Reallabor für nachhaltiges Wohnen: Forschung begleitet innovatives Mehrgenerationenprojekt
Wie lassen sich ökologische Bauweisen, ressourcenschonende Gebäudetechnik, Suffizienzstrategien und gemeinschaftliche Wohnformen in der Praxis zusammenführen? Das GreenING Lab untersucht diese Fragestellung im Rahmen eines Bauprojekts in Bergisch Gladbach. Ziel ist es, praxisnahe und übertragbare Erkenntnisse für künftige Wohn- und Bauvorhaben zu gewinnen.
Ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt in Bergisch Gladbach Herkenrath wird derzeit als Reallabor für nachhaltiges, ressourcenschonendes und suffizientes Bauen und Wohnen umgesetzt. Im Zentrum steht die wissenschaftliche Begleitung durch das GreenING Lab der TH Köln, das sowohl die Planungs- und Bauphase als auch die spätere Nutzung systematisch untersucht.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Suffizienzstrategien, die den Ressourcenverbrauch im Alltag gezielt reduzieren. Dazu zählen bewusst kompakt gestaltete private Wohnflächen, die durch gemeinschaftlich genutzte Räume ergänzt werden – etwa für Treffen, Veranstaltungen oder gemeinsames Arbeiten. Auch geteilte Infrastrukturen wie Gemeinschaftsküchen sowie Ansätze gemeinschaftlicher Mobilität, beispielsweise Carsharing, sind Bestandteil des Konzepts. Im Fokus steht damit nicht nur die bauliche und technische Umsetzung, sondern vor allem die Frage, wie nachhaltige Lebensweisen praktisch gestaltet und im Alltag angenommen werden.
Der interdisziplinäre Forschungsansatz umfasst darüber hinaus die Analyse der ökologischen Gesamtbilanz, recyclinggerechte Bau- und Rückbaukonzepte, ressourcenschonende Gebäudetechnik sowie integrierte Wasserlösungen. Letztere beinhalten unter anderem Regenwassernutzung, Ansätze zur Wiederverwendung von Wasser und dezentrale Abwasserbehandlung. Ergänzend werden Begrünungsmaßnahmen untersucht, die sowohl die Biodiversität fördern als auch das lokale Mikroklima verbessern. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Erforschung der Nutzung und Akzeptanz des Wohnkonzepts durch die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner.
Auch baulich setzt das Projekt auf klimaangepasste Lösungen: Die entstehenden Wohneinheiten werden in Holzbauweise errichtet und auf Säulenfundamenten gegründet. Dadurch wird der Eingriff in den Boden minimiert und zugleich ein verbesserter Schutz vor Starkregenereignissen erreicht – ein wichtiger Faktor angesichts der topografischen Lage. Ein integriertes Energie- und Wasserkonzept mit Solarenergie und begrünten Dachflächen ergänzt die nachhaltige Bauweise.
Die wissenschaftliche Arbeit wird durch eine kontinuierliche Dokumentation des Projekts begleitet. Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie für zukünftige Planungs- und Bauprozesse sowie für andere gemeinschaftliche Wohnprojekte nutzbar sind. Das Reallabor fungiert damit als Schnittstelle zwischen Forschung, Praxis und gesellschaftlicher Anwendung.
Initiiert wurde das Projekt von der Christlich-ökologische Wohngemeinschaft CÖW eG, die zugleich Bauherrin ist. Weitere Partner aus Planung und Regionalentwicklung sind beteiligt.
Das Reallabor wird vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gefördert und in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Bauakademie ausgerichtet. Ziel ist es, praxisnahe Erkenntnisse für nachhaltiges, resilientes und suffizientes Wohnen zu gewinnen und für eine breitere Anwendung zugänglich zu machen.
Auf einen Blick
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Forschungsprojekt | Reallabor - Ökologisches, resilientes und suffizientes Mehrgenerationenwohnen |
| Projektleitung | Prof. Dr. Nina Kloster |
| Fakultät | Fakultät für Anlagen-, Energie- und Maschinensysteme |
| Fördermittelgeber | Das Reallabor wird vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gefördert und in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Bauakademie ausgerichtet. |
| Laufzeit | 15.12.2025 bis 31.12.2027 |