Ralph Krüger

 (Bild: FH Köln/ Costa Belibasakis)

Ralph Krüger über seine Doktorarbeit (Inside out 4/2012).

Seit Ralph Krüger (33) an der Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften und der University of Salford, Manchester, unterrichtet, hat sich für ihn „aus Dozentenperspektive das ganze Hochschulumfeld deutlich verändert.“  Die britische Universitätslandschaft könne ein paar mehr deutsche Impulse vertragen und umgekehrt, findet er und verweist für Einzelheiten auf Galtungs vergleichenden Essay über intellektuelle Stile. Während seiner Masterarbeit fand Ralph Krüger Gefallen am wissenschaftlichen Arbeiten. Sein Berufswunsch: Hochschuldozent. Der Doktortitel ist dafür nicht nur hilfreich sondern für ihn ein Beweis, dass er eigenständig und erfolgreich auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau arbeiten kann. „Mit den hier erworbenen Kompetenzen muss ich später schließlich vor den Studierenden bestehen.“


Was ich eigentlich mache?
Ich untersuche Unterschiede in der sprachlichen Kodierung von Informationen in Übersetzungen naturwissenschaftlich-technischer Texte in der Sprachrichtung Englisch-Deutsch-Englisch. Ich möchte herausfinden, inwieweit Textautoren oder Übersetzer die von ihnen zu kommunizierenden Sachverhalte im Text explizit verbalisieren und inwieweit bei der Interpretation eines Textes implizite Faktoren wie der situative Kontext oder der Wissenskontext der Rezipienten eine Rolle spielen. Zur Modellierung der relevanten Faktoren arbeite ich mit Konzepten aus der kognitiven Linguistik. Die Bewertung der identifizierten Phänomene aus sprachsystemischer und pragmatisch-funktionaler Sicht erfolgt dann aus einer rein translationswissenschaftlichen Perspektive.

Meinen Freunden sage ich inzwischen
die Kurzvariante „Das ist zu kompliziert ...“, nachdem zahlreiche Popularisierungsversuche meinerseits gescheitert sind.

Mein Arbeitsplatz ist
hauptsächlich die Bibliothek oder der PC. Meine besten Freunde sind dabei das Literaturverwaltungsprogramm Citavi sowie diverse Mindmapping-Software. Ich bin aber auch schon mitten in der Nacht aufgewacht und habe mir selbst eine SMS mit einem Geistesblitz geschickt, der mir im Schlaf gekommen war. Am nächsten Morgen habe ich dann erst einmal verwundert mein Mobiltelefon angestarrt.

Wie ich auf die Idee gekommen bin?
Der ursprüngliche Vorschlag kam von Frau Prof. Krein-Kühle, hinzu kamen diverse Frustrationserlebnisse aus meiner Arbeit als Übersetzer. Denn in der Praxis wird man häufig mit
dekontextualisierten Texten konfrontiert, für deren korrekte Interpretation zusätzliche Informationen
erforderlich sind. Der Auftraggeber will einfach nur, dass man „übersetzt, was da steht.“ Aber letztendlich kommt der Übersetzer zu dem Schluss, dass da nichts einfach so „steht“, sondern dass Sprache immer unterdeterminiert ist und daher situationsabhängig und vor dem Hintergrund zusätzlicher Wissensstrukturen interpretiert werden muss. In diesem sprachphilosophischen Rahmen sind Phänomene wie Explikation und Implikation zu sehen.

Daran zu forschen lohnt sich, weil
Ich davon ausgehe, dass meine Ergebnisse für die Translationsdidaktik relevant sein werden und die Arbeit als konzeptionelle Grundlage für entsprechende Prozessstudien dienen kann. Außerdem möchte ich einen Beitrag zur Korrektur der leider immer noch weit verbreiteten Vorstellung leisten, beim Übersetzen handele es sich um einen rein mechanischen Umkodierungsvorgang zwischen zwei Sprachen, für den man lediglich sprachliche Kompetenz und ein gutes Wörterbuch benötigt. Qualitativ hochwertiges Übersetzen ist vielmehr eine komplexe Expertentätigkeit, die weit über die bloße Operation an sprachlichen Oberflächenstrukturen hinausgeht.

Daran zu arbeiten fühlt sich an
wie eine emotionale Achterbahnfahrt. Teilweise stagniert die eigene Entwicklung monatelang, und dann wacht man eines Morgens auf und hat einen „Niveausprung“ gemacht, ohne dass man sich erklären könnte, weshalb. Die damit verbundene Euphorie wird im Laufe der Zeit dann wieder von Stagnation und Frust abgelöst, bis aus dem Nichts der nächste Niveausprung kommt, und so geht es dann immer weiter …

Als Motivationskick hilft mir
am besten das inzwischen verinnerlichte Wissen, dass ich irgendwann morgens aufwache und es mit meiner Arbeit voran geht.

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