Jochen Ohrem

Jochen Ohrem (Bild: FH Köln/Boris Loehrer)

Jochen Ohrem über seine Doktorarbeit (Inside out 1/2011)

Jochen Ohrem hat im Jahr 2013 seine Promotion erfolgreich beendet.

Woran arbeite ich eigentlich?
Ich analysiere den Abbauprozess eines speziellen Azofarbstoff s in einem Bioreaktor und von Perfl uortenside (PFT) in einem Ultraschallreaktor.
Diese synthetischen Stoffe werden stark industriell eingesetzt, Azofarbstoffe zur Färbung von Textilien, PFT für Teflon und Verpackungen. Grob gesagt beobachte ich die Abbaureaktion und messe die Reaktionsgeschwindigkeit. Ich möchte entdecken, wie man den brisanten und besonders stabilen PFT-Stoff Perfl uoroctansulfonsäure durch eine ultraschallinduzierte Reaktion und den Azofarbstoff durch eine biologische Behandlung im Wasser in kleinere Moleküle zerlegen und unschädlich machen kann. Die Untersuchung ermöglicht das von der RheinEnergieStiftung finanzierte Projekt "Abbau organischer Verbindungen in Wasser".

Warum es Sinn macht, das zu erforschen?
Weil sauberes Wasser zu gewinnen sehr wichtig ist, aber der Aufwand oft davor abschreckt. Azofarbstoffe werden in gigantischen Mengen eingesetzt, zum Beispiel für die Färbung von Jeansstoff. Pro Jeans wird ein Swimmingpool voll sauberes Wasser eingesetzt. PFT's sind potenziell toxisch und krebserregend und reichern sich zunehmend in der Umwelt an. Man fi ndet sie überall, sogar in Eisbären am Polarkreis. Weil PFT’s aber hervorragende stoffl iche Eigenschaften für Produkte haben, fi nden sie vielfältige Verwendung im Alltag, beispielsweise bei Getränke- und Fastfood-Verpackungen.

Was mich an meiner Arbeit fasziniert?
Das innovative Umfeld aus Bioverfahrenstechnik und Prozessanalytik ist reizvoll. In der "weißen" Biotechnologie, bei der insbesondere chemische durch biologische Prozesse ersetzt werden, sehe ich ein großes ressourcenschonendes Potential – jetzt und in der Zukunft.

Die Arbeit ist verzwickt, weil ...
... die Messdatenmengen riesig sind und manchmal unvorhersehbare Ereignisse eintreffen, die Kompromisse erfordern. Manchmal kommt man nur in kleinen Schritten voran. Verbucht man mal einen größeren Erfolg, fühlt sich das richtig gut an. Wer promovieren will, sollte also unbedingt ein Thema wählen, das ihm richtig Spaß macht.

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