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Guter Studienstart - "Come in - Commit!"

Flipped Classroom ist einer der Schwerpunkte des Programms "Come in - Commit!". Dieses gewann beim Programm „Guter Studienstart“ des Landes NRW.

Flipped Classroom

Flipped Classroom (Bild: Johannes Sauer)

"Flipped" oder "Inverted" Classroom ist ein Konzept, das die traditionelle Aufteilung zwischen Präsenzlehre und Selbststudium "umdreht". Studierende eignen sich Grundlagen mit Materialien und Unterstützung der Dozierenden zu Hause im individuellen Lerntempo an. Die wertvolle Präsenzzeit kann dadurch besser und intensiver genutzt werden, Praxis-Bezug und Forschungsorientierung steigen.

Anwendungsmöglichkeiten

Einführungsveranstaltungen mit hoher Studierendenzahl

Flipped-Classroom-Konzepte sind aktuell besonders beliebt, um in Grundlagen des jeweiligen Studienfaches einzuführen. In den meisten Fällen nehmen hier sehr viele Studierende teil. Doch gerade mit klassischen Vorlesungen werden die Studierenden in eine nicht intendierte Rezeptionshaltung versetzt, anstatt ihre Neugierde einbrinden zu können. Hier soll der Flipped Classroom Abhilfe verschaffen - kann aber aucch in anderen Situationen sinnvoll sein.

Vor dem Flippen

Bevor Sie Ihre Veranstaltung auf den Kopf stellen, sind folgende Fragen hilfreich: welche Teile der bisherigen Präsenzlehre eignen sich gut, um sie in das Selbststudium zu verlagern und welche nicht? Bei welchen Aspekten ist es besonders wichtig, dass die Studierenden sie unter Anwesenheit der Dozierenden bearbeiten? Meist geht es dabei um die Verbindung von Informationen, die Analyse, das Anwenden, kritische Prüfen etc. Machen Sie Ihren Studierenden vorab transparent, wie geflipped wird und welche Vorteile dies mit sich bringt.

Selbststudium mit Medien

Sie können den Studierenden verschiedene Medien zur Verfügung stellen, die bei der Aneingung von Grundlagenkenntnisse unterstützen oder die wichtige Anregungen für Probleme / Fragestellungen geben, die dann in der Präsenzveranstaltung benötigt werden. Eine beliebte Möglichkeit sind Videos bzw. Videoausschnitte von Vorlesungen oder praktischen Handgriffen, beispielsweise von einem Laborpraktikum. Diese können Sie durch passende Skripte ergänzen, anhand derer sich die Studierenden wichtige Hinweise oder Fragen notieren können. Auch die klassische Vorbereitung anhand wissenschaftlicher Aufsätze passt zum Flipped Classroom. 

Verknüpfung von Selbststudium und Präsenzlehre

Beziehen Sie die Präsenzphase immer wieder auf Inhalte, Aufgaben und Ergebnisse der Selbstlernphase, ohne diese nochmals ausführlich zu wiederholen. Ansonsten nehmen die Studierenden eine der Phasen bald als überflüssig wahr, was die Motivation und Aufmerksamkeit senkt. Der Flipp ermöglicht es Ihnen und den Studierenden aufbauend auf den Elementen des Selbststudium die Präsenzlehre neu zu gestalten, um ein höheres Learning Outcome zu erreichen.

Begleiten des Selbststudiums

Formulieren Sie eine klare Aufgabestellungen und Ihre Erwartungshaltung für die Selbstlernphase. Auftretende Verständnisschwierigkeiten oder Unklarheiten lassen sich oft  bereits während der Phase des Selbststudiums klären. Günstig kann es sein, wenn Tutorinnen und Tutoren zur Verfügung stehen, an die sich die Studierenden wenden können.
Über Online-Kommunikation (z.B. in Foren) können die Studierenden angeleitet werden, Probleme zu äußern und sich gegenseitig Tipps zu deren Lösung geben. Der Vorteil: viele typische Fragen müssen Sie in der Präsenzphase gar nicht mehr beantworten, weshalb mehr Zeit für andere Themen zur Verfügung steht.

Studierende helfen Studierenden

Formen des Peer-Feedback können in Online- und in Präsenzveranstaltungen auch in großen Gruppen genutzt werden, wenn die Studierenden für Vorgehensweisen beim Feedback sensibilisiert wurden und klaren Anforderungskatalog nutzen können, nach deren Abgleich Feedback gegeben werden kann. Falls Sie Expertengruppen bilden, erklären die Studierenden sich wechselseitig das jeweilige Spezialwissen. Dadurch unterstützen Sie auch das Vernetzen des Wissens und aktivieren alle Studerenden. So entsteht nur durch gewissenhafte Zusammenarbeit ein Gesamtbild des Grundlagenwissens! 

Einsatz verschiedener Prüfungsformen

Im Flipped Classroom entstehen unterschiedliche Phasen des Lernprozesses (Lernräume), die miteinander verknüpft sind. Deshalb eignet sich das Konzept gut, um zu verschiedenen Zeitpunkten das Erreichen der Learning Outcomes zu überprüfen. Wenn passend, kann vor einer Präsenzphase ein E-Test über die Kenntnis der jeweils relevanten Inhalte durchgeführt werden. 

Anwendungsbeispiel 1

Prof. Dr.-Ing. Martin Bonnett vom Institut für Werkstoffanwendung entwickelte ein Flipped Classroom Konzept für das Grundlagenmodul Werkstofftechnik. In diesem sind die bisher getrennten Formate Vorlesung, Übung und Praktikum jetzt miteinander verknüpft - im Gegensatz zu früher bilden sie nun ein homogenes Ganzes. Auch die Prüfungsphase wurde deutlich entzerrt, 60 Prozent der Punkte werden während des Semesters erworben. Genaueres findet sich in diesem Artikel (S. 25 - 33) zum Konzept.
Für die Umestzung des Konzepts erhielt er 2013 den Lehrpreis der Fachhochschule Köln.

Ich habe einen Überblick in dem Fach. Ich weiß, was ich lernen muss. Ich weiß auch wie und bis wann.

Ich kann mit Ihren Filmen sehr gut lernen. Die Methode ist sehr vorteilhaft. Abspielen wann man will, stoppen, wann man will

        Feedback zweier Studierender aus dem Online Forum zum Grundlagenmodul

Anwendungsbeispiel 2

Wie sich eine Flipped Classroom Veranstaltung weiter verbessern lässt, zeigt das Beispiel von Prof. Dr. Andreas Kampmann und B. Eng. Mirco Stergios Lotz-Blumberg vom Institut für Elektronik & Information Engineering. Um die Motivation der Studierenden während der Selbstlernphase zu steigern, holten sich die Dozenten Unterstützung durch eine didaktische Beratung. Nun werden beispielsweise Selbststudium und Präsenzlehre stärker verbunden, indem Fragebögen eingesetzt werden. Mehr erfahren Sie hier

Vor- und Nachteile

Technische Umsetzung

Bereits bekannte Technik nutzen

Mit welcher Technik sind sie bereits vertraut, die sich für ein "Flippen" eignet? Stellen Sie sich diese Frage, bevor Sie Ihre Veranstaltung neu gestalten. Für viele Zwecke können Sie beispielsweise schon mit ILIAS einiges erreichen (siehe weiter unten). Wenn Sie sich mit der verwendeten Soft- oder Hardware bereits auskennen, bleibt Ihnen mehr Zeit für didaktische und technische Feinheiten.

Videos aufzeichnen

Wenn Sie ein Video Ihrer bisherigen Vorlesung erstellen wollen, teilen Sie diese in max. 15-20 minütige Sinneinheiten. Oft empfiehlt es sich, nach dem Ende jedes Abschnitts Aufgaben einzustreuen, mit denen Sie das Verständnis überprüfen. Stellen Sie wenn möglich ein Skript zur Vorlesung bereit, beispielsweise die Präsentationsdatei. So können sich Studierende Fragen oder Gedanken notieren und zum Präsenztermin mitbringen. Die Videos können je nach Vorliebe und Verwendung unterschiedlich gestaltet sein. Sie können beispielsweise eine tatsächliche Vorlesung aufzeichnen oder in Ihrem Büro oder Labor filmen. Auch ob Sie selbst zu sehen sind oder die Studierenden von Ihnen kommentierte Folien oder Animationen betrachten, kann je nach Situation und Ziel unterschiedlich sinnvoll sein..

ILIAS

Viele Tipps und Tricks aus unserer Rubrik Lehr- und Lernplattformen sind auch für den Flipped Classrom nützlich. Darüber hinaus erklärt die  ILIAS-Hilfsseite für Dozenten viele Handgriffe. Besonders hilfreich sind die Anleitungen zum Anlegen eines Forums oder zur Nutzung von Wikis.

E-Prüfungen:

Wikis, E-Tests oder E-Portfolios ergänzen Flipped Classroom Konzepte sehr gut. Wie sie diese einbinden und was sie auszeichnet, erfahren Sie in unserem Anwendungsszenario E-Prüfungen.

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