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Dr. Birgit Szczyrba

Dr. Birgit Szczyrba

Zentrum für Lehrentwicklung

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Hochschuldidaktische Forschung als Reflexionspotential für die Hochschulentwicklung

Im Rahmen der dghd18 am Karlsruher Institut für Technologie KIT erhoben Prof. Dr. Doris Ternes vom ZHL der DHBW und Dr. Birgit Szczyrba vom ZLE der TH Köln in einem Workshop die Frage, wie Hochschuldidaktische Forschung als Reflexionspotential für die Hochschulentwicklung betrieben, systematisch erfasst und genutzt werden kann.

Der Workshop „Kleinformatig und hochschulintern“ gab einen Überblick über die erforderliche Evidenzbasierung hochschuldidaktischen Handelns im Zuge hochschulischer Organisationsentwicklung im Profilelement Lehre. Es wurde die Notwendigkeit der Wissensgenerierung besonders in den Bereichen des Third Space dargestellt, da dieser Bereich der Hochschule an der Schnittstelle akademischer und administrativer Tätigkeiten arbeitet. Insbesondere wurde in dem Impuls die Bedeutung der Wissensgenerierung vor dem Kontext „Hochschule als lernenden Organisation“ im Zusammenhang mit den vielfältigen Rollen der in der Hochschuldidaktik arbeitenden Personen beleuchtet. Dabei wurden durch die Teilnehmenden sowohl die Bandbreite des Erkenntnispotentials in diesen Rollen als auch diverse Möglichkeiten der internen und externen Kommunikation erarbeitet.  Ein weiterer Impuls über kleinformatige und lokal bezogene hochschuldidaktische Forschungsprojekte und ihre Merkmale und Perspektiven (Szczyrba & Schaper 2018 i.E. unter https://cos.bibl.th-koeln.de/schriftenreihen.phtml) lud die Teilnehmenden ein, mithilfe einer Differenzierung sowie Systematisierung hochschuldidaktischer Forschungsformate in Arbeitsgruppen einzusteigen.

Die Teilnehmenden beleuchteten in den Arbeitsgruppen, gebildet nach Ebenen und Perspektiven hochschuldidaktischer Forschung, die Bedeutung ihrer eigenen Aktivitäten und diskutierten Strategien, wie die gewonnenen Erkenntnisse nach innen und außen bedeutsam dargestellt werden können. Damit kann die externe Validität sowohl geprüft als auch ggf. ausgeweitet werden. Auch das mögliche Transferpotential auf andere Hochschulen und Institutionen der wissenschaftlichen Weiterbildung kann so sichergestellt werden.

Im Zentrum der anschließenden Diskussion im Plenum stand die Frage nach der Qualitätssicherung für kleinformatige und innerinstitutionelle Forschungsformate. Schließlich wurden mögliche Medien und Kommunikationstools gelistet, mit deren Hilfe durchgeführte Studien der interessierten Öffentlichkeit bekannt gegeben werden können. Weiterhin wurde nach Lösungen gesucht, um weitere zielgruppenadäquate Kommunikationswege als Erkenntnisquelle für die Bildungspolitik, für die Organisationsentwicklung und zur Erhöhung der Sichtbarkeit der Forschungsergebnisse bei Drittmittelgebern zu nutzen.

+ Zum Hintergrund

Die Hochschuldidaktik wirkt in unterschiedlichen organisationalen Verfasstheiten als Arbeitsstelle, Zentrum oder Verwaltungseinheit durch die Interaktion ihrer Akteure. Sie entwickelt sich weiter, indem diese Akteure konzeptionell produktiv und weiterbildend/beratend arbeiten. Sie erfassen Ausgangssituationen, stellen sie in Gesamtzusammenhänge, wägen Lösungsmöglichkeiten ab, definieren Ziele, entwickeln Konzepte zu deren Erreichung und begleiten den Prozess dorthin. Damit werden Antworten auf eine Fülle von Fragen gesucht, die wissenschaftlich strukturiert erarbeitet werden. Solche Dienstleistungen machen vielerorts den hochschuldidaktischen Alltag aus. Forschung bleibt häufig meist klein bemessen. Doch „Hochschuldidaktik, die Forschung gegenüber Dienstleistung vernachlässigt, ist den zukünftigen Anforderungen der Hochschulentwicklung nicht gewachsen“ (Wildt, 2013, S. 46).

In Hochschuldidaktikeinheiten, die bisher weniger oder gar nicht den expliziten Auftrag zur Forschung haben, werden mit begrenzten Ressourcen kleinformatige interne Studien durchgeführt, die neben zentralen Erkenntnissen für den eigenen Lehrbetrieb Reflexionspotential zur Hochschulentwicklung generieren. Sie werden häufig nicht als ‚echte‘ Forschung betrachtet – weder von den Forschenden selbst noch von der wissenschaftlichen Community. Auch die externe Validität der Ergebnisse wird u.U. gering eingeschätzt, weil die Forschung sich auf innerinstitutionelle Rahmenbedingungen und Strukturen stützen muss. Dennoch ergeben sich essentielle Anregungen für implementierungsfähige Maßnahmen; Strukturmängel werden deutlich, weitere Forschungsdesiderate zeigen sich, die zur Weiterentwicklung von Studium und Lehre bearbeitet werden müssen. Konsequent verändertes Lehren und Studieren wiederum ist unweigerlich mit Organisationsentwicklung verknüpft (Haertel, Schneider & Wildt, 2011). Dazu aber ist es erforderlich, die gewonnenen Ergebnisse nicht nur in die eigene Hochschule zurück zu spiegeln, sondern sie mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Methodologisch orientiert sich die hochschuldidaktische Forschung sowohl an Paradigmen der quantitativen als auch der qualitativen empirischen Bildungs- und Hochschulforschung. Sie bewegt sich zwischen grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung wie auch zwischen Wirkungs- und Evaluationsforschung (Schaper 2014). Damit werden Komplexität und Vielfalt des wissenschaftlichen Arbeitsfeldes Hochschuldidaktik deutlich.

Vernetzung und Aufbau einer Scientific Community zur kritischen Diskussion solcher hochschulinternen Forschungsarbeiten können dazu beitragen, diese Formate in den Lichtkegel der Hochschulbildungsforschung zu rücken. Vernetzung könnte ebenso helfen, die Reichweite der Erkenntnisse von Insellösungen hin zu hochschulweit und hochschulübergreifend tragfähigen Strategien zu erhöhen.

Weiterführende Literatur

Haertel, T., Schneider, R.& Wildt, J. (2011). Editorial: Wie kommt das Neue in die Hochschule? In Verein Forum Neue Medien in der Lehre Austria (Hrsg.), Zeitschrift für Hochschulentwicklung. (Jg.6 / Nr.3, S. I-IX). Graz

Schaper, N. (2014). Forschung in der Hochschulbildung. In J. Kohler, P. Pohlenz & U. Schmidt (Hrsg.), Handbuch Qualität in Studium und Lehre (Griffmarke D 2.4-1). Berlin: duz Medienhaus.

Szczyrba, B. & Schaper, N. (Hrsg.)(2018). Forschungsformate zur evidenzbasierten Fundierung hochschuldidaktischen Handelns (Reihe Forschung und Innovation in der Hochschulbildung ,Bd. 1. Abrufbar unter https://cos.bibl.th-koeln.de/schriftenreihen.phtml (i.E.).

Wildt, J. (2013). Entwicklung und Potentiale der Hochschuldidaktik. In J. Wildt & M. Heiner (Hrsg.), Professionalisierung der Lehre: Perspektiven formeller und informeller Entwicklung von Lehrkompetenz im Kontext der Hochschulbildung (Blickpunkt Hochschuldidaktik, Bd. 123, S. 27-57). Bielefeld: Bertelsmann.

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