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Prof. Dr. Peter Kozub

Prof. Dr. Peter Kozub

Kulturwissenschaften
Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS)

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Fassadenfiguren der ehemaligen Jesuitenkirche St. Michael Aachen

Zustand der Kirchenfassade vor/um 1916. Foto aus dem Bestand des Stadtarchivs Aachen (Bild: Stadtarchiv Aachen)

Ziel des Praxis-Projektes während des Bachelorstudiums ist die Restaurierung und Konservierung zweier Skulpturen aus dem Besitz des Bistums Aachen. Eingeschlossen wird hierbei die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Objekte, die Erstellung einer Schadens- und Maßnahmenkartierung und die Erarbeitung und Durchführung eines Konservierungs- und Restaurierungskonzepts.

Historischer Kontext

Die Figuren stammen aus der ehemaligen Jesuitenkirche Sankt Michael in Aachen (heute die griechisch-orthodoxe Gemeinde Sankt Dimitrios). Dort waren sie in den Nischen der um 1891 neu entworfenen Fassade angebracht. Etwa um diese Zeit ist wahrscheinlich auch ihr Entstehungsdatum anzusetzen. Insgesamt schmückte die Fassade acht Figuren. Drei dieser Figuren wurden nach der Abnahme nach dem zweiten Weltkrieg von der Gruppe getrennt. Diese drei männlichen Figuren wurden als Igantius von Loyola, Franz Xaver und Aloisius (vermutl. Gonzaga) beschrieben. Im September 2015 befanden sie sich in Verwahrung des Bistums Aachen, von wo aus sie für die Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten in die TH Köln gebracht wurden.

Ikonografie

Bei den Figuren handelt es sich um die Heiligen Ignatius von Loyola, Franz Xaver und Aloisius (Gonzaga). Ignatius und Franz gelten als zwei der insgesamt sieben Gründer des Jesuitenordens. Aloisius trat dem Orden wenig später bei. Die ikonografische Einordnung der Figuren gelang durch Auswertung der zu Verfügung stehenden Quellen, sowie die korrekte Einordnung der spezifischen Kleidung und Attribute der Skulpturen. So wird Ignatius beispielsweise mit dem für ihn typischen Pilgermantel dargestellt.

Gesteinsbestimmung

Die Gesteinsbestimmung erfolgte mit Hilfe der, zur Verfügung stehenden Literatur und der Untersuchung von Gesteinsproben unter dem Rasterelektronenmikroskop. Sie ergab, dass die Figuren aus oolithischem Kalkstein, genauer aus Morley – Kalkstein bestehen. Allgemein wird diese Art des Gesteins als Savonnières Kalkstein betitelt. Dieser Stein zeichnet sich durch seine helle Farbe, Einschlüsse von Muschelschill und seine Homogenität aus, durch die sich das Material besonders gut verarbeiten lässt. Dies hat Savonnières Kalkstein besonders beliebt für die Herstellung von Skulpturen, Ornamenten, Grabmälern und zur Nutzung für Restaurierungsarbeiten gemacht.
Neben den zu bearbeitenden Skulpturen aus Sankt Michael sind beispielsweise auch einige der Figuren des Aachener Doms und des dortigen Rathauses aus Savonnières Kalkstein.

Anamnese und Diagnose

Nachdem der Bestand und Zustand der Figuren in einer detaillierten Kartierung aufgenommen und ein Schadenskatalog angefertigt worden ist, wurde auf Grundlage dessen und der zur Verfügung stehenden Literatur, ein Schadensursachenmodell erstellt. Hierbei wurden gesteinsspezifische Eigenschaften, sowie die Wirkung von Umwelteinflüssen und die Ausbildung der Schadensphänomene miteinbezogen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen, wie beispielsweise eine Untersuchung mittels Rasterelektronenmikroskopie, oder auch die Analyse von Salzen durch eine Ionenchromatografie, bestätigten die aufgestellten Thesen. Demnach treten an den Figuren folgende Schadensphänomene auf: Fehlstellen, Erosion, abschälende Bereiche, Gipskrusten in unterschiedlicher Stärke, Salze (vermutlich Magnesiumsulfat) und biologische Besiedlung in Form von Moosen. Zugleich waren eine Messung des Bohrwiderstands, sowie der kapillaren Wasseraufnahme im Hinblick auf die Maßnahmenplanung notwendig.

Wertigkeiten der Skulpturen

Ein jedes Objekt hat eine gewisse Wertigkeit - sei es ein historischer, künstlerischer oder ästhetischer Wert. Diese Werte bestimmen den Umgang mit dem Objekt und tragen zu der Entscheidung für oder gegen bestimmte Maßnahmen erheblich bei. Die Figuren des Heiligen Ignatius von Loyola und des Franz Xavers haben eine besondere historische Bedeutung für die Stadt Aachen. So stehen sie stellvertretend für die dort 400 Jahre währende Jesuitengeschichte (Stadtbildprägung, Förderung des Bildungssystems in Europa durch die Jesuiten), sowie der Gegenreformation mit dem Einfluss des Jesuitenordens auf die politische und religiöse Geschichte Aachens/Deutschlands. Das Alter der Figuren und das Überdauern des zweiten Weltkrieges zeigt sich an den Spuren, die sie vermutlich von diesem mit davongetragen haben. Kunstgeschichtlich sind sie als Beispiel für die Architektur -und den Kunststil des Historismus bzw. der Neurenaissance zu sehen. Zudem sind sie ikonografisch bedeutsam. So stehen sie für die Darstellungsart von Heiligenfiguren im Historismus/Neurenaissance (Gestik, Mimik, Körperhaltung). Ihre künstlerische Ausführung und Detailwiedergabe hat ästhetischen Wert. Ebenso das Gestaltungskonzept der Fassade: insgesamt fanden in den Nischen, acht Figuren ihren Platz. Somit sind die Figuren Ignatius und Franz Xaver Teil eines Gesamtkunstwerkes. Außerdem bildete die Fassade mit dem ehemals unverwitterten grauen Blaustein, einen Kontrast zu den Figuren aus hellem Morley Kalkstein. Funktionell ist die Fassadengestaltung als Hinweis auf den liturgischen Gebrauch des Gebäudes und den Elementen eines architektonischen Komplexes zu sehen.

Denkmalpflegerische Zielsetzung

Aufbauend auf den Werten und den Ergebnissen der Anamnese der beiden Figuren, wurde eine denkmalpflegerische Zielsetzung für die Restaurierung und Konservierung erarbeitet.

Diese beinhaltet Folgendes: 

  • Zugänglichkeit der Figuren für die Öffentlichkeit
  • das Wiederherstellen einer farblich homogenen Oberfläche um ein würdevolles Aussehen der Figuren zu bewahren
  • die Wiederherstellung der Standsicherheit der Figur Franz Xaver
  • die Reduzierung von Fremdmaterial zur Vorbeugung neuer Schäden

Durch folgende Konservierungs,- Restaurierungs,- und präventive Maßnahmen soll die Zielsetzung erreicht werden:

Konservierungsmaßnahmen:

  • Reinigung von Gipskrusten und biologischer Besiedelung
  • Salzreduktion
  • Festigung der Oberfläche
  • Festigung von Schalen und Randanböschungen
  • Klebungen
  • Austausch von Metallen

Restaurierungsmaßnahmen:

  • Vierungen
  • Ergänzungen

Präventive Maßnahme:

  • Schlämme

Durchführung der Maßnahmen

Als erste Maßnahme findet momentan die Reinigung der Figuren statt. Diese hat zum Ziel Schadstoffablagerungen, die zu chemischen und physikalischen Veränderungen des Gesteins führen (z. B. Gipsbildung) zu reduzieren, die ursprünglichen kapillaren, thermischen und hygrischen Eigenschaften des Gesteins wiederherzustellen und die Skulptur für Folgemaßnahmen, wie z.B. Salzreduktion, Ergänzungen, Festigung, Steinschutz vorzubereiten. Zudem sollen dadurch mögliche bisher nicht erkennbare Schäden aufgedeckt und Stoffe, die als Nahrungsgrundlage für Mikroorganismen dienen könnten, entfernt werden. Die Reinigung beinhaltet eine Trockenreinigung mit Pinsel und Bürsten, die Abnahme der Gipskrusten mit Ionentauscherkompressen und eine Nassreinigung mit Wasserdampf.

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