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Conservation Sciences

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft
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Entwicklung eines Restaurierungskonzeptes für ein Glasobjekt

mit schwach gebundener Farbschicht von Rebecca Horn

Masterprojekt von Lisa Schiller

Development of a conservation concept for a glass object with a weakly bonded paint layer by Rebecca Horn

Abstract
"LA FERDINANDA (In der Mitte des Ozeans)", a glass object painted in 1981 by Rebecca Horn, can no longer be exhibited due to its current state. Based on studies of the artistic context, of materials used, of the production process and of the current state a conservation concept has been developed. This concept focusses on the consolidation of the weakly bonded paint layer on the glass support. For this purpose extensive tests were carried out and evaluated. The best results were achieved with a consolidating agent based on the organosilicon ORMOCER-G mixed with Paraloid B72, which was applied with a dosing device.

Einleitung

Gegenstand dieser Masterarbeit ist das Glasobjekt "LA FERDINANDA (In der Mitte des Ozeans)" von Rebecca Horn aus dem Jahre 1981. Die gläserne Kastenkonstruktion (69,8 x 99,8 x 16,8 cm) ist im Innern sowohl bemalt als auch beschriftet. Zudem ist hier ein Schwerkraftpendel montiert. Aufgrund seines Erhaltungszustandes ist das Objekt nicht präsentationsfähig. Das Pendel ist herabgefallen und die schwach gebundene Farbschicht löst sich von dem Glasträger.
Das wesentliche Ziel der Arbeit besteht darin, die Präsentationsfähigkeit des Kunstwerkes wieder herzustellen. Um dies zu erreichen, gilt es ein Restaurierungskonzept zu entwickeln. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Konsolidierung der Farbschicht auf dem Glasträger.

Erhaltungszustand

Die Hauptproblematik ist der Haftungsverlust des Farbauftrages, der aus einer Ausmischung von mindestens zwei Farbstoffen besteht. Die Farbstoffteilchen liegen einzeln oder in Agglomeraten und in großen Teilen schwach gebunden vor. Bei mikroskopischer Vergrößerung ist zu erkennen, wie spröde und spannungsreich das Farbmaterial ist; die einzelnen Teilchen bzw. Agglomerate stehen mehr oder weniger senkrecht hoch. Außerdem geraten die Farbstoffteilchen bei der kleinsten mechanischen Beanspruchung in Bewegung. Stellenweise ist es bereits zum Verlust von Farbmaterial gekommen. Die Ursache für das Schadensbild ist der Kohäsionsverlust innerhalb der Farbschicht bzw. zwischen den einzelnen Farbstoffteilchen und der Adhäsionsverlust zwischen Farbauftrag und Glas. Dies wiederum ist die Folge aus dem Mangel an Bindemittel in dem applizierten Farbmaterial. Die Bindemittelarmut des Farbmaterials kann sowohl eine maltechnische oder klimatische Konsequenz sein, als auch aus Abbaureaktionen von bindenden Substanzen resultieren.

Zielsetzung und Anforderungsprofil für die Konsolidierung

Ziel ist es, die strukturelle Festigung innerhalb des Farbauftrages (Kohäsion) sowie die Fixierung dessen auf dem Glasträger (Adhäsion) herzustellen. Zu diesem Zweck wird theoretisch auf die Anforderungen, die sich durch die Materialeigenschaften des Glasträgers und des Farbauftrages ergeben, eingegangen. Außerdem werden Löslichkeitstests mit reinen Lösemitteln, Lösemittelgemischen und Lösemitteln in Form von Dampf und Aerosol durchgeführt. Des Weiteren wird die Qualität der Benetzung verschiedener Lösemittel auf Glas überprüft.

Objektspezifische Auswahlkriterien und Vorauswahl

Anhand des zuvor erstellten Anforderungsprofils können folgende Auswahlkriterien festgelegt

1. Transparenz und Farblosigkeit des Klebemittels (ähnlicher Brechungsindex wie der Glasträger, möglichst lichtstabil),
2. gutes Adhäsionsvermögen zum Glasträger (polares Klebemittel, geringe Oberflächenspannung, gute Benetzung),
3. unpolare Löslichkeit (2,5 P`1 als Richtwert bei Berücksichtigung der Verdunstungseigenschaften, schnell flüchtige polare Lösemittel möglich).

Unter Berücksichtigung der Auswahlkriterien wurde eine Materialvorauswahl getroffen. Die ausgewählten Klebemittel-Lösemittel-Systeme sind in Tabelle 1 aufgelistet.

Zusammenstellung der ausgewählten Klebemittel-Lösemittel-Systeme(Bild: Lisa Schiller)

Technische Prüfung der Vorauswahl

Um die Klebemittel-Lösemittel-Systeme der Vorauswahl auf ihre Anwendbarkeit und Effektivität bei einer Konsolidierungsmaßnahme zu überprüfen, werden verschiedene Versuche durchgeführt.

Festlegung der Applikationstechnik

  • Versuche mit dem Ultraschallvernebler
  • Versuche mit dem BELO Dosiergerät

Untersuchung künstlich gealterter Klebemittelfilme
Die Klebemittel-Lösemittel-Systeme werden in Filmen auf Glasträgern appliziert und im Bewitterungsschrank Global-UV-Testgerät Typ UV 200 der Firma Weiss für 336h unter UV-Strahlung und für 686h unter wechselnden Klimabedingungen gealtert.

Untersuchung der optischen Veränderung
Zum einen gilt es wahrnehmbare Veränderungen der Klebemittelfilme zu untersuchen. Zum anderen sind Farbmessungen mit dem Farbmessgerät Datacolor International durchzuführen anhand derer nach DIN 61675 die Vergilbungszahl der Materialien ermittelt werden kann.

Prüfung des Adhäsionsvermögens
Um das Adhäsionsvermögen zu überprüfen, findet der Gitterschnittprüfer CC 200 der Firma Thermimport Qualitiy Control (TQC) nach DIN ISO 24096 Verwendung. Durch das Einritzen eines Rasters und einen anschließenden Klebebandtest kann das Adhäsionsvermögen der Klebemittelfilme auf dem Glas bewertet werden.

In Tabelle 2 werden die Ergebnisse zusammenfassend aufgeführt.

Abschließende Bewertung nach der technischen Prüfung der Vorauswahl(Bild: Lisa Schiller)

Nach dem Ausschlussverfahren können die Konsolidierungslösungen mit einem rot markierten „X“ ausgeschlossen werden. Im Umkehrschluss stellt Konsolidierungslösung Nr. VI (ORMOCER-G/Paraloid B72) mit einer positiven Bewertung in allen aufgeführten Kategorien die optimale Konsolidierungslösung für die Maßnahme dar. Hinsichtlich der Applikationstechnik bleibt festzuhalten, dass sich das BELO Dosiergerät für die Konsolidierungsmaßnahme eignet.

Konzept für die Konsolidierung

Rezept der Kosolidierungslösung
ORMOCER-G (Ethylacetat : 2- Butoxythanol, 2:1), 80%                  
Paraloid B72, 20%                                                      
2 % in Ethylacetat

Applikationsgerät
Für die Applikation der Konsolidierungslösung wird das BELO Dosiergerät mit einer VIEWEG Dosiernadel (Innendurchmesser 0,11mm) bestückt.

Ablauf

1. Schritt:
Konsolidierung der instabilen Farbbereiche.

2. Schritt:
Niederlegen der aufstehenden Farbstoffteilchen.

3. Schritt:
Kontrolldurchgang, bei dem das Konsolidierungsergebnis an der gesamten Fläche überprüft wird. Gegebenenfalls muss die Konsolidierungslösung ein zweites Mal partiell appliziert werden.

Resümee

Die allgemeine Zielsetzung, ein Maßnahmenkonzept für das Objekt von Rebecca Horn zu entwickeln, konnte erreicht werden. Als Hauptproblematik wurde der schwach gebundene Farbauftrag auf dem Glasträger bzw. dessen Konsolidierung erkannt. Ergebnis dieser Arbeit ist ein geprüftes Konzept hinsichtlich des geeigneten Konsolidierungsmittels sowie der geeigneten Konsolidierungsmethode. Die besten Ergebnisse in allen Kategorien erzielte die Konsolidierungslösung bestehend aus dem als Haftvermittler fungierenden siliziumorganischen ORMOCER-G (Ethylacetat: 2-Butoxythanol, 2:1) und dem Acrylharz Paraloid B72 (80:20) gelöst in dem schnellflüchtigen Lösemittel Ethylacetat (2%). ORMOCER-G kann aufgrund seiner organisch-anorganischen Eigenschaften stabile adhäsive Verbindungen zu anorganischen (Glas) und organischen (Farbauftrag) Materialien ausbilden. Die Applikationsmethode mit dem BELO Dosiergerät ist für die Anwendung an der sehr fragilen Farbschicht geeignet.
Im Anschluss an das MA-Projekt konnte die Konsolidierungsmaßnahme vollständig umgesetzt und die Farbschicht erfolgreich gefestigt werden. Somit können die Untersuchung und das Konzept der Maßnahme als Beispiel für die Bearbeitung vergleichbarer Objekte mit schwach gebundenen polar löslichen Farbschichten auf Glas oder anderen Trägern dienen.

Endnoten

1 Nach Annik Pietsch: Lösemittel. Ein Leitfaden für die restauratorische Praxis. In: VDR Schriftreihe zur Restaurierung. Band 7. Stuttgart 2002. S. 103, 104.

2 Rezeptkonstitution nach DATENBLATT AQUALON 2002, S. 16. ASHLAND www.ashland.com (03.11.2012).

3 Rezept nach DE LA RIE et al. 1990, S. 172. DE LA RIE et al. verwenden Regalrez 1094 der Fa. Hercules und Tinuvin 292 der Fa. HALS. Quelle: Rene de la Rie, Christopher W. McGlinchey: New synthetic resins for picture varnishes. In: IIC Cleaning, Retouching an Coatings. Preprints of the Contributions to the brussels Congress, 3.-7. September 1990. Hrsg.: John S. Mills, Perry Smith. London 1990. S. 168-174.
4 Rezeptkonstitution nach JÄGERS et al. 2000, S. 158. Quelle: Dr. Elisabeth Jägers, Hannelore Römich, Carola Mueller-Weinitschke: Konservierungsmaterialien und Methoden. In: Restaurierung und Konservierung historischer Glasmalereien. Ein Förderprojekt des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Hrsg.: Arnold Wolff. Mainz 2000. Seite 129-166.
5 DIN 6167 Beschreibung der Vergilbung von nahezu weißen oder nahezu  farblosen Materialien (1980-81).
6 DIN ISO 2409 Beschichtungsstoffe – Gitterschnittprüfung (2013).

Materialien und Gerätschaften

Produkt Bezugsquelle/Firma
ORMOCER-G Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC
Neunerplatz 2
Würzburg
BELO Dosiergerät BELO Restaurierungsgeräte GmbH
Wiesenstraße 14
D-79585 Steinen
Dosiernadel Nr. F560016-1/4 Vieweg GmbH
Dosier- und Mischtechnik
Gewerbepark 13
85402 Kranzberg

Betreuung

1. Betreuer: Prof. Dr. Gunnar Heydenreich
2. Betreuer: Silke Zeich

Laufzeit

2012-2013

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