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Prof. Dr. Ute Barbara Schilly

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Die internationale Rezeption der Literaturen Spaniens: Beiträge zur Kulturtransferforschung

Reihe „Kulturtransferforschung“, Band I, Berlin: Frank & Timme

Call for Papers

In der Bundesrepublik Deutschland stellt das Großereignis der Frankfurter Buchmesse 1991 mit dem Länderschwerpunkt Spanien einen Auftakt dar im Hinblick auf die Beachtung spanischer Literatur und Kultur seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Hatte sich die Rezeption der spanischen Literatur bis Ende des 20. Jahrhunderts noch kaum etabliert und war sie in mehrerlei Hinsicht von Versetztheiten und „Lücken“ (Strausfeld 2004) geprägt, wenn nicht gar in Teilen von einer „Nicht-Rezeption“ (Lüsebrink ²2008) die Rede sein konnte, so lässt sich mittlerweile ein Paradigmenwechsel feststellen: Eine allgemeine Aufwertung der Literatur Spaniens in Deutschland und eine Einreihung in die „République mondiale de lettres“ (Casanova) hat stattgefunden (Schilly 2017). In welchem kulturhistorischen Großzusammenhang die interkulturellen Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland gerahmt sind, wurde bereits verschiedentlich dargestellt (z. B. Neuschäfer 1994, Bader / Olmos 2004, Briesemeister 2004). Welche Entwicklung zeichnet sich demgegenüber in anderen Ländern hinsichtlich der Rezeption spanischer Literatur ab? In welcher Weise werden dort (welche) Werke und Autoren Spaniens für den Ziel-Buchmarkt selektiert, auf diesem positioniert, und welche (Produktions- und Rezeptions-) Faktoren sind dabei wirksam? Die geplante Publikation hat zum Ziel, Beiträge zum Transfer und zur internationalen Rezeption der Literaturen Spaniens zu bündeln. Durch das Nebeneinanderstellen exemplarischer Studien und den beabsichtigten Ländervergleich hinsichtlich der Kulturtransfer- und Rezeptionsprozesse und -situationen  sollen die konstituierenden Faktoren des Bedingungsgefüges des literarischen Feldes, in dem der einzelne literarische (Übersetzungs-) Text verortet ist, deutlicher hervortreten. Dass das rein textuelle Wirkpotential eines Werkes durch den kulturhistorischen Bedingungszusammenhang und Steuerungsinstanzen seiner Rezeption erheblich relativiert wird, hat jüngst eine rezeptionsanalytische Studie im Ländervergleich zu einem Autor wie Antonio Muñoz Molina gezeigt (Steenmeijer 2017).

Mit dem grundlegenden Untersuchungsgegenstand der internationalen Rezeption der Literatur Spaniens verknüpfen sich dann Anschlussfragen, die tieferreichende Einblicke in die Transfer- und Rezeptionsprozesse der Literatur (nicht nur) Spaniens ermöglichen sollen. Diese fokussieren auf den Aspekt des identitären Konzeptes, auf das von den Akteuren und Institutionen der (Ver-) Mittlung rekurriert wird. Dabei ist die Frage zentral, inwieweit hinsichtlich der sozialen Diversität und regionalen Heterogenität Spaniens – deren Relevanz und Brisanz im aktuellen Tagesgeschehen erneut deutlich zutage tritt – differenziert wird: Welche Komponenten und Dynamiken der Fremdwahrnehmung und -konstruktion der Kulturen und Literaturen Spaniens auf Seiten der jeweiligen Empfängerkultur zeichnen sich gegenüber den (u. a. baskischen, galicischen, katalanischen usw.) Selbstbildern der jeweiligen Ausgangskultur ab? Im Falle der nicht-kastilischsprachigen Literaturen Spaniens liegt zudem häufig ein zweifacher Mittlungsprozess vor, da erst ins Kastilische übersetzt und auf spaniennationaler Ebene rezipiert wird, bevor das jeweilige Werk in die Zielsprachen und ‑kulturen anderer Länder übertragen wird. Zu beleuchten wäre demnach beispielsweise, welche Faktoren und Katalysatoren hier als Einflussgrößen identifiziert werden können und inwiefern sich etwaige Verschiebungen auf dem Weg des doppelten Transfers feststellen lassen.

Ein Aufbrechen der Vorstellung einer geschlossenen Nationalliteratur zugunsten einer differenzierten Beachtung der Literaturen Spaniens ist zwar bereits gefordert (u. a. etwa Briesemeister 2004, Martín-Estudillo / Spadaccini 2010, Montero Küpper 2012), jedoch - gerade auch in rezeptionsanalytischer Perspektive - noch nicht hinreichend vorgenommen worden (Schilly 2017). Der geplante Sammelband soll dazu beitragen, dieses Desiderat zu beheben.

Erwünscht sind rezeptionsanalytische, (vergleichende) literatur-, (inter-) kulturwissenschaftliche und literatursoziologische Beiträge zu Autoren, Werken sowie Akteuren, Instanzen und Faktoren des Kulturtransfers im literarischen Feld (z. B. Kulturinstitute, Übersetzer, Buchveranstaltungen, -prämierungen, Verlage, Literaturkritik usw.). Die Beiträge können in deutscher, spanischer oder englischer Sprache eingereicht werden.

Bitte senden Sie ihren Themenvorschlag für einen Beitrag als Abstract (max. eine Seite) sowie eine kurze biobibliographische Information bis zum 31. Dezember 2017 an:
Ute Barbara Schilly (ute_barbara.schilly@th-koeln.de)

Eine Rückmeldung erfolgt bis zum 31. Januar 2018.

Zeitplan:
31. Dezember 2017: Frist für die Einsendung der Vorschläge
31. Januar 2018: Zusage der Herausgeberin
31. Juli 2018: Frist für die Einsendung der Beiträge

Frühjahr 2019: Erscheinen des Sammelbandes

Bibliographie:

Wolfgang Bader / Ignacio Olmos (Hrsg.): Die deutsch-spanischen Kulturbeziehungen im europäischen Kontext: Bestandsaufnahme, Probleme, Perspektiven, Frankfurt a. M. 2004

Briesemeister, Dietrich: Spanien aus deutscher Sicht. Deutsch-spanische Kulturbeziehungen gestern und heute, Tübingen 2004.

Lüsebrink, Hans-Jürgen: Interkulturelle Kommunikation: Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer, Stuttgart ²2008.

Martín-Estudillo, Luis / Spadaccini, Nicholas: Introduction. Contempo­rary Spanish Literatures: Enduring Plurality, in: Dies. (Hrsg.): New Spain, New Literatures, Nashville 2010, S. IX–XVII.

Montero Küpper, Silvia: De la literatura gallega a la literatura mundial. Las obras literarias gallegas traducidas después de 1980, in: Fernández Rodríguez, Áurea u. a. (Hrsg.): Traducción de una cultura emergente. La literatura gallega contemporánea en el exterior, Bern 2012, S. 109–128.

Schilly, Ute Barbara: Spanische Literatur in Deutschland heute: sieben allgemeine Feststellungen und eine Differenzierung, in: Ursula Wienen / Laura Sergo / Ivonne Gutiérrez Aristazábal (Hrsg.): Translation und Ökonomie (Reihe TRANSÜD), Berlin 2017, S. 57-92.

Steenmeijer, Maarten: Traducción y difusión de la obra de Antonio Muñoz Molina, in: Cuadernos Hispanoamericanos, Nr. 805-806, S. 61-75.

Strausfeld, Michi: Einige alte und neue Kommentare zur Rezeption der spanischen Literatur in Deutschland, in: Wolfgang Bader / Ignacio Olmos (Hrsg.): Die deutsch-spanischen Kulturbeziehungen im europäischen Kontext. Bestandsaufnahme, Probleme, Perspektiven, Frankfurt a. M. 2004, S. 49-59.

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