E-Prüfungen

 (Bild: Johannes Sauer)

Für nahezu jedes klassische Prüfungsformat gibt es inzwischen eine entsprechende elektronische Variante. Doch auch neue Möglichkeiten des Leistungsnachweises können durch Medieneinsatz realisiert werden. Richtig eingesetzt können elektronische Prüfungen helfen, die Lernprozesse der Studierenden zu begleiten.

Welches Prüfungsformat eignet sich für Ihre Veranstaltung?

Bevor Sie eine Entscheidung zum Prüfungsformat treffen, ist es wichtig, das Learning Outcome der Veranstaltung bzw. des Moduls klar zu definieren. Aufbauend hierauf wird ein so genanntes Niveaustufenmodell oder Kritierenraster definiert. Aus beiden Schritten zusammen können Sie dann ableiten, wie ein passendes Prüfungsformat aussieht. Für die Entwicklung von Prüfungskonstruktionen sind an der Fachhochschule Köln Multiplikatoren in den Fakultäten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Nehmen Sie gerne mit uns Kontakt für weitere Schritte auf.

Grundsätzlich lassen sich Prüfungsformate nach zwei Aspekten auswählen, die sich ergänzen können:

Taxonomiestufe der Prüfung: Sollen die Studierenden theoretisches (Fakten-)Wissen wiedergeben oder Fertigkeiten und Fähigkeiten zeigen? Wie komplex ist der Kontext, in welchem die Studierenden in der Prüfung Handlungen vollziehen? Welche Aspekte müssen für eine angemessene Herangehensweisen abgewogen werden? Welche Messgegenstände können mit welchem Messverfahren erhoben werden? Die Taxonomiestufe der Prüfung ist definiert durch das Learning Outcome der Veranstaltung bzw. des Moduls.

Zeitpunkt der Prüfung: Die Prüfung kann verschiedene Funktionen erfüllen: Vor der Veranstaltung als diagnostisches Instrument, währenddessen (formativ) oder zum Abschluss (summativ). Formative Prüfungen finden kursbegleitend statt,  Lehrende erhalten frühzeitig Informationen über Lernfortschritte und -anlässe der Studierenden. Summative Prüfungen finden nach der letzten Sitzung einer Veranstaltung oder eines Veranstaltungsabschnitts statt, beispielsweise durch Simulationen, Präsentationen, Problemlösungen aber auch durch Klausuren oder Hausarbeiten. Diagnostische Prüfungen helfen Studierenden und Lehrenden, bereits vor Beginn einer Veranstaltung einzuschätzen, wie Vorkenntnisse und avisierte Ziele oder formulierte Voraussetzungen zueinander passen und welche Herausforderungen mit welchen Unterstützungsmöglichkeiten gemeistert werden können. 

Im Folgenden werden einige Formen von E-Prüfungen inkl. einer groben Zuordnung zu einem Learning Outcome vorgestellt. Sie decken nur einen Bruchteil möglicher Prüfungsformate ab, mehr finden Sie bei E-Teaching.org. Grundsätzlich gilt: es gibt keine Patentrezepte, das Prüfungsdesign erschöpft sich nicht im Prüfungsformat, sondern hier muss sehr genau zwischen verschiedenen Ansprüchen (Validität, Reliabilität und Ökonomie) abgeworgen werden. Finden Sie - gerne gemeinsam mit uns - die für Ihre Veranstaltungen am besten geeignete Kombination. 

Einsatzmöglichkeiten

Beispiel 1: E-Portfolios

E-Portfolios sind digitale Sammelmappen, in denen Lehrende und Studierende verschiedene Text-, Bild- oder Tondokumente (Artefakte) zu ihren Lernprozessen aufbereiten und mit Kommentaren versehen können. 

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. E-Portfolios eignen sich vor allem zur  formativen Prüfung, beliebte Beispiele hierfür sind Lerntagebücher oder Arbeitsmappen. Dadurch können Sie prinzipiell den gesamten Lernprozess beobachten und begleiten. Besonders gerne eingesetzt wird dieses Format, um über Faktenwissen hinausgehendes Lernen und kritische Reflexion zu prüfen.

E-Portfolios eignen sich aber auch für summatives Prüfen. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, nur das fertige Portfolio der Studierenden am Ende eines festgelegten Zeitraums zu bewerten. In diesem Fall prüfen Sie summativ, bekommen aber dennoch Einblicke in den Lernprozess. Weitere Hinweise zum Einsatz von Lernportfolios finden Sie in einem Beitrag der Deutschen Universitätszeitung (DUZ)

An der TH Köln werden Lernportfolios z.B. in den Initiativen Selbstmanagement im Studium (Medientechnologie) und Werkstofftechnik eingesetzt.

Beispiel 2: Wikis

In einem Wiki können Studierende Artikel erstellen und gemeinsam bearbeiten. Es erleichtert dadurch vor allem Gruppenarbeit, kann aber auch für individuelle Leistungen verwendet werden. Die einzelnen Artikel lassen sich untereinander verlinken. Ein Beispiel aus der Fachhochschule Köln:

Prof. Dr. Ingo Stadler vom Institut für Elektrische Energietechnik ließ seine Studierenden in Gruppen Wiki-Artikel zur Planung eines Windparks erstellen. Die Texte wurden durch ansprechende Grafiken ergänzt. Der Lernfortschritt während des Semesters war kontinuierlich nachvollziehbar, die Ergebnisse der verschiedenen Gruppen bildeten am Ende ein Gesamtprojekt.

In diesem Fall hat der Lehrende einen formativen Zugang gewählt, der vor allem die Anwendung erworbenen Wissens überprüft. Wikis eignen sich durch ihren lexikonähnlichen Aufbau aber auch gut für die Präsentation von Faktenwissen. Sie sind außerdem eine Möglichkeit, klassische Hausarbeiten in ein semesterbegleitendes Format zu überführen.

Im Beispiel lernten die Studierenden Teamfähigkeiten, indem sie Artikel in Gruppen bearbeiteten. Die Seiten der Teilnehmenden lassen sich untereinander verlinken, was eine Analyse und Synthese vereinfacht. Auch die gegenseitige Evaluation wird dadurch gefördert. Wie bei E-Portfolios können Lehrkräfte entscheiden, ob sie Endergebnisse, den Lernprozess oder beides bewerten wollen.

Beispiel 3: Elektronische Tests

Elektronische Tests sind eine gute Möglichkeit, Faktenwissen - also Wissen auf der untersten Taxonomiestufe - mit Multiple Choice Fragen zu überprüfen. Das Prüfungsdesign ist aber auch hier voraussetzungsvoll, denn

  • die Tests sollten prüfungstheoretisch nur auf einer Taxonomiestufe Daten erheben und zur Bewertung heranziehen
  • gute, trennscharfe Distraktoren (falsche Antworten) zu formulieren ist besonders dann schwierig, wenn nicht schon Testbatterien vorliegen.
  • streng genommen muss bei MC-Tests die Gesamtfrage korrekt beantwortet werden (also alle falschen Antworten nicht ausgewählt, alle richtigen Antworten ausgewählt), Vorrgehensweisen mit Negativpunkten oder Anrechnung von Teillösungen verzerren das Prüfungsergebnis je nach formuliertem Outcome

Werden diese Aspekte beachtet, erleichtern elektronische Tests das Auswerten klassischer summativer Prüfungen. Sie lassen sich aber auch als Vorbedingungen im Semesterverlauf einsetzen, wie ein Beispiel der  TH Köln zeigt:

Prof. Dr. Dirk Burdinski  von der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften hat für sein Chemie-Laborpraktikum einen ILIAS-Test zu Sicherheitsfragen erstellt. Die Studierenden müssen diesen bestehen, um für das Praktikum zugelassen zu werden. Die Unfallrate im Labor konnte so deutlich reduziert werden: viele Studierende hatten vor Einführung des Online-Tests die obligatorischen Sicherheitsanweisungen nicht gelesen. Jeder Studierende hatte unterschiedliche Fragen, die aus einem ILIAS-Pool per Zufall zusammengestellt wurden. So sinkt die Wahrscheinlichkeit von Betrugsversuchen.

In elektronische Tests lassen sich außerdem Medien auf vielfältige Weise einbinden, was neue Prüfungsmöglichkeiten eröffnet. Anwendung von Faktenwissen lässt sich prüfen, indem Studierende in animierten Grafiken verschiedene Elemente wie Schalter an passende Stellen zuordnen oder aktivieren.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Multimediale Inhalte integrierbar
  • Verlinkung von Inhalten
  • Inhalte flexibel in Anordnung, Übertragung (Copy-Paste)
  • Gruppenarbeiten über zentrale Plattformen
  • Lernprozesse übersichtlich dokumentierbar
  • Individuelles Erkennen von Stärken, Schwächen, Fortschritten
  • Raum für Fehler
  • Erwartungshorizont transparent durch Programmvorgaben (z.B. maximale Textlänge)
  • Bessere Lesbarkeit, schnellere Auswertung, Mischen von Fragen (E-Tests)
  • Qualität der Fragestellung besser überprüfbar (E-Tests)
  • Plagiate digital leichter überprüfbar
  • Inhalte auf Wunsch für Öffentlichkeit zugänglich

Nachteile

  • Einarbeitung in Programme und Technik
  • Kontrolle und Betreuung notwendig (Wiki, E-Portfolio, Blogs)
  • Privatsphäre und Anonymität online schwer kontrollierbar
  • Manipulationsgefahr
  • Prüfungsordnungen nicht immer flexibel
  • Vorarbeit zur Erstellung von E-Tests
  • Rechtsfragen bei E-Tests
  • Plagiate digital leichter zu erstellen

Technische Umsetzung

E-Portfolio

Wie Sie ein Portfolio in ILIAS anlegen können, erklärt dieser Videocast von Timo van Treeck (TH Köln, Konzeption und Begleitung bei der Umsetzung von elektronischen Lehr- und Lernportfolios). Mehr Informationen zu Einsatzmöglichkeiten von E-Portfolios finden Sie bei E-Teaching.org.

Elektronische Tests

In ILIAS lassen sich Tests aus unterschiedlichen Fragetypen erstellen (zum Beispiel Auswahl, Zuordnung, Freitext). Wie das technisch geht, erfahren Sie auf der ILIAS-Hilfsseite.

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