Kontakt & Service

Kontakt

Kompetenzteam Hochschuldidaktik

  • Telefon+49 221-8275-3622

Flipped Classroom – Verstärkung des Selbststudiums

Angeregt von der Diskussion über das Konzept des Flipped Classroom am Tag für die exzellente Lehre traten Prof. Kampmann und B.Eng. Lotz-Blumberg an die Hochschuldidaktiker*innen der TH Köln heran, weil sie an einem bereits vor längerer Zeit umgesetzten Flipped Classroom Weiterentwicklungsmöglichkeiten identifizieren wollten.

Prof. Dr. Andreas Kampmann, Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften

Mirco Lotz-Blumberg, B.Eng., Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften

Schlagwörter: Flipped Classroom, Selbststudium, Motivation, Videos, Voting-System

Prof. Kampmanns Ausgangsfrage lautete: Wie kann in einer Flipped Classroom-Veranstaltung die Motivation in der Selbststudienphase gestärkt werden?

 Beim Tag für die exzellente Lehre 2013 war ich Teilnehmer eines Workshops zum Thema ‚Flipped Classroom‘. Das ‚flipped classroom’-Konzept hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon in Eigenregie mit Videos für meine drei Pflichtvorlesungen umgesetzt und seit mehreren Jahren in Betrieb. In meiner einführenden Veranstaltung im dritten Semester war es aber über die Zeit zum Problem geworden, dass sich ein Teil der Studierenden nicht ausreichend mit Hilfe der Videos vorbereitete, so dass in meiner Lehrveranstaltung bislang bewährte Strukturen ihre Wirkung zu verlieren drohten.

+ Wie gestaltete sich das weitere Vorgehen?

In einem gemeinsamen Termin mit dem Kompetenzteam Hochschuldidaktik haben Prof. Kampmann und Herr Lotz-Blumberg eine Visualisierung der Abläufe innerhalb der Lehrveranstaltung erarbeitet. Damit wurden die Anforderungen an die Studierenden im Semesterablauf dargestellt und erste Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der Veranstaltung gefunden. Das Modul besteht aus:
• Videos zur Vorbereitung
• Vorlesung, in der die Studierenden aktiv die Inhalte der Videos weiter vertiefen
• Übung, in der die Studierenden selbst erarbeitete (rechnerische) Ergebnisse vortragen
• einem Experimentier-Set für individuelle Experimente mit engem Bezug zur (Rechen-)Übung.

In der Initiative wurde die Verzahnung der einzelnen Elemente genauer abgestimmt, um den Studierenden schon zu Beginn der Veranstaltung die Erwartungen und Kriterien deutlich zu machen. Verschiedene damit verknüpfte Maßnahmen verbinden nun stärker die Selbststudien- mit den Präsenzphasen.

Mit Fragebögen werden die Studierenden durch die Inhalte der Lehr-Videos geleitet. Gleichzeitig wird durch die Bearbeitung dieser Fragebögen der Grad der Durchdringung der Inhalte für den Studierenden unmittelbar erfahrbar. Zu Beginn jeder Vorlesungssitzung wird außerdem die Vorbereitung mit Hilfe der Videos sichtbar eingefordert. Für die Diskussion der Inhalte in dieser ‚aktiven‘ Vorlesung bilden die Fragebögen eine Referenz, die den Einstieg in noch offene Fragen und nachfolgende vertiefende Aufgabenstellung strukturiert. Relevante Themenfelder werden so in den Videos vorbereitet und dann an konkreten Beispielen in der Vorlesung besprochen. In der zweiten Semesterhälfte werden dabei vermehrt auch Hinweise zur eigenständigen Arbeit mit dem Experimentier-Set sowie eine Kontrolle durch Simulation mit in die Besprechung der Inhalte eingebunden.

In der Übung kommen die Studierenden in zugeteilten Gruppen zusammen. Hier bereiten sie gemeinsam eine Aufgabe vor. Ein bis zwei Studierende tragen dann stellvertretend für die jeweilige Gruppe ihre Lösung vor. Die Vortragenden je Gruppe wechseln sich ab, so dass jede/r einmal vorträgt. Die Nicht-Vortragenden sind aufgefordert, die Präsentationen auf Richtigkeit zu überprüfen und ggf. dazu Fragen zu stellen.

Sowohl in der Übung als auch in der Vorlesung wurden zwischenzeitlich Voting-Systeme erprobt. Dabei stellte sich heraus, dass nach anfänglichem Interesse die Wirksamkeit in kleinen Gruppen schnell nachließ, weshalb das Voting in dieser Veranstaltung nicht weiter verwendet wird.

Im Rahmen einer TAP-Kurzevaluation wurden die Studierenden im laufenden Semester vom Kompetenzteam Hochschuldidaktik dazu befragt, was ihr Lernen mit Bezug auf dieses Veranstaltungskonzept fördert, was es behindert und was mögliche Lösungsansätze sein könnten. Es zeigte sich, dass die Studierenden nach eigener Aussage am meisten lernen, indem sie komplexe Aufgaben mit dem Lehrenden bearbeiten, Funktionen diskutieren und Anwendungsbeispiele besprechen. Weiterhin wurde ein stärkerer Bezug zu den Lernvideos gewünscht sowie eine häufigere Übersichtsdarstellung der Stoffstruktur.

+ Wie geht es weiter?

In der Analyse des TAP sowie dem anschließenden Feedbackgespräch des Lehrenden mit den Studierenden wurden weitere Schritte zur Gestaltung der Lehrveranstaltung geplant: Fokussierung des Learning Outcome der Veranstaltung, Verzahnung der Videos und der Präsenzveranstaltungen sowie Bearbeitung von Aufgaben und Problemen auf Prüfungsniveau im Semesterverlauf zur Prüfungsvorbereitung. Die Gruppenarbeiten in der Übung sollen nun für eine Einbindung aller Studierenden mit Bezug auf die Prüfung weiter ausgebaut werden.

Weiterführende Literatur

  • Frank, A. Fröhlich, M.; Lahm, S. (2011): Zwischenauswertung im Semester: Lehrveranstaltungen gemeinsam verändern. In: Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZFHE), 6/3, S. 310-381. Online verfügbar unter: http://www.zfhe.at/index.php/zfhe/article/view/354
  • van Treeck, T.; Himpsl-Gutermann, K; Robes, J. (2013): Offene und partizipative Lernkonzepte - E-Portfolios, Moocs und Flipped Classrooms. In: Ebner, Martin; Schön, Sandra: Lehrbuch für Lehren und Lernen mit Technologien. 2. Aufl. Online verfügbar unter: http://l3t.eu/homepage/das-buch/ebook-2013/kapitel/o/id/149/name/offene-und-partizipative-lernkonzepte
  • Bonnet, Martin; Hansmeier, Edith & Kämper, Nadine (2013). Ran ans Werk! Erfolgreiche Umsetzung eines Inverted-Classroom-Konzeptes im Grundlagenmodul Werkstofftechnik für studierendenzentriertes und kompetenzorientiertes Lernen im Maschinenbau. In: Tekkaya, A. E. et al. (Hrsg.), TeachING-LearnING.EU discussions. Innovationen für die Zukunft der Lehre in den Ingenieurwissenschaften, 25-33. Online verfügbar unter: http://www.teaching-learning.eu/fileadmin/documents/News/TeachING-LearnING-EU_Publikation2013.pdf
  • Reis, O. (2011): Sinn und Umsetzung der Kompetenzorientierung. Lehre ‚von hinten‘ denken. In: Becker, P. (Hrsg.): Studienreform in der Theologie. Eine Bestandsaufnahme. Münster, S. 108-127.

Ihre Initiative?

Sie haben eine gute Idee für Ihre Lehre und möchten sie ausarbeiten? Ein fertiges Konzept für eine Lehrveranstaltung soll verfeinert, erprobt oder aussagekräftig evaluiert werden? Aus welchem Fach Sie auch kommen - im Team Hochschuldidaktik finden Sie erfahrene Experten, die Ihnen Feedback geben und Sie mit ihrer Expertise zum Lehren und Lernen bei jedem Schritt konstruktiv unterstützen.

Rufen Sie an, kommen Sie vorbei oder schreiben Sie uns!

M
M