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Ausgezeichnet! - Preisträger*innen im Wintersemester 2016/2017

Wir gratulieren ganz herzlich den im Wintersemester 2016/2017 in der Initiative „Ausgezeichnet!" prämierten Absolvent*innen Tanja Purucker und Moritz Schumacher. Zur Publikation in der Reihe „Ausgezeichnet!" werden ausserdem die Arbeiten von Carola Nawroth, Alina Petrenko und Alexandra Schneider vorgeschlagen.

Bei "Ausgezeichnet!“ werden Abschlussarbeiten gewürdigt, die durch ihre inhaltliche und methodische Qualität, durch den besonderen Gegenstand, durch ihren treffsicheren Praxisbezug und durch das Engagement, das in der Bearbeitung deutlich wird, besonders auffallen und aus den mit „sehr gut“ benoteten Arbeiten herausragen.

Tanja Purucker, Beratung und Vertretung im sozialen Recht (MA): „Von zu kurzen Röcken und anderen Märchen - Vergewaltigungsmythen: Hintergründe, Folgen und eine Möglichkeit der Intervention“ (Betreuer*innen: RA Petra Ladenburger, Prof. Dr. Renate Kosuch)

Aktueller kann eine Arbeit kaum sein. In ihrem Fazit schreibt Tanja Purucker: „Der gesamtgesellschaftliche Aufschrei um die eingangs angeführten Taten in der Silvesternacht von Männern mit Migrationshintergrund kann nicht über die Stille, welche sonst um alltägliche sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung herrscht, hinwegtäuschen. Wir leben in einem Land, in dem neben vielen erkämpften Freiheiten ebenso viele Unfreiheiten fortgesetzt werden, nahezu unsichtbar und akzeptiert. Rape Culture erzählt Frauen und Mädchen, was und wie sie sich anzuziehen haben, mit wem sie reden dürfen und mit wem nicht, in welchen Gegenden sie sich aufhalten dürfen, wieviel sie trinken und wie sie tanzen dürfen und wie nicht. Rape Culture stellt Bedingungen für Frauen und Mädchen auf, unter denen sie, wenn sie sich an alle Bedingungen gehalten haben, als Vergewaltigungsopfer anerkennt werden.“  

Tanja Puruckers entreißt Vergewaltigungsmythen und ihre machtvollen Konsequenzen der sonst um sie herrschenden Stille. Das Bekanntere „Sie wollte es“ genauso wie das unbekanntere „Vergewaltiger sind verrückt“ oder „Vergewaltiger sind sexuell ausgehungert“ und beschreibt die Funktionen, die diese Mythen haben mögen. Eine schonungslose Einsicht: Durch die beständige Drohung von Gewalt tragen sie zur männlichen Dominanz bei. Tanja Puruckers Arbeit sind eigentlich drei in einer: Eine theoretische Arbeit, in der sie über die theoretischen Hintergründe der symbolisch verankerten rape scripts aufklärt, eine handlungsmethodische, in der sie ein Trainingskonzept zur Sensibilisierung von Polizist*innen ausarbeitet und eine methodisch-evaluatorische, in der sie die Wirkung der sensibilisierende Training prüft. Die Jury hat sie rundum überzeugt: Durch die Vielseitigkeit ihrer Arbeit, ihre fundierten theoretischen und praktischen Überlegungen und schließlich dem aufklärerischen Geist, mit dem sie für das Thema sensibilisiert.

 
Moritz Schumacher, Soziale Arbeit (BA): „Genderkompetente und interkulturelle Professionalität in der offenen Kinder und Jugendarbeit - ein Handlungsdilemma?“, (Betreuer*innen: Prof. Dr. Andreas Thimmel, M.A. Nils Wenzler)

Zu Beginn seiner Arbeit schreibt Moritz Schumacher: „Für eine professionelle Gestaltung des fachlichen Umgangs mit Heranwachsenden in der offenen Kinder- und Jugendarbeit ist es – auch ungeachtet der ethnischen Herkunft – relevant, sich mit Genderfragen auseinander zu setzen, dabei „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern.“
Damit ist der Ton gesetzt. In seiner Bachelorarbeit führt Moritz Schumacher zunächst theoretisch in das das komplexe Zusammenspiel von Genderkompetenz, reflexiver Interkulturalität, Lebensbewältigung und sozialer Ungleichheit ein. Im zweiten Teil untersucht er dann empirisch, wie die Praxis den fachlichen Anspruch umsetzt, die Konstruktion von Männlichkeit bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Hinblick auf gesellschaftliche Ungleichheiten zu bearbeiten, die sich besonders aus der Verwobenheit der Dimensionen Geschlecht und Ethnizität ergeben. Dabei bietet er sehr umfassende Einblicke in den aktuellen Fachdiskurs, aber auch in die Praxisansätze der offenen Jugendarbeit und deren Grenzen. Auch das methodische Vorgehen fand die Jury bemerkenswert - der überzeugende Einsatz der Grounded Theory zeugt davon. Beim Lesen der Ausführungen ist nachzuspüren, wieviel konzentrierte Arbeit und engagierte Fachlichkeit in das Erstellen der Thesis eingeflossen sind.

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