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Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften

Campus Südstadt
Ubierring 48, 50678 Köln

Anette Kunz

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Angewandte Sozialwissenschaften

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Social Work Education in Europe: towards 2025

EASSW-Konferenz in Mailand diskutiert länderübergreifend Ausbildung der Sozialen Arbeit - Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften mit vier Beiträgen vertreten.

Rund 750 Teilnehmerinnen aus über 40 Ländern versammelten sich vom 29. Juni bis 2. Juli 2015 auf dem Campus der Mailändischen Università degli Studi di Milano-Bicocca, um sich auf der Konferenz der „European Association of Schools of Social Work“ (EASSW) über aktuelle Fragen und Herausforderungen in Studium und Ausbildung der Sozialen Arbeit auszutauschen.

Die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften war mit insgesamt vier Vorträgen gleich mehrfach vertreten und fand mit ihren Inputs breite Resonanz bei den Zuhörer*innen. Melanie Werner und Stefanie Vogt referierten gemeinsam über Inklusion an der Hochschule am Beispiel des „Aktionsleitfadens für eine inklusive Fakultät“ sowie über das Theorie-Praxis-Verhältnis im Studium der Sozialen Arbeit aus Studierendenperspektive. Janine Birwer (ehemals Beier) diskutierte die Bedeutung der Hochschulausbildung für die Gemeinwesenarbeit, und Annika Hoffmann, Yvonne Oerder sowie Esther Schüllenbach-Bülow unterstrichen den Mehrwert studentischer Tutor*innen für den Erfolg projektbasierter Seminare. Die insgesamt rund 300 Vorträge der Konferenz verteilten sich auf 59 verschiedene Themensitzungen, welche vor allem unter die Leitthemen Methoden, Kompetenzen, Kenntnisse, Werte und Normen, Theorie-Praxistransfer, Forschung, internationale Dimensionen und allgemeine Curriculumsentwicklung in der Ausbildung der Sozialen Arbeit gestellt worden waren.

Iain Ferguson und Walter Lorenz über aktuelle Herausforderungen: Der Blick nach vorn „towards 2025“

Zum Abschluss der Konferenz setzten sich Iain Ferguson von der University of the West of Scotland sowie Walter Lorenz, Rektor der Freien Universität Bozen, in ihren Hauptvorträgen mit der zukünftigen Rolle der Sozialen Arbeit und ihrer Ausbildung auseinander. Wesentliche Referenzpunkte beider Sprecher waren dabei unter anderem: der Abbau wohlfahrtstaatlicher Strukturen im Zuge von Neoliberalismus und Globalisierung, das Wiederheraufbeschwören des „Charity“-Gedankens auf Kosten der Sicherung sozialer Rechte, damit verbundene Deprofessionalisierungs- und Vermarktlichungstendenzen in der Sozialen Arbeit sowie das Postulat vieler Politiker von der „Alternativlosigkeit“ im Hinblick auf aktuelle politischen Entscheidungen und die kapitalistische Gesellschaftsordnung.

„Social work is a critical profession or it is nothing“**

Beide Sprecher unterstrichen, dass die Soziale Arbeit und ihre Ausbildung sich nicht für eine neoliberale Politik instrumentalisieren lassen dürften und Soziale Arbeit ihre professionelle Autonomie bewahren müsse. Iain Ferguson setzte sich dabei für eine kritische Neuausrichtung („reconceptualization“) der Sozialen Arbeit im Sinne einer „Radical Social Work“ ein, die sich dem neoliberalen Postulat und Marktprinzip konsequent entgegenstellt („people before profit“). Als ihre grundlegenden Pfeiler nennt er eine radikal-kritische Haltung und die Suche nach neuen Konzepten („no to banking models“), eine klare theoretische Verankerung Sozialer Arbeit („common sense is no substitute“), die Einbeziehung der Sicht der Klient*innen und der Praxis, die Stärkung des Individuums bei gleichzeitiger Entwicklung eines neuen Kollektivismus, sowie den Schulterschluss mit aktuellen sozialen Bewegungen. Letztere böten der Sozialen Arbeit einen wichtigen Anknüpfungspunkt, um im Zuge solidarischer und kollektiver Aktionen gemeinschaftlich gegen soziale Ungerechtigkeit, Armut und Unterdrückung vorzugehen. Als Beispiele solcher Ansätze führte er unter anderem an: das „Social Work Action Network“ (SWAN) in Großbritannien, die „Orange Tide“ in Spanien, die Bewegung für eine „Direct Social Work“ in Slowenien und die erste „Far East Progressive Social Work“-Konferenz in Hongkong (Juni 2015). Seinen kompletten Vortrag stellte er unter den Leitsatz, dass Hoffnung die Angst überwinde („hope over fear“).

„Poverty is not our destiny, and pity is not enough” – “How to make a difference“***

Auch Walter Lorenz hob auf die politische Dimension der Sozialen Arbeit ab und nahm in seinem Vortrag in den Blick, wie Soziale Arbeit (weiterhin) für gesellschaftliche Veränderung sorgen könne („how to make a difference“). Dabei wies er der (Hochschul-)Ausbildung eine grundlegende Bedeutung für soziale Transformationsprozesse zu, solange diese die politischen Implikationen sozialer Arbeit berücksichtige und sich zugunsten alternativer sozialpolitischer Ansätze einbringe. Zusätzlich könne sie im Rahmen von interdisziplinären und partizipativen Forschungsprojekten nach selbst gesetzten Standards und Bedingungen („on our conditions“) neue Akzente bei der Generierung von Wissen setzen. Eine weitere Aufgabe begreift er darin, dem Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung („right to be different“) einerseits und dem Prinzip der Rechtsgleichheit aller Menschen („equal rights“) andererseits erfolgreich zu begegnen. Auch für die Praxis sieht er eine wesentliche Aufgabe darin, mehrschichtige Antworten auf bestehende Spannungen („disjuncture of splits“) in der Sozialen Arbeit zu finden, zum Beispiel in Bezug auf das Paradigma Hilfe vs. Kontrolle oder öffentliche vs. private Aufgabenverteilung. Einen wichtigen Bezugspunkt sieht er zudem in der Geschichte Sozialer Arbeit. So müsse Soziale Arbeit nach Lorenz soziale Probleme mit einer historischen und nicht instrumentellen Perspektive angehen („approach social problems historically not instrumentally“). Zentrales Moment müsse schließlich sein, die „soziale Frage“ in Politik, Wirtschaft, Pädagogik und Ökologie in den Mittelpunkt zu stellen.

EASSW-Vorstandswahlen: Nino Žganec (Kroatien) wird neuer Präsident

Im Rahmen der Konferenz wurden in einer Generalversammlung der Mitgliedshochschulen und -ausbildungseinrichtungen (darunter die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften) auch der EASSW-Vorstand (Executive Committee) inklusive Präsident und Vizepräsident neu gewählt. Die bisherige Präsidentin Sue Lawrence (London Metropolitan University) und Vizepräsident Günther Friesenhahn (Hochschule Koblenz) stellten sich nach mehrjähriger Mitarbeit im EASSW-Vorstand nicht mehr zur Wahl. Als neuer Präsident wurde Nino Žganec (University of Zhagreb, Kroatien) sowie als sein Stellvertreter Vasilios Ioakimidis (Durham University, England) gewählt. Beide waren bereits in den vergangenen Jahren im EASSW-Vorstand aktiv. Alle Mitglieder des insgesamt 15-köpfigen Exekutiv-Komitees kommen aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Derzeit sind vertreten: Bosnien und Herzegovina, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Niederlande, Portugal, Schweden, Spanien und die Türkei. Als neues Mitglied aus Deutschland wurde Marion Laging (Hochschule Esslingen, Prodekanin der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege) in Mailand in den EASSW-Vorstand gewählt.

Weitere Informationen zur Konferenz und die Präsentationen der Vortragenden sind online abrufbar unter: http://eassw.org/


** „Soziale Arbeit ist eine kritische Profession oder sie ist nichts“

*** „Armut ist nicht unser Schicksal, und Mitleid ist nicht genug“ – „Wie es gelingt, einen Unterschied zu machen/ Veränderungen zu bewirken“

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