist hier die Aufnahmevoraussetzung relativ leicht zu erfüllen. Es genügt bereits der Nachweis der erzielten Englischleistung der weiterführenden Schule, die vor dem Studium besucht wurde. Allerdings sind hierfür sieben Notenpunkte beim Abitur bzw. die Note befriedigend beim Fachabitur notwendig. Falls dieses Ergebnis beim Schulabschluss nicht erreicht wurde, muss ein Sprachtest beim DAAD absolviert werden, der aber von Kommilitonen als "machbar" beschrieben wurde. Neben meinen regulären Vorlesungen besuchte ich einen Englischsprachkurs im Sprachlernzentrum der FH Köln und ein interkulturelles Training in Form zweier Seminare beim ZaQwW. Der Sprachkurs und die zwei Seminare dienten als Vorbereitung für den Auslandsaufenthalt sowie als Auflage des Bachelor Plus Programmes.

Das Abenteuer beginnt

Am 24. Februar 2012 begann mein Abenteuer "Down Under". Trotz einschlägiger Auslandserfahrung war eine gewisse Unsicherheit merklich spürbar. Während ich noch im Jahr 2010 mit vier Kommilitonen zusammen den Brasilientrip startete, war ich diesmal auf mich allein gestellt. Doch nach 26-stündiger Reise (20 davon im Flieger), entschädigte mich der Jahreszeiten Sprung vom deutschen Winter in den australischen Sommer. Ich war angekommen!

Unterkunft und erste Tage an der Uni

Viel Zeit zum Eingewöhnen blieb mir nicht. Ein Tag nach der Ankunft auf dem fünften Kontinent begannen bereits erste Veranstaltungen an der Universität. Das Semester startet mit der sogenannten Orientierungswoche, die vollgespickt ist mit Informationsveranstaltungen, Campusführungen, Tagesausflügen zu naheliegenden Sehenswürdigkeiten und Stadtrundgängen. Dieses Programm ist überaus hilfreich um erste Kontakte zu knüpfen und die Umgebung, bzw. City kennenzulernen.

Nach all den Informationen und neuen Eindrücken begab ich mich auf Wohnungssuche. Erste Versuche eine Unterkunft von Deutschland aus zu finden waren komplett erfolglos. Schriftliche Anfragen blieben grundsätzlich unbeantwortet. Um passende Anzeigen zu finden, ist die Website http://www.gumtree.com.au sehr von Vorteil. Generell ist die Website überaus hilfreich in allen Belangen. Einerseits kann man Wohnungsanzeigen und Stellenangebote finden, andererseits nutzen die "Aussies" die Seite um alles Erdenkliche zu ergattern oder zu verscherbeln, wie z.B. Autos, Elektronikartikel, Klamotten etc. Schlussendlich wurde ich über diese Website auch fündig. Ich bezog ein Zimmer, welches einen zehnminütigen Fußweg vom Campus entfernt lag. Die Eigentümer des Hauses kamen aus Vietnam und betrieben eine eigene Pizzeria im Erdgeschoss des Hauses. Dementsprechend war mein Hauptnahrungsmittel während des Semesters Pizza, was mich aber nicht weiter störte.
Alternativ gibt es auch Studentenwohnheime auf und in der Nähe des Campus, allerdings sind hier Mieten nicht mit denen des Kölner Studentenwerkes zu vergleichen. Um ein Beispiel zu nennen: Das günstigste Zimmer in einer vierer Wohngemeinschaft lag bei AU$230 (ca. 190€) pro Woche!!

Unterricht

Nach der Orientierungswoche ging es sofort mit den regulären Vorlesungen los. Da ich Elektrotechnik studiere entschied ich mich für die drei Module Control & Automation (Regelungstechnik), Photonics and Fibre Optics und Engineering Management. Der australische Universitätsablauf ist nicht so wie wir ihn kennen. Insbesondere die Semesterzeiträume verteilen sich anderes. Das Semester 1 (bei uns das Wintersemester) beginnt im Februar/März und endet im Juni. Vom August bis Dezember läuft dann das Semester 2. Pro Semester dürfen maximal vier Fächer belegt werden, die jeweils mit 12,5 Credit Points honoriert werden. Nach transferieren der Fächer ins deutsche Hochschulsystem erhält man 7.5 Credit Points pro Modul.

Ein weiter wesentlicher Unterschied besteht in der Vergabe der Noten. Während in Deutschland die Noten häufig aus nur einer erbrachten Leistung (Klausuren am Ende des Semesters) zu Stande kommen, entstehen die Noten in Australien aus vielen Teilleistungen. Hier fließen Laborberichte, Hausarbeiten, eine Klausur und Präsentationen in die Endnote. Als Beispiel kann ich das Fach Engineering Management nennen. Hier werden die Teilleistungen folgendermaßen gewichtet:
- 40 Prozent Klausur
- 40 Prozent Projektarbeit (Bericht + Präsentation)
- 10 Prozent Feedbacktest
- 10 Prozent Minor Activities (zu Deutsch: kleinere Aufgaben)

Der Feedbacktest fand in der dritten Vorlesungswoche statt und beinhaltete nur Unterrichtsstoff aus den ersten beiden Wochen. Bei den Minor Activities handelt es sich um ein Aufgabenblatt, dass wöchentlich in der Vorlesung ausgehändigt wird. Die Aufgaben beziehen sich auf die aktuelle Vorlesung, wodurch der behandelte Vorlesungsinhalt noch mal verfestigt wird. Das hat zur Folge, dass der Arbeitsaufwand im Semester etwas umfangreicher ausfällt. Auch das Verfassen von Laborberichten auf Englisch fiel zu Beginn sehr schwer. Jedoch erhielt ich Unterstützung von Kommilitonen, die mit mir in derselben Praktikumsgruppe waren. Die australischen Kommilitonen waren grundsätzlich sehr hilfsbereit und offen. So wurden meine geschrieben Texte vor Abgabe Korrektur gelesen und ausgebessert. Ebenfalls sehr locker war das Verhältnis zu den Professoren, die grundsätzlich nur mit Vornamen angesprochen wurden.

Ausstattung und studentische Leben

Besonders beeindruckt haben mich die modernen Ausstattungen und Einrichtungen der Swinburne University. Die Hörsäle waren in einem Topzustand, versehen mit Videoprojektoren, mehreren Leinwänden und Tafeln sowie einem Aufnahmegeräte, das den Vortrag des Dozenten aufnimmt. Die Aufzeichnungen stehen kurz nach Vorlesungsende für die Studierenden auf dem Portal Blackboard (ähnlich wie Ilias, nur um einiges übersichtlicher) zur Verfügung. Blackboard wird von allen Professoren genutzt, um Materialen zu Vorlesungen, Übungen, Praktika bereitzustellen.

Die Bibliothek ist mit einem riesigen Kontingent aus Lehrbüchern, Zeitschriften und Publikationen ausgestattet. In den fünf Stockwerken befinden sich etliche PC Pools und Arbeitsplätze. Die Öffnungszeiten sind dieselben wie im McFit, bedeutet, man hat rund um die Uhr Zutritt. Das zentrale Gebäude auf dem Campus, genannt George Building, benannt nach dem Gründer der Swinburne University, verfügt im Erdgeschoss über einen großen Saal, in dem regelmäßig Studentenparties gefeiert werden. Über die weiteren Etagen erstrecken sich das Career Center sowie eine Arztpraxis für erkrankte Studenten!

Im George Building befindet sich auch die Studentenorganisation SSAA (Swinburne Student Amenities Association). Die SSAA veranstaltet regelmäßige Events, die sehr preiswert sind und besonders von internationalen Studenten gerne angenommen werden. Neben Fußballturnieren, einem Wochenendtrip auf die beliebte Insel Philip Island, Mottoparties und Shoot Outs auf dem Paintballfeld, hat mir besonders gefallen der Besuch eines Australian Football Spieles. Australian Football (oder einfach nur Footy genannt) ist eine Kombination aus Fußball und Rugby und ist der populärste Sport in Australien. Die Attraktivität des Spiels entsteht durch das hohe Tempo und die hohe Anzahl der erzielten Punkte pro Austragung. Die Spiele werden im MCG Stadion ausgetragen, das mit einer Zuschauerkapazität von 100.000 Sitzplätzen zur zehntgrößten Arena der Welt gehört. Die Auslastung der Arena ist ziemlich hoch, da alleine in Melbourne neun Profiteams beheimatet sind. Deshalb existieren noch zusätzlich Stadien in ähnlichen Größenmaßstäben des MCGs in der mit 3,5 Millionen Einwohnern besiedelten Metropole.

Kosten

Natürlich hat die hochwertige Ausstattung der Swinburne University auch ihren Preis. Die Semesterbeiträge für Austauschstudenten belaufen sich auf unglaubliche 7000€ pro Semester. Hinzu kommen die nicht gerade billigen Lebenshaltungskosten. Preise für Lebensmittel und Mieten sind um einiges höher als in Deutschland. Zusätzlich entstehen weitere Kosten durch die Auslandskrankenversicherung und die Beantragung des Visums. Allerdings hat man durch das Studentenvisum die Möglichkeit bis zu 20 Stunden die Woche zu arbeiten. Die Löhne fallen angesichts der beachtlichen Lebenshaltungskosten hoch aus. Der Mindestlohn pro Stunde beträgt fast AU$16 (~12,50 Euro). Doch es gibt auch viele kostenlose Einrichtungen in Australien, wie z.B. die Public Barbecue Stations. Hierbei handelt es sich um überdachte Grillplätze, die für jeden zugänglich sind. Per Knopfdruck wird die Grillfläche mit Elektroheizstäben erhitzt. Diese beliebten Grillplätze sind zahlreich in Parks und an Stränden zu finden und werden sehr gern von einheimischen Familien, Studenten und Touristen angenommen.

Finanzielle Förderung

Da auch Auslandssemester durch Stipendien gefördert werden, empfiehlt es sich, hiernach Ausschau zu halten. Das International Office der FH Köln kann hierbei informieren über mögliche Stiftungen und Stipendien. Für genauere Informationen über Angebote und Anrechnungen von Modulen, Anmeldeformalitäten und sonstigen Fragen zur Swinburne University, ist Herr Professor Bartz der richtige Ansprechpartner.

Nach dem erfolgreichen Abschließen des Semesters und einer wunderbaren Zeit in Melbourne folgte ein weiterer Höhepunkt meines Auslandssemesters: Die australische Ostküste. Die Ostküste ist eine sehr beliebte Reiseroute bei Touristen bzw. Rucksacktouristen (Backpacker). Neben den Großstädten Sydney und Brisbane, und der australischen Hauptstadt Canberra, sind endlose Traumstrände sowie das einzigartige Great Barrier Reef ein Muss.

Fazit

Australien war für mich eine phantastische Erfahrung und persönliche Bereicherung. Die offene, aufgeschlossene und positive Lebenseinstellung der Australier hat mich immer wieder fasziniert und auch die Tatsache, Australien nicht nur als Tourist kennengelernt zu haben, hat zu engen Kontakten im Alltagsleben geführt sowie zu einer enormen Steigerung der Englischkenntnisse. Jeder der die Chance erhält im Ausland zu studieren, sollte diese Gelegenheit nutzen. Auch wenn immer etwas Mut dazu gehört und die Ungewissheit, was einen erwartet. Ich persönlich bin überaus froh, diese Möglichkeit wahrgenommen zu haben.

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