Wir trauern um Prof. Dr. Robert Fuchs
11. November 1949 – 27. August 2026
Ein Nachruf
(Bild: Thomas Klinke)
In tiefer Trauer gedenken wir unseres ehemaligen Kollegen und Lehrers Prof. Dr. Robert Fuchs.
Am 27. August 2026 ist er nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben.
Gleichermaßen fasziniert von den Naturwissenschaften wie von alten Kulturen studierte er in Tübingen Chemie und Ägyptologie. Die Begegnung mit dem Kunsthistoriker Heinz Roosen-Runge weckte seine Begeisterung für die Buchmalerei und lenkte zugleich seinen Blick auf deren Fragilität.
Roosen-Runge, ein Pionier der maltechnischen Untersuchung mittelalterlicher Buchmalerei, hatte die Methode der quellenbasierten Rekonstruktion von Farbmitteln als visuelle Referenzen entwickelt. Für die Fragen der Konservierung schien ihm aber eine präzisere naturwissenschaftliche Analytik notwendig, wobei den jeweiligen Originalen aber keinesfalls Proben entnommen werden sollten – ein Anfang der 1980er Jahre außergewöhnlicher Ansatz. Und genau die passende Herausforderung für Robert Fuchs, der voller Ideen nach technischen Lösungen suchte. Gemeinsam mit Heinz Roosen-Runge konzipierte er ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das den geisteswissenschaftlichen Ansatz von Quellenkritik und Rekonstruktion mit innovativer naturwissenschaftlicher Analytik verband. Ein Projekt, das zudem mit der Erforschung von Alterungsprozessen und Materialveränderungen dezidiert konservatorische Probleme in den Blick nahm. Die nach dem Tod Roosen-Runges 1984 von der DFG zunächst an der Universität Göttingen eingerichtete "Forschungsstelle für Technik mittelalterlicher Buchmalerei" sollte Grundlagenforschung nicht nur für Kunstgeschichte und Kunsttechnologie, sondern auch für die Konservierung und Restaurierung leisten und letztlich die Schriftgutrestaurierung als akademisches Studienfach etablieren.
So lag es nahe, dass die Fachhochschule Köln Robert Fuchs 1989 als Gründungsprofessor für die neu einzurichtende Studienrichtung "Restaurierung und Konservierung von Schriftgut, Graphik und Buchmalerei" berief. Mit viel Energie und Umsicht richtete er die Werkstätten ein und entwickelte ein erstes Curriculum. Hier blieb er nie bei einem einmal erreichten Status quo stehen, sondern setzte sich mit Elan für eine stetige Aktualisierung der Ausstattung ein und beteiligte sich intensiv an den Diskussionen über Studienreformen und Curricula. Besonders die Sicherung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Konservierung und Restaurierung lag ihm am Herzen. Hartnäckig kämpfte er für ein eigenes Promotionsrecht für den Studiengang an der TH Köln. Hier waren die politischen Widerstände zunächst leider noch zu groß. Dennoch hatten die zahlreichen von ihm eingeworbenen Forschungsprojekte und die Fülle seiner Publikationen einen bedeutenden Anteil daran, das Forschungsprofil des CICS zu formen und zu stärken.
Überhaupt war ihm immer an der Entwicklung des gesamten Instituts gelegen, weit über seine Studienrichtung und seine Zeit als Direktor des CICS (2009 – 2015) hinaus. Wenn er Dinge im Institut oder in der Hochschulpolitik voranbringen wollte, konnte er durchaus unbequem und hartnäckig sein. Doch ging es ihm immer um die Sache; er schätzte die Diskussion, das Klären und die Anregung von Themen, um das Fach der Konservierung und Restaurierung weiter voranzubringen. In keiner Weise nachtragend, lag ihm die Einbindung möglichst vieler dabei immer am Herzen.
Die Forschungsinteressen und -gebiete von Robert Fuchs waren vielfältig. Ein wesentlicher Schwerpunkt blieb, neben Konservierungsfragen, die aus der Göttinger Forschungsstelle erwachsene interdisziplinäre Forschung zur Technik mittelalterlicher Buchmalerei. Bei seiner Berufung gelang es ihm, bei der DFG die Übertragung der nach seinen Ideen für die In-situ-Untersuchung von Buchmalerei umgerüsteten Geräte an die (damals noch so benannte) FH zu erreichen – als erstes DFG-Projekt an einer Fachhochschule überhaupt.
Mit großem Elan baute er im CICS ein Labor für die zerstörungsfreie Analyse von Kunstwerken auf, das seitdem beständig erweitert wurde und für die Lehre und Forschung dem gesamten Institut zur Verfügung steht. Er leistete Pionierarbeit bei der Etablierung probefreier Untersuchungsmethoden, vor allem von Buchmalerei und Graphik. Stets auf dem Laufenden über technische Neuerungen erkannte er schnell, wo ein Potential für die kunsttechnologische Forschung vorhanden war und konzipierte Projekte für die anwendungsorientierte Weiterentwicklung. So erzielte er mit dem innovativen Einsatz von Bandpassfiltern wesentliche Fortschritte bei der Sichtbarmachung von Schriften und Unterzeichnungen in der Buchmalerei.
Seinem Enthusiasmus und seiner Beharrlichkeit verdanken das CICS und die Bibliothek der TH Köln den Erwerb der Sammlung Schmuck, die seit 1998 den Grundstock der kunsttechnischen Sammlung des Instituts und der entsprechenden Spezialbibliothek der TH Köln bildet. Es gelang ihm, zunächst Bibliothek und Rektorat der TH Köln, und dann die Kulturstiftung der Länder sowie die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung von der Bedeutung dieser Sammlung für die kunsttechnologische und konservatorische Forschung am CICS zu überzeugen. Mit dem Nachlass Schweppe konnte er kurz darauf ein weiteres großes Konvolut an Materialreferenzen für das Institut sichern. Wohl wissend um die personelle Begrenztheit bei der Sammlungserschließung stellte er unermüdlich Projektanträge, um mit den BMBF-Projekten "Farbaks" und "Weltbunt" zumindest Grundlagen hierfür zu schaffen.
Robert Fuchs war ein leidenschaftlicher und humorvoller Lehrer, der Generationen von Studierenden am CICS geprägt hat, in der Studienrichtung Schriftgut, Graphik und Buchmalerei, sowie darüber hinaus in den übrigen Studienrichtungen durch seine Vorlesungen zur Werkstoffkunde nach historischen Quellen – natürlich immer mit der geliebten ägyptischen Kultur beginnend – zu Klima und Licht oder zu analytischen Methoden.
Großzügig teilte er sein vielfältiges Wissen mit Studierenden, Kollegium oder Forschenden, gleich welcher Fachrichtung, im und außerhalb des Instituts. Fachliche Diskussionen auf unzähligen Tagungen wurden durch initiale Wortbeiträge von Robert Fuchs angestoßen und lebendig gehalten. Ebenso waren die Exkursionen mit ihm immer lebhaft und bereichernd. Auch nach dem Studium unterstützte er gerne ehemalige Studierende mit Rat und Tat. Er war ein Forscher, dessen wissenschaftliche Neugier ansteckend war, der sich aber auch gerne von neuen Themen begeistern ließ und diese offen und auch mit Jüngeren oder Studierenden ohne hierarchische Dünkel auf Augenhöhe diskutierte.
Robert Fuchs war gleichsam ein Archivar des Wissens und der Bilder, baute früh eine eigene umfangreiche Fachbibliothek und ein Bildarchiv auf; Schätze, die er bis zuletzt pflegte.
Sein Ziel war es immer, die Zusammenarbeit zwischen Natur-, Geistes- und Konservierungswissenschaften auszubauen. Dies hat er in zahlreichen Projekten und Arbeiten transparent dargelegt und vermittelt. Fragestellungen zu entwickeln und diese in Projekten interdisziplinär zu bearbeiten und zu publizieren, damit möglichst viele daran teilhaben konnten, entsprach seiner Arbeitsweise, mit der er begeistern konnte.
Auch war er immer an den Menschen interessiert. Als längst etablierter Professor konnte er sich in die Lage befristeter Mitarbeitender einfühlen, kämpfte um die Verlängerung ihres Arbeitsvertrags und versuchte, sie in neuen Anträgen einzubinden. Er hatte stets ein offenes Ohr auch für ehemalige Studierende, die er beispielsweise mit Empfehlungsschreiben unterstützte.
Besonders nahe ging ihm der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln, am 3. März 2009. Unmittelbar nachdem er während einer Tagung in Bamberg davon erfahren hatte, reiste er zurück nach Köln und half fortan unermüdlich bei der Bergung des Archivguts. Bei der weiteren Versorgung der geretteten Schätze nahm er gemeinsam mit den Studierenden des CICS eine unverzichtbare Rolle ein.
Sein Engagement war vielfältig. So war Robert Fuchs jahrelang Vorsitzender des Arbeitskreises Archäometrie, organisierte Tagungen, war als Gutachter für die DFG oder das BMBF tätig. Immer für die Sache kämpfend und viele Menschen dafür gewinnend, sei es in Administration, Selbstverwaltung oder Forschung; er sprühte bis zuletzt vor Ideen, forschte, publizierte schier unermüdlich in den Bereichen Kunsttechnologie, Archäometrie, Konservierung und Restaurierung. Selbst nach seiner Emeritierung konnte er so noch das Projekt "TabulaRasa" mit initiieren. Bis in den Ruhestand blieb er dem Institut eng verbunden. Er freute sich sehr über die Erfolge seiner ehemaligen Studierenden, zu denen er bis zu seinem Tod zahlreiche Kontakte aufrecht hielt.
Robert Fuchs war unverwechselbar.
Wir vermissen ihn sehr.
Für das CICS,
Doris Oltrogge, Friederike Waentig und Thomas Klinke