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Cologne Institute of Conservation Sciences

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft

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Prof. Dr. Peter Kozub

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Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS)

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Gefasste Terrakotta – Die Plastik der Heiligen Walburga

Die Terrakottaplastik der Heiligen Walburga (Bild: BOMMES, PINKALE 2018)

Für die Terrakottaplastik der Heiligen Walburga soll ein speziell auf das Objekt zugeschnittenes Restaurierungs- und Konservierungskonzept entwickelt werden. Dieses Konzept basiert auf einer genauen Bestands- und Zustandserfassung, sorgfältigen Recherchen sowie diversen wissenschaftlichen Untersuchungen. Alle Ergebnisse werden hierbei sowohl schriftlich, als auch fotografisch dokumentiert.

Auf einen Blick

Kategorie Beschreibung
Forschungsprojekt Plastik der Heiligen Walburga 
Leitung Prof. Dr. Peter Kozub, Niklas Underwood M.A.  
Fakultät Fakultät für Kulturwissenschaften 
Institut CICS - Cologne Institute of Conservation Sciences
Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft 
Beteiligte Kathrin Bommes, Tanja Pinkale 
Projektpartner Katholische Pfarrkirche St. Walburgis, Leubsdorf (Neuwied) 
Laufzeit September 2017 bis Frühjahr 2019 

Vorgehensweise

Die Entwicklung des Restaurierungs- und Konservierungskonzeptes erfolgt in drei Stufen: Anamnese, Diagnose und Therapie.

Bei der Anamnese sind mit Hilfe von umfassenden Literatur- und Quellenrecherchen zunächst wichtige Hintergrundinformationen zur Herkunft, Ikonographie, Materialeigenschaften und zur Wertigkeit des Objektes gesammelt worden. Zudem wird, durch die genaue Betrachtung der Figur, eine detaillierte Bestands- und Zustandserfassung erstellt.

Ziel der Diagnose ist es die genauen Schadensursachen zu klären. Hierfür werden unterschiedliche wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, die nicht nur Aufschluss über die Ursachen geben sollen, sondern auch zu der Entscheidung von geeigneten Maßnahmen beitragen sollen.

Nachdem ein geeignetes Maßnahmenkonzept in Hinsicht auf alle zuvor gewonnenen Erkenntnisse, sowie auf ethische Überlegungen erarbeitet werden konnte, kommt es zur Therapie, also der eigentlichen Durchführung der konservatorischen und restauratorischen Arbeiten.

Historischer Kontext

Die Terrakottafigur der Heiligen Walburga befand sich bis zur Übergabe an die TH Köln in einer Nische an der Westfassade der katholischen Pfarrkirche St. Walburgis in Leubsdorf. Eine genaue Datierung sowie ein Künstler oder eine Manufaktur sind nicht bekannt. Ihren Platz in der Nische der Fassade fand sie nach dem Umbau der Kirche im Jahre 1905/06, wodurch davon ausgegangen wird, dass sie auch in diesem Zeitraum angefertigt wurde. Durch Archivrecherchen konnte herausgefunden werden, dass die Figur bereits einige Male restauriert und in diesem Rahmen auch ihre Farbgestaltung wesentlich verändert worden ist. Genaue Untersuchungen der Stratigraphie, die im nächsten Semester anstehen, sollen weitere Informationen zu früheren Farbfassungen liefern.

Ikonographie

Bei der zu bearbeitenden Plastik handelt es sich um eine Darstellung der Heiligen Walburga. Dies konnte anhand einer ikonographischen Deutung ihrer Attribute ausgemacht werden. Besonders kennzeichnend ist hierbei das Ölfläschchen, welches sich auf einem Buch in ihrer linken Hand befindet. Es handelt sich um ein charakteristisches Merkmal, das sich bei vielen verschiedenen Darstellungen der Heiligen Walburga wiederfinden lässt. Die Art ihrer Kleidung hingegen ist weder in Form, noch in Farbe typisch für den Benediktinerorden, dem sie als Äbtissin angehörte. In Bezug auf die Formgebung wird vermutet, dass die Figur in einer Negativform hergestellt wurde, die Verwendung bei vielen unterschiedlichen Heiligenfiguren fand. Dies war eine übliche Vorgehensweise in größeren Terrakottamanufakturen, bei denen unspezifische Basismodelle erstellt und anschließend mit individualisierenden Attributen ausgestattet wurden.

Materialbestimmung

Bereits zu Beginn der Projektarbeit wurde vermutet, dass es sich bei dem Trägermaterial um Terrakotta handelt. Zu dieser Vermutung führte sowohl die Farbgebung und Beschaffenheit des Materials, als auch die klar zu erkennende Herstellungsweise der Figur. Es handelt sich nämlich um eine allseitig ausgearbeitete Hohlplastik, die in ihrem Inneren Werkzeugspuren aufweist. Diese deuten darauf hin, dass das Rohmaterial Ton  in eine Negativform eingedrückt wurde.

Durch Untersuchungen mittels energiedispersiver Röntgenspektroskopie (EDX) konnte die Vermutung bestätigt und das Trägermaterial eindeutig als Terrakotta identifiziert werden.

Naturwissenschaftliche Untersuchungen

Zur Schadensursachen Ermittlung wurden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, die Aufschluss über die Eigenschaften des Trägermaterials und die Farbfassung sowie deren Zusammenspiel geben sollen.

Vor diesen Untersuchungen musste jedoch zuerst der Standort und die damit verbundenen Umwelteinflüsse auf die Figur betrachtet werden. Hierbei konnten einige kritische Faktoren festgestellt werden. Auf Grund ihrer Aufstellung an der Wetter zugewandten Westfassade war die Figur verschiedenen Wettereinflüssen ausgesetzt. So wurde festgestellt, dass die Sonne besonders in der Mittagszeit auf der Westfassade steht, wodurch hohe Temperaturen auf die Figur einwirken und diese schädigen könnten. Auch direkter Niederschlag in Form von Regen, Hagel und Schnee konnte jahrelang ungehindert auf die Plastik einwirken und somit schädigende Prozesse im Material auslösen.

Um herauszufinden wie stark der Einfluss von Wasser auf die Terrakotta und die Farbfassung ist, wurde ein einfacher Tropfentest durchgeführt. Dabei konnte festgestellt werden, dass das offenliegende Trägermaterial in Bereichen von Fassungsfehlstellen das Wasser stark aufsaugt. Die Farbfassung hingegen scheint wasserundurchlässig zu sein. Diese unterschiedlichen Eigenschaften von Träger und Fassung beeinflussen sich gegenseitig und führen somit zu Schädigungen der gesamten Figur.

Die Gefügestruktur der Terrakotta wurde mit Hilfe des Rasterelektronenmikroskops genauer betrachtet. Durch diese Gefügeanalyse sollen Rückschlüsse auf die Brenntemperatur gezogen werden. Die Ergebnisse führen zu der Vermutung, dass es sich um eine eher niedrig gebrannte Terrakotta handelt, die somit weniger witterungsbeständig ist als Terrakotta die bei hohen Temperaturen gebrannt wurde.

Da an der Figur Salzausblühungen gefunden werden konnten, wurde eine Salzanalyse mittels EDX durchgeführt. Diese ergab, dass es sich bei den Salzkristallen um Magnesiumsulfat handelt. Jedoch geht man von keiner starken Salzbelastung der gesamten Figur aus, da die Salzausblühungen nur sehr vereinzelt an der Plastik beobachtet werden konnten.

Die Studienrichtung Wandmalerei und Kulturgut aus Stein (Bild: CICS)

Die Studienrichtung Wandmalerei und Kulturgut aus Stein

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