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Lisa-Marie Friede

Lisa-Marie Friede

Zentrum für Lehrentwicklung
Team Hochschuldidaktik

  • Campus Südstadt
    Claudiusstraße 1
    50678 Köln
  • Raum E1.03
  • Telefon+49 221-8275-5256

Call for Papers: Einladung zur Mitwirkung als Autor*in

FIHN_Teaser_L (Bild: Andreas Wrede/TH Köln)

an einem Band im Rahmen der Cologne Open Science-Schriftenreihe „Forschung und Innovation in der Hochschulbildung“ (FIHB)

Miriam Barnat / Elke Bosse / Birgit Szczyrba (Hrsg.)

Hochschulen auf dem Weg zur hybriden Lehre? Forschung als Impuls für Hochschuldidaktik und Hochschulentwicklung

1. Worum geht es?

Die politischen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie haben dazu geführt, dass die Lehre im Sommersemester 2020 an Hochschulen in Deutschland nicht in Form von Präsenzveranstaltungen stattfinden konnte. Die Hochschulen scheinen diese Vorgabe schnell umgesetzt zu haben, indem sie eine große Bandbreite an lokalen Lösungen für die ad hoc-Umstellung auf digitale Lehre gefunden haben. So war es den meisten Studierenden möglich, Lehrveranstaltungen online zu besuchen und Studienleistungen zu erbringen. Für das Wintersemester 2020/21 gilt zwar “so viel Präsenz wie möglich”, aber angesichts der weiterhin geltenden Hygienevorschriften wird dies nur in einem kleinen Rahmen, fern von Routinen, möglich sein. Nach der anfänglichen Umstellung auf digitale Lehre sind zum Wintersemester 2020/21 also zunehmend hybride Lehrformate zu entwickeln. Über diese Notfall-Lösungen hinaus stellt sich für die weitere Zukunft der Hochschullehre die Frage, inwieweit Präsenzveranstaltungen sinnvoll durch digitale Formate, weitere Lernorte und informelle Lernprozesse ergänzt werden können und welche Chancen eine zunehmend hybride Hochschullehre bietet. Dies berührt nicht nur die methodisch-didaktische Gestaltung hybrider Lehrkonzepte, sondern auch ihre Einbindung in die Studienprogramme und die dafür notwendigen Veränderungen der strukturellen Rahmenbedingungen der Hochschulen.

Anhaltspunkte für zukünftige Gestaltungsaufgaben versprechen die zahlreichen Untersuchungen, die in Reaktion auf die Ausnahmesituation an den Hochschulen durchgeführt wurden. Hierzu gehören hochschulinterne Befragungen von Studierenden, Lehrenden und Verwaltungspersonal, die Einblick geben, wie die Beteiligten das Sommersemester 2020 erlebt haben, genauso wie hochschulübergreifende Untersuchungen ausgewählter Zielgruppen bzw. spezifischer Fragestellungen, die auch von hochschulexternen Einrichtungen initiiert wurden. Das Methodenspektrum reicht dabei von quantitativen Fragebogenerhebungen über qualitative Interviewstudien bis hin zur systematischen Selbstbeobachtung involvierter Akteur*innen. Hinzu kommt die Dokumentation von Aktivitäten, die als Hochschulentwicklungsmaßnahmen initiiert wurden und zur Veränderung der lehrbezogenen Rahmenbedingungen beitragen.

Die auf diesem Weg gewonnenen Einblicke in die Umstellung auf digitale bis hin zu hybrider Lehre sind Gegenstand des geplanten Sammelbandes. Er soll ganz unterschiedliche Ansätze hochschuldidaktischer Forschung (Jenert, Reinmann & Schmohl, 2019; Szczyrba & Schaper, 2018) versammeln, um der Frage nachzugehen, welche Implikationen sich aus den empirischen Daten für die Hochschulbildung und die hybride Hochschullehre ableiten lassen. Damit steht einerseits die hochschulpolitische Forderung nach Evidenzorientierung auf dem Prüfstand: Wie kann es gelingen, Forschungsergebnisse zur Lösung praktischer Probleme zu nutzen? Andererseits ist die Hochschuldidaktik gefordert: Wie kann sie unter den aktuellen Umständen das Postulat bzw. den Anspruch einlösen, nicht (mehr) nur zur methodisch-didaktischen Gestaltung von Lernumgebungen beizutragen, sondern auch (wie in ihren Anfängen) zur Curriculumentwicklung und zu weiteren lehrbezogenen Strukturveränderungen an Hochschulen?

Der Sammelband greift somit nicht nur aktuelle Herausforderungen in der Praxis der Hochschullehre auf, sondern beleuchtet auch die Rolle der Hochschuldidaktik für die hochschulische Organisationsentwicklung (Brahm, Jenert & Euler, 2016; Barnat, Bosse & Mergner, 2017; Heuchemer, Szczyrba & van Treeck, 2020) und regt zur kritischen Diskussion hochschuldidaktischer Forschungsansätze (Scharlau, 2019; Spinath & Seyfried, 2018; Langemeyer & Reinmann, 2018) an.


2. Fragestellungen

Aufgenommen in den Sammelband werden Beiträge, die aufzeigen, wie sich empirische Daten (erhoben durch quantitative Fragebogenerhebungen, qualitative Interviewstudien, systematische Selbstbeobachtung oder systematische Dokumentation von Aktivitäten) dazu eignen, Implikationen für die Hochschuldidaktik und die lehrbezogene Hochschulentwicklung abzuleiten. Über praxisorientierte Erfahrungsberichte oder deskriptive Befunde sollten die Beiträge hinausgehen. Als Bezugsrahmen sollten die unterschiedlichen Handlungsebenen der Hochschuldidaktik (Wildt, 2013; Flechsig, 1975) dienen, die sich folgendermaßen gliedern lassen:

Die Mikro-Ebene der Gestaltung von Lehr-Lernsituationen und -prozessen, die auch die Voraussetzungen, Fähigkeiten und Einstellungen sowie die Interaktion der Lehrenden und Studierenden einschließt.

Die Meso-Ebene der Programmgestaltung, die zum einen die Studienprogramme und Studienphasen mit den Curricula und der studiengangbezogenen Lehrorganisation betrifft. Zum anderen sind darunter auch Programme zur Lehrkompetenzentwicklung zu fassen, d.h. Weiterbildungs-, Beratungs- und Austauschformate für Lehrende.

Die Makroebene der strukturellen Rahmenbedingungen für das Lehren und Lernen an der Hochschule als Organisation, die auch von den rechtlichen Vorgaben und dem politischen Diskurs zu Studien- und Bildungszielen geprägt sind.

Entlang dieser Ebenen stellen sich vielfältige Fragen, die als Anregung für die Beiträge zum Sammelband dienen können:

+ A. Die Mikro-Ebene

  • Wissensvermittlung: Welche methodisch-didaktischen Lösungen wurden für die synchrone/asynchrone Wissensvermittlung gefunden? Inwieweit haben sie sich bewährt und lassen sich in Zukunft fortschreiben?
  • Aktivierung: Wie können die Lernaktivitäten der Studierenden im digitalen Raum sinnvoll angeregt und ihre Lernprozesse begleitet werden?
  • Betreuung:  Wie haben sich die Formen und der Aufwand für die Betreuung verändert? Welche Lösungen wurden für die digitale Kommunikation mit Studierenden gefunden?
  • Lehrkonzepte: Auf welche digitalen Lehrkonzepte und zuvor gesammelte Erfahrungen konnte zurückgegriffen werden? Inwieweit wurde die Umstellung  auf digitale Lehre als Impuls zur Weiterentwicklung von Lehrkonzepten genutzt?
  • Learning Outcomes: Inwieweit konnten die Ziele von Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2020 erreicht werden? Welche Unterschiede sind zu den Lernergebnissen vorheriger Kohorten festzustellen?
  • Zielgruppen: Lassen sich Studierendengruppen identifizieren, die mit der Umstellung auf digitale Lehre besser/schlechter zurechtgekommen sind? Welche Faktoren erweisen sich hier als förderlich/hinderlich?
  • Lehr-/Lernkompetenzen: Welche Rolle haben die Kompetenzen und die Einstellung zur digitalen Lehre auf Seiten von Studierenden und Lehrenden bei der Umstellung auf digitale Lehre gespielt? Inwieweit haben die neuen Herausforderungen zur Erweiterung der Lehr- und Lernkompetenzen geführt?
  • Etc.

+ B. Die Meso-Ebene

  • Lehr- und Studienorganisation: Wie gehen Fachbereichsleitungen und -verwaltungen mit den Befragungsergebnissen zur digitalen Lehre um? Welche Schlüsse ziehen sie daraus für das nächste Semester oder darüber hinaus gehend?
  • Gestaltung von Studienprogrammen: Ergeben sich längerfristige Veränderungen der Curricula bis hin zum Bedarf der Neu-Akkreditierung von Studiengängen? Ergeben sich Konsequenzen für die Verfahren der Curriculumentwicklung?
  • Kollegialer Austausch: Hat sich durch die Krise die selbstgesteuerte Kommunikation unter den Lehrenden verändert? Wie wurden hochschuldidaktische Angebote für den kollegialen Austausch zur (digitalen) Lehre angenommen?
  • Hochschuldidaktische Expertise: Inwieweit wurden hochschuldidaktische Weiterbildungs- und Beratungsformate weiterentwickelt bzw. bestehende Angebote ausgebaut? Wurden Angebote zur digitalen Lehre verstärkt entwickelt? Welches Verhältnis von Angeboten zur digitalen Lehre und bisheriger Formate hochschuldidaktischer Angebote hat sich entwickelt?
  • Etc.

+ C. Die Makro-Ebene

  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Wie unterscheiden sich die von den Bundesländern getroffenen Regelungen und inwieweit resultieren daraus unterschiedliche Anforderungen an die Hochschulen? 
  • Kommunikationsformate und Entscheidungspfade: Wie wurden hochschuldidaktische Einheiten in die Krisenkommunikation und Entscheidungsprozesse eingebunden? Inwieweit ergeben sich daraus veränderte Grundlagen hochschuldidaktischer Arbeit und welche neuen Handlungsmöglichkeiten haben hochschuldidaktische Akteur*innen genutzt? 
  • Studentische Partizipation: Wie setzt sich die Hochschule mit den neuen Unterstützungsbedarfen und Ansprüchen von Studierenden auseinander? Welche Folgerungen ergeben sich für die studentische Mitbestimmung?
  • Netzwerkaktivitäten:  Wie wurden hochschulübergreifende Austauschforen zur Gestaltung von Online-Lehre (z.B. HFD, e-teaching.org, #CoronaCampus etc.) angenommen und wie spielen diese Aktivitäten zusammen mit hochschulinternen Formaten? Was ergibt sich daraus für die hochschuldidaktische Praxis?
  • Technische Infrastruktur und Ausstattung: Inwieweit fällt die angemessene technische Ausstattung von Studierenden nicht nur in den Aufgabenbereich der Landespolitik, sondern ist auch von Seiten der Hochschulen zu unterstützen und verbunden mit organisationalen Veränderungen, die hochschuldidaktisch relevant sein könnten?  
  • Change Management: Wie lässt sich das Krisenmanagement in die reflektierte Gestaltung von hochschulweiten Veränderungsprozessen überführen und welche Rolle spielt dabei die Hochschuldidaktik?
  • etc.

3. Der Arbeitsplan

Um zum Sammelband beizutragen, ist zunächst ein Abstract einzureichen, der Angaben zur Datengrundlage umfasst und erläutert, welche Fragestellung der Beitrag behandelt und auf welche der aufgezeigten Handlungsebene(n) Bezug genommen wird.

  •  Abgabetermin eines Abstracts (max. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen) bis 31.10.2020 / Rückmeldung der Herausgeberinnen bis zum 30.11.2020
  •  Abgabetermin des Volltextes (35.000 bis max 50.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) bis  15.03.2021
  •  Blind Review und Feedback der Herausgeberinnen bis 15.05.2021
  •  Überarbeitung der Beiträge durch die Autor*innen bis 1 5.06.2021
  •  Letzte Überarbeitungsschleife und Satz bis 01.08.2021
  •  Voraussichtliches Erscheinungsdatum in 09/2021

Aachen/Hannover/Köln im September 2020

Miriam Barnat, Elke Bosse und Birgit Szczyrba


Literatur

Barnat, M., Bosse, E. & Mergner, J. (2017). Forschungsbasierte Qualitätsentwicklung für die Studieneingangsphase. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 12(3), 71–91.

Brahm, T., Jenert, T. & Euler, D. (Hrsg.). (2016). Pädagogische Hochschulentwicklung: Von der Programmatik zur Implementierung. Wiesbaden: Springer VS.

Flechsig, K.-H. (1975). Handlungsebenen der Hochschuldidaktik. ZIFF-Papiere. https://ub-deposit.fernuni-hagen.de/receive/mir_mods_00000204

Heuchemer, S., Szczyrba, B. & van Treeck, T. (Hrsg.). (2020). Hochschuldidaktik als Akteurin der Hochschulentwicklung. Bielefeld:  wbv Media.

Jenert, T., Reinmann, G. & Schmohl, T. (Hrsg.). (2019). Hochschulbildungsforschung: Theoretische, methodologische und methodische Denkanstöße für die Hochschuldidaktik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-658-20309-2

Langemeyer, I. & Reinmann, G. (2018). „Evidenzbasierte“ Hochschullehre? Kritik und Alternativen für eine Hochschulbildungsforschung. Impact Free - Journal für freie Bildungswissenschaftler, 20, 13.

Scharlau, I. (2019). Sich verständigen. Überlegungen zur Frage der Evidenzbasierung. In T. Jenert, G. Reinmann, & T. Schmohl (Hrsg.), Hochschulbildungsforschung: Theoretische, methodologische und methodische Denkanstöße für die Hochschuldidaktik (S. 105–123). Wiesbaden: Springer Fachmedien. https://doi.org/10.1007/978-3-658-20309-2_7

Spinath, B. & Seifried, E. (2018). Was brauchen wir, um solide empirische Erkenntnisse über gute Hochschullehre zu erhalten? Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 13(1), 153–169.

Szczyrba, B. & Schaper, N. (Hrsg.). (2018). Forschungsformate zur evidenzbasierten Fundierung hochschuldidaktischen Handelns. https://cos.bibl.th-koeln.de/frontdoor/deliver/index/docId/675/file/FIHB_Band_1.pdf 

Wildt, J. (2013). Entwicklung und Potentiale der Hochschuldidaktik. In J. Wildt & M. Heiner (Hrsg.), Professionalisierung der Lehre. (Bd. 123, S. 27–57). Bielefeld: Bertelsmann.

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