Gerecht oder unsolidarisch?

Professor Müller Peters, Wolfgang Weiler, Carola Ferstl, Hermann-Josef Tenhagen, Professor Wagner (Bild: Goslar Institut)

Aktuelle Studie zur Bewertung und Akzeptanz telematik-basierter Versicherungstarife, vorgestellt von Prof. Horst Müller-Peters (TH Köln) und Prof. Dr. Fred Wagner (Universität Leipzig)

Die Vernetzung von Kraftfahrzeugen verändert nicht nur die Technik des Autofahrens, sondern auch die Autoversicherung. Durch Telematik-basierte Tarife wird Kfz-Versicherung nicht mehr alleine durch Merkmale des Kfz, des Halters oder der Mitfahrer tarifiert, sondern auch nach tatsächlich gemessenem Umfang (pay as you drive) der Fahrzeugnutzung oder Art (pay how you drive) der Fahrzeugnutzung. Damit erfolgt noch stärker als bisher eine Zuschlüsselung individueller Risikomerkmale und damit eine noch individuellere und risikoadäquate Preisfindung. Neben möglichen Vergünstigungen (Rabatte, Rückerstattungen etc.) für risikoarmes Fahren sind daneben auch Preisaufschläge für riskante Fahrstile denkbar, oder auch situationsangepasste Zu- oder Abschläge (z.B. für Nachtfahrten, Fahrten in bestimmte Regionen, Zusatzfahrer etc.).

Darüber hinaus werden auch in anderen Lebensbereichen neue, auf Vernetzung und Sensorik basierende Tarife entwickelt, z.B. in der Krankenversicherung, aber auch in anderen Umfeldern, wie der Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung.

Daraus ergibt sich die Frage, wie diese neuen Ansätze der Preissetzung aus Sicht der Öffentlichkeit und der Versicherungskunden bewertet werden. Sind die neuen Tarife risikoadäquater und damit gerechter, weil positives Verhalten belohnt und Risikoerhöhung konsequent bestraft wird? Oder findet aus Sicht der Kunden ein bedenklicher Ausstieg aus einer Solidargesellschaft statt?

Welche Merkmale gelten als „tarifierungsfähig“, und welche sind Tabu? Welche Preismechanismen (von der Beitragsrückerstattung bis zum „Strafaufschlag“) werden akzeptiert, und welche nicht? Und welche Gerechtigkeitskonzepte verbinden Verbraucher mit den damit verbundenen unterschiedlichen Lebenssituationen?

Zu dieser Frage hat  Professor Horst Müller-Peters vom Institut für Versicherungswesen gemeinsam mit Prof. Dr. Wagner von der Universität Leipzig am 26.1.2017 auf einer Veranstaltung am Rande des Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar Auszüge einer aktuellen repräsentative Studie zum Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung vorgestellt. Veranstalter ist das Goslar Institut, Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e. V.

Im Anschluss fand mit den Referenten, Hermann-Josef Tenhagen, Geschäftsführer und Chefredakteur des gemeinnützigen Verbraucherportals „Finanztip“, sowie Dr. Wolfgang Weiler, Vorstandssprecher der HUK Coburg-Versicherungsgruppe, eine Podiumsdiskussion statt zum Thema „Geschäft oder Gewissen? Vom Auszug der Versicherung aus der Solidargemeinschaft“. Die Moderation wurde geleitet von Carola Ferstl (n-tv).

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