Kurzfilm Premiere im Studio: Wenn Studierende Regie, Kamera und KI vereinen

Ende des Wintersemesters 2025/26 war es wieder so weit: Im Studio der TH Köln feierten die Kurzfilme des Moduls FPO (Film- und Postproduction) ihre Premiere. 19 Studierende präsentierten am 28. Januar 2026 ihre fertigen Werke einem großem Publikum – das Ergebnis eines außergewöhnlichen Projekts, das weit mehr war als einfach nur das Produzieren eines Kurzfilmes.

Der Hauptdarsteller im Close Up. Der Hauptdarsteller im Close Up. (Bild: TH Köln - Axel Gärtner)

Phase I: Der KI-Film als Blaupause

Schon im Sommersemester 2025 hatten 2 Gruppen des Moduls GM3 dasselbe Drehbuch mit KI-Tools verfilmt. Die Geschichte: Ein Techniker kämpft im Serverraum gegen die Uhr, während eine möglicherweise manipulierte KI ihm widersprüchliche Anweisungen gibt. Eine Gruppe generierten dabei über 1.200 Videoclips – von denen letztlich nur rund 6 % im fertigen Film landeten. Das Fazit: KI liefert beeindruckende Einzelbilder, scheitert aber an Konsistenz, physikalischer Logik und erzählerischem Zusammenhalt. Die Ergebnisse dienten nun als visuelle Referenz für Phase II.

Phase II: Roll Camera: Was KI nicht kann, lernt man nur am Set

Im Modul FPO unter Leitung von Dipl.-Ing. Axel Gärtner wurde dasselbe Drehbuch klassisch umgesetzt. Die entscheidende Frage: Lässt sich die Bildästhetik der KI-Filme unter realen, eingeschränkten Produktionsbedingungen erreichen – oder gar übertreffen?

Ende November 2025 startete eine einwöchige Drehphase an wechselnden Locations. Täglich von morgens bis abends: Aufbau der Sets, Transport des gesamten Equipments, Lichtsetups, Blocking, Directing. Das Besondere war die konsequente Jobrotation – wer heute an der Kamera stand, übernahm morgen die Regie oder schleppte Scheinwerfer. Fehler waren ausdrücklich erlaubt. „Ich sah mich hier nur als Coach und Qualitätscontroller. Spaß stand an erster Stelle", beschreibt Herr Dipl.-Ing. Gärtner seine Rolle. Am letzten Drehtag waren alle 19 Studierenden erschöpft – und stolz.

Die Zahlen sprechen für sich: 247 Clips, 191 Minuten Rohmaterial, ein Drehverhältnis von 27:1 – Werte, die selbst Blockbuster-Produktionen Respekt abringen würden.

Dann begann für jeden individuell die Postproduction. Acht Wochen, ein fertiger Kurzfilm – und niemand war ans Drehbuch gebunden. Viele nutzten diese Freiheit für eigene kreative Wendungen. Die größte Herausforderung: die im Skript geforderte Autoexplosion auf dem Campus. KI, klassisches CGI oder cleverer Schnitt? Einige versuchten KI-generierte Effekte – mit gemischten Ergebnissen nach zahlreichen Prompts.

Fazit: Handwerk schlägt Algorithmus – vorerst

Die Premierenfilme übertrafen die KI-Produktionen deutlich: in Tiefe, Emotionalität und handwerklicher Qualität. Dennoch spielte KI auch hier eine Rolle – etwa bei der computergenerierten Stimme im Film. Das Projekt zeigt: KI ist ein mächtiges Assistenzwerkzeug, das die Filmproduktion verändert. Den klassischen Dreh ersetzen kann sie nicht. Und genau deshalb brauchen Medienstudierende beides – das Handwerk der Kamera und den souveränen Umgang mit Algorithmen.

Kategorie Beschreibung
Studentisches Projekt: Film- und Postproduction – KI und reale Filmproduktion
Fakultät: Fakultät für Informations-, Medien- und Elektrotechnik
Institut: Institut für Medien- und Phototechnik (IMP)
Studiengang: Medientechnik
Zeitraum: Wintersemester 2025 – Sommersemester 2025
Betreut durch: Axel Gärtner
Website: Shortfilm Project 2026 by FPO

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